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54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

07. bis 10.09.2009, Essen

Auswirkung einer eGA auf das Arzt-Patienten-Verhältnis

Meeting Abstract

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  • Hanna Kirchner - Forschungsbeauftragte für das BARMER-Forschungsvorhaben elektronisch Gesundheitsakte, Köln
  • Stefan Gesenhues - Institut für Allgemeinmedizin der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen, Essen
  • Walter Lehmacher - Institut für Statistik, Biometrie und Epidemiologie (IMSIE) der Universität zu Köln, Köln

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. 54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds). Essen, 07.-10.09.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09gmds293

DOI: 10.3205/09gmds293, URN: urn:nbn:de:0183-09gmds2937

Veröffentlicht: 2. September 2009

© 2009 Kirchner et al.
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Gliederung

Text

Die Auswirkung von neuen Medien, ganz besonders aber einer elektronischen Gesundheitsakte auf den Einfluss des Verhältnisses von Arzt und Patient sind immer wieder Gegenstand z.T. heftiger Diskussionen und Kontroversen. Insbesondere von den Ablehnern einer Akte in Ärzteschaft und Funktionärskreisen wird postuliert, dass der Einsatz einer elektronischen Gesundheitsakte einen negativen Einfluss auf das Arzt-Patienten-Verhältnis hat. Diese Vermutungen wurden bisher nicht durch Studien validiert, weshalb im Rahmen des Forschungsprojekts „BARMER elektronische Gesundheitsakte“ in einer Querschnitterhebung die realen Nutzer der Akte zu diesem Thema befragt wurden.

Die Ergebnisse entsprechen in nicht den heraufbeschworenen Bedrohungsszenarien, sondern sprechen vielmehr sehr deutlich für den Einsatz einer elektronischen Gesundheitsakte. 82% der Nutzer glauben, dass Ihre Position im Behandlungsprozess durch die elektronischen Gesundheitsakte gestärkt wird. 69% geben an, dass sich die Gesundheitsakte positiv auf das Vertrauen zu ihrem Arzt auswirkt. 62% können Probleme beim Arztbesuch besser ansprechen und sind besser in der Lage sind, mit ihrem Arzt über ihre Erkrankung zu sprechen (61%).

43% aller Befragten hatten ihren Arzt darüber informiert, dass sie eine Gesundheitsakte besitzen. Allerdings erfuhren rund 30% der Versicherten, dass ihr Arzt nicht informiert war über die elektronischen Gesundheitsakte oder kein Interesse hatte. 17% berichteten, dass der Arzt keine Befunde einstellen wollte bzw. die Akte generell ablehnt. Allerdings waren auch 22% der Ärzte sehr interessiert, 12% wollten Daten einstellen oder das zukünftig tun.

Generell ist die Beurteilung des Arzt-Patienten-Verhältnisses bereits heute sehr gut. Gemessen an der Qualität und der Angemessenheit des Informationsumfangs finden 56% den von ihrem Arzt erhaltenen Informationsumfang genau richtig, 24% erhalten weniger Informationen als sie wollten, ca. 20% aber auch mehr als sie wollten. 68% bewerteten die Informationsqualität ihres Arztes als gut und sehr gut. 90% der Versicherten wünschen sich eine gemeinsame Entscheidungsfindung zwischen Arzt und Patient, dieser Wunsch steigt mit dem Alter. 26% erleben derzeit jedoch, dass der Arzt für sie entscheidet.


Literatur

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