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54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e.V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

07. bis 10.09.2009, Essen

Inanspruchnahme und Erfolg medizinischer Rehabilitatio: Ein Vergleich von Rehabilitanden deutscher und ausländischer Staatsangehörigkeit

Meeting Abstract

  • Patrick Brzoska - Abt. Epidemiologie & International Public Health, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Universität Bielefeld, Bielefeld
  • Sven Voigtländer - Abt. Epidemiologie & International Public Health, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Universität Bielefeld, Bielefeld
  • Jacob Spallek - Abt. Epidemiologie & International Public Health, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Universität Bielefeld, Bielefeld
  • Oliver Razum - Abt. Epidemiologie & International Public Health, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, Universität Bielefeld, Bielefeld

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. 54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds). Essen, 07.-10.09.2009. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2009. Doc09gmds060

DOI: 10.3205/09gmds060, URN: urn:nbn:de:0183-09gmds0609

Veröffentlicht: 2. September 2009

© 2009 Brzoska et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Frühberentungsquoten sind bei Ausländern deutlich höher als bei Deutschen. Als Ursachen dafür werden eine geringere Inanspruchnahme medizinischer Rehabilitation sowie ein geringerer Rehabilitationserfolg bei Ausländern im Vergleich zu Deutschen vermutet. Ziel der vorliegenden Untersuchung war es, diese beiden Hypothesen zu überprüfen.

Methoden: Grundlage für die Analyse der Inanspruchnahme medizinischer Rehabilitation von Erwachsenen war der Datensatz 2002–2004 des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP). Für die Analyse des Rehabilitationserfolgs wurde der Scientific-Usefile-Reha, eine 1%-Stichprobe abgeschlossener Rehabilitationsleistungen der Deutschen Rentenversicherung Bund aus dem Jahr 2006, eingesetzt. Als Rehabilitationserfolgs-Parameter wurde eine über dreistündige Leistungsfähigkeit bezogen auf einen neuen Beruf sowie den letzten Beruf, der vor der Rehabilitationsmaßnahme ausgeübt wurde, herangezogen. Mittels multipler logistischer Regressionsmodelle wurde der Einfluss der Staatsangehörigkeit auf die Inanspruchnahme und den Erfolg der Rehabilitation untersucht. Adjustiert wurde für gesundheitliche und soziodemographische Faktoren.

Ergebnisse: Von insgesamt 19.521 SOEP-Befragten konnten 7,4% als Ausländer identifiziert werden. Das für soziodemographische und gesundheitliche Faktoren adjustierte Odds Ratio (OR) für die Inanspruchnahme einer medizinischen Rehabilitationsmaßnahme durch Ausländer lag bei 0,69 [CI-95% 0,51;0,93]. Für die Analyse des Rehabilitationserfolgs auf Grundlage des Scientific-Usefile-Reha standen Datensätze von 68.502 Personen zur Verfügung, von denen 5,5% eine ausländische Staatsangehörigkeit besaßen. Das für soziodemographische und gesundheitliche Faktoren adjustierte OR für eine Leistungsfähigkeit von weniger als 3 Stunden im zuvor ausgeübten Beruf betrug für Ausländer im Vergleich zu Deutschen 1,25 [CI-95% 1,14;1,36]. Ein ähnlicher Unterschied fand sich für reduzierte Leistungsfähigkeit in einem anderen Beruf (adjustiertes OR=1,34 [CI-95% 1,15;1,56]).

Diskussion: Ausländer weisen eine geringere Inanspruchnahme medizinischer Rehabilitation auf. Diejenigen, die sie in Anspruch nehmen, schließen sie gemessen an der beruflichen Leistungsfähigkeit im Vergleich zu Deutschen mit einem geringeren Rehabilitationserfolg ab. Diese Unterschiede bestehen trotz Adjustierung für soziodemographische und gesundheitliche Einflüsse. Gründe liegen vermutlich in migrationsspezifischen und systembedingten Faktoren, die zum einen Zugangsbarrieren schaffen und zum anderen eine bedarfs- und bedürfnisgerechte rehabilitative Versorgung behindern.


Literatur

1.
Höhne A, Schubert M. Vom Health-migrant-Effekt zur gesundheitsbedingten Frühberentung: Erwerbsminderungsrenten bei Migranten in Deutschland. In: DRV-Schriften, Etablierung und Weiterentwicklung. Bericht vom vierten Workshop des Forschungsdatenzentrums der Deutschen Rentenversicherung (FDZ-RV); 2007 Juni 28-29; Berlin, Germany; 2007.
2.
Razum O, Zeeb H, Meesmann U, Schenk L, Bredehorst M, Brzoska P, Dercks T, Glodny S, Menkhaus B, Salman R, Saß AC, Ulrich R. Migration und Gesundheit. Berlin: Robert Koch-Institut; 2008.