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54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

07. bis 10.09.2009, Essen

Nutzerzentrierte Konzeptentwicklung bei assistiven Technologien für pflegebedürftige und sturzgefährdete Patienten

Meeting Abstract

  • Markus Meis - HörTech gGmbH, Oldenburg
  • Manfred Hülsken-Giesler - Universität Osnabrück, FB Humanwissenschaften, AG Pflegewissenschaft, Osnabrück
  • Mehmet Gövercin - Charité Universitätsmedizin Berlin (CC 13) FG Geriatrie der Charite am Evangelischen Geriatriezentrum, Berlin
  • Ivonne Költzsch - Charité Universitätsmedizin Berlin (CC 13) FG Geriatrie der Charite am Evangelischen Geriatriezentrum, Berlin
  • Andreas Hein - OFFIS - Institut für Informatik, Oldenburg
  • Michael Marscholleck - Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik der Technischen Universität Braunschweig und der Medizinischen Hochschule Hannover, Braunschweig
  • Elisabeth Steinhagen-Thiessen - Charité Universitätsmedizin Berlin (CC 13) FG Geriatrie der Charite am Evangelischen Geriatriezentrum, Berlin
  • Hartmut Remmers - Universität Osnabrück, FB Humanwissenschaften, AG Pflegewissenschaft, Osnabrück

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. 54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds). Essen, 07.-10.09.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09gmds249

DOI: 10.3205/09gmds249, URN: urn:nbn:de:0183-09gmds2496

Veröffentlicht: 2. September 2009

© 2009 Meis et al.
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Gliederung

Text

Im Rahmen des Niedersächsischen Forschungsverbundes Gestaltung altersgerechter Lebenswelten (GAL) werden vier konkrete Anwendungsszenarien assistiver Technologien für die häusliche Umgebung entwickelt.

Zwei dieser Szenarien, ein sensorbasiertes System zur Aktivitätsbestimmung und eines zur Sturzerkennung und -prädiktion, wurden im Dialog mit Nutzern hinsichtlich möglicher Versorgungsbarrieren vor der technischen Entwicklung untersucht.

Es werden Ergebnisse von sieben leitfadengestützten Fokusgruppenbefragungen mit 17 pflegenden Angehörigen, sechs professionell Pflegenden und 26 Patienten mit unterschiedlichen Ausprägungsgraden der Pflegebedürftigkeit und Sturzgefährdung vorgestellt.

Die Fokusgruppenbefragungen zur sensorgestützten Aktivitätsbestimmung zeigten, dass eine selbstbestimmte Versorgung allein lebender älterer Menschen in der häuslichen Umgebung besonders von Hilfestellungen informeller aber auch technischer Unterstützungssysteme abhängt. Grundsätzlich wird eine Weiterentwicklung moderner Technologien mit Blick auf die Faktoren: "Sicherheit", "Gesundheit", "Mobilität" "Bewältigung von Alltagssituationen", "Kommunikation" und "Komfort" gewünscht. Entsprechende Technologien müssen an die Bedingungen der häuslichen Umgebung angepasst sein. Bei der Einschätzung der konkreten Technologien fiel auf, dass potentielle Nutzer die einzelnen Sensoren wie Türkontakt, Bewegungsmelder, Stromsensoren und Lichtschranke als sehr relevant einstuften.

Sowohl für die optische Sturzerfassung- und vorhersage, als auch für die körpernahe Sensorik (Accelerometer) zeigte sich, dass ein wesentlicher Akzeptanzfaktor die erhöhte persönliche Sicherheit, sowohl für die Angehörigen als auch für die Betroffenen selbst, war. Dabei wird besonders die zeitnahe Registrierung und Meldung des Sturzes, dessen Prognose auch beim Vorliegen einer Bewusstlosigkeit als wesentlich angesehen. Während beim optischen Sturzsensor positiv betont wurde, dass die Sensoren nicht am Körper getragen werden müssen, lag die Stärke des Accelerometers in der ausserhäuslichen Mobilität. Bei dem optischen Sturzsensor wurden aufwändige und kostenintensive Installationsmaßnahmen vermutet. Beim Tragen von Accelerometern in Form eines Hüftgürtels wurden mögliche Versorgungsbarrieren besonders bei Frauen (Modeaspekte, Stigma) identifiziert. Wesentlich geringere Bedenken waren bei stärker beeinträchtigten Patienten zu verzeichnen; diese Tendenz war auch bei Datenschutzaspekten feststellbar.

Die Ergebnisse weisen insgesamt auf eine hohe Relevanz des Projektvorhabens hin, machen aber auch auf Vorbehalte seitens der befragten Akteure aufmerksam.