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MAINZ//2011: 56. GMDS-Jahrestagung und 6. DGEpi-Jahrestagung

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V.
Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie e. V.

26. - 29.09.2011 in Mainz

Mononeuropathien der oberen Extremitäten: ein berufsspezifische Analyse von Arbeitsunfähigkeitsdaten für das Jahr 2008

Meeting Abstract

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  • Falk Liebers - Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Berlin
  • Claudia Brendler - Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Berlin
  • Ute Latza - Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Berlin

Mainz//2011. 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds), 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi). Mainz, 26.-29.09.2011. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2011. Doc11gmds110

DOI: 10.3205/11gmds110, URN: urn:nbn:de:0183-11gmds1103

Veröffentlicht: 20. September 2011

© 2011 Liebers et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Mononeuropathien der oberen Extremitäten (ICD-10 G56.0) sind relativ häufige Erkrankungen. Insbesondere für das Karpaltunnelsyndrom sind neben Alter, Geschlecht, Hormonhaushalt und Stoffwechselerkrankungen auch beruflichen Anforderungen wie repetitive und kraftbetonte manuelle Tätigkeiten und Vibrationseinwirkungen als Risikofaktoren anerkannt. Eine Basis für die Definition von Präventionsansätzen im Beruf sind berufsspezifische Analysen von Arbeitsunfähigkeit (AU). Diese geben Basisinformationen über die Verteilung von Erkrankungen in der Erwerbsbevölkerung. Die AU-Statistiken der Gesetzlichen Krankenkassen informieren über AU in Einzelberufen, aber nicht speziell über AU durch Einzeldiagnosen in einzelnen Berufen.

Zielsetzung: Ziel der Studie ist, über eine Sekundärdatenauswertung das berufsspezifische Risiko für das Auftreten von AU durch Mononeuropathien der oberen Extremitäten darzustellen.

Methode: Die Analyse basierte auf aggregierten Daten zur Arbeitsunfähigkeit (AU-Fälle und AU-Tage) der deutschen Erwerbsbevölkerung im Alter von 15-64 Jahren fast aller gesetzlichen Krankenkassen für das Jahr 2008. Berechnet wird die absolute und relative Anzahl der AU-Fälle und -Tage geschichtet nach Alter und Geschlecht für die Diagnose G56. Weiterhin werden berufsspezifische altersstandardisierte Morbiditätsratios (SMR) für das Auftreten von AU-Fällen und AU-Tagen (Berufe entsprechend Klassifizierung der Berufe 1988) stratifiziert nach Geschlecht ermittelt. Bürofachkräfte (3,4 Mio. Beschäftigte) werden als Referenz betrachtet.

Ergebnisse: Der Datenbestand umfasst aggregiert 26,2 Mio. Erwerbstätige. Mononeuropathien bedingten 2008 bei Männern 40.222 AU-Fälle und 1,2 Mio. AU-Tage und bei Frauen 58.666 AU-Fälle und 1,8 Mio. AU-Tage. Dies entspricht 2,98 und 4,64 AU-Fällen pro 1.000 Männern bzw. Frauen. Die relative AU-Fallzahl steigt mit dem Alter (Männer: 0,8 bis 5,0 AU-Fälle pro 1.000 Erwerbstätige, Frauen: 1,1 bis 8,1 AU-Fälle pro 1.000 Erwerbstätige). Männer und Frauen in manuellen und Dienstleistungsberufe sind deutlich häufiger und länger durch AU betroffen als Bürofachkräfte. Ein stark erhöhtes berufsspezifisches SMR (Kriterium: SMR >4) für das Auftreten von AU-Fällen ist bei Frauen in den Tätigkeiten als Melkerin, Gummiherstellerin, Verpackungsmittelherstellerin, Blechpresserin, Metallarbeiterin, Wurstwarenherstellerin, Fischverarbeiterin, Milch-, Fettverarbeiterin zu beobachten. Männern in den Berufen als Polsterer, Wurstwarenhersteller, Fleischer, Gerüstbauer, Stahlschmiede, Halbzeugputzer, Gummihersteller, Steinbearbeiter, Glaser, Dachdecker, Stauer, Möbelpacker sind ebenso hervorzuheben.

Diskussion: Mononeuropathien der oberen Extremitäten sind relativ häufig Ursache für AU. Frauen sind aufgrund von G56 häufiger arbeitsunfähig als Männer. AU durch G56 ist altersabhängig. Bei Erwerbstätigen in manuellen Tätigkeiten und in Dienstleistungsberufen ist AU durch G56 häufiger und führt zu mehr AU-Tagen. Durch berufsspezifische Analyse der Arbeitsunfähigkeit lassen sich Zielgruppen für Präventionsmaßnahmen klar definieren. Die Ergebnisse dürfen nicht kausal, sondern nur im Sinne einer sozialen Betroffenheit diskutiert werden. Kausale Interpretationen sind nicht möglich, da in der Sekundärdatenanalyse im Querschnittsansatz Konfounder nicht vollständig berücksichtigt werden können.