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53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

15. bis 18.09.2008, Stuttgart

Die webbasierte Präsentation funktionsdiagnostischer Referenzwerte

Meeting Abstract

  • Hagen Brames - Abteilung Medizinische Informatik, Universitätsmedizin, Göttingen, Deutschland
  • Stefan Müller - Abteilung Medizinische Informatik, CIOffice Medizinische Forschungsnetze Universitätsmedizin, Göttingen, Deutschland
  • Karl-Otto Dubowy - Klinik für Angeborene Herzfehler, Ruhr-Universität, Herz- und Diabetes-Zentrum, Bad Oeynhausen, Deutschland
  • Brigitte Peters - Institut für Biometrie und Medizinische Informatik, Otto-von-Guericke-Universität, Magdeburg, Deutschland
  • Ulrich Sax - Abteilung Medizinische Informatik, CIOffice Medizinische Forschungsnetze Universitätsmedizin, Göttingen, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. 53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds). Stuttgart, 15.-19.09.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. DocSTUD1-5

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2008/08gmds249.shtml

Veröffentlicht: 10. September 2008

© 2008 Brames et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielf&aauml;ltigt, verbreitet und &oauml;ffentlich zug&aauml;nglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Einleitung und Fragestellung

Die Erhebung und Präsentation funktionsdiagnostischer Referenzwerte ist eine Fragestellung innerhalb des Querschnittsprojektes 1 (Probandendatenbank) des Kompetenznetzes Angeborene Herzfehler [1]. Bisher konnten Referenzwerte den Akteuren in der Versorgung lediglich in Papierform vorgelegt werden.

Innerhalb des Querschnittsprojektes werden Referenzwerte von gesunden Probanden bei drei verschiedenen Arten an Belastungsuntersuchungen erhoben. Hier besteht ein großer Bedarf an Referenzwerten, da ein einheitliches, Generationen übergreifendes Belastungsprotokoll fehlt. Im klinischen Alltag wird die körperliche Leistungsfähigkeit Gesunder und die Belastbarkeit Kranker nicht standardisiert ermittelt [2]. Das Vorhandensein von Referenzwerten ermöglicht aber den Gesundheitszustand eines Patienten objektiv zu ermitteln.

Um das Potenzial der Referenzwerte bestmöglich zu nutzen, sollen sie elektronisch vorliegen. Daher wurde ein Prototyp einer Webseite entwickelt, auf der die Referenzwerte elektronisch dargestellt werden können.

Material und Methoden

Die Erhebung und biometrische Auswertung der Referenzwerte in dem Querschnittsprojekt erfolgt weitestgehend elektronisch.

Moderne SpiroErgo-Geräte liefern je Untersuchung eine Datei mit den aufgezeichneten Werten. Diese wird in ein Remote Data Entry (RDE)-System zur Verwaltung und Durchführung von klinischen Studien importiert und dabei eine Validierung und Plausibilitätsprüfung vorgenommen.

Aus dem RDE-System heraus ist ein Export der Daten in verschiedenen Formaten möglich. In der Auswertung wird unter zu Hilfenahme der LMS-Methode (L=Box-cox-power-Transformation, M=Median und S=Variationskoeffizient) mit penalisiertem Wahrscheinlichkeits-Ansatz [3] und umsetzender Software die Sicht auf den einzelnen Probanden verlassen. Es entstehen getrennt nach Untersuchungsart, Messgröße, Geschlecht und Alter die L, M und S-Werte. Diese ermöglichen die Berechnung des SDS-Wert (standard deviation scores). Der SDS-Wert ist ein normierter Wert, der einen Vergleich zwischen Patient und Proband eines Geschlechtes und Alters möglich macht.

Des Weiteren werden die Werte für die Percentile berechnet. Jedes Percentil entspricht einem Prozentsatz (3,10,25,50,75,90,97) an Probanden, deren gemessener Wert unter dem errechneten Wert für das Percentil liegt. Diese Werte liegen für eine Präsentation, sowohl als Tabellen zusammen mit den L, M und S-Werten, wie auch graphisch als Percentilkurven, digital vor.

Die elektronische Präsentation der Referenzwerte hat das Ziel die Handhabbarkeit, Verfügbarkeit und Pflege der enthaltenen Informationen zu verbessern. Dabei soll die Funktionalität der papierbasierten Präsentation, ein Vergleich des am Patient gemessenen Wertes mit dem SDS-Wert und den Percentilen, erhalten bleiben.

Auf diesem Wege sollen die Informationen einem weiten Kreis von Haus- und Fachärzten zugänglich gemacht werden. Die Referenzwerte sollen für angeschlossene Kliniken nach Ermittlung neuer Probandendaten als Vergleich mit den Parametern dienen und so wiederum die Versorgung und weitere medizinische Forschungsvorhaben fördern.

Ergebnisse

Als Ergebnis ist ein Prototyp einer webbasierten Präsentation mit einer Datenbank im Hintergrund entstanden, die es dem Nutzer, komfortabel und auf seine Bedürfnisse angepasst, ermöglicht die Referenzwerte abzufragen [4] (Abbildung 1 [Abb. 1]).

Die beiden Bestandteile der Auswertung, graphische Darstellung der Referenzwerte als Percentilkurven und tabellarische Darstellung mit den Percentil bzw. L, M und S-Werten, wurden beibehalten. Zwischen den Ansichten kann frei gewählt oder sie können auch kombiniert werden.

Der Nutzer hat die Möglichkeit die anzuzeigenden Messgrößen auszuwählen und Angaben zum Geschlecht und Alter des Patienten zu machen. Die daraus resultierende Darstellung entspricht der selektierten Abbildung der Referenzwerte, wie sie in der Auswertung entstanden sind.

Eine Erweiterung der reinen Abbildung der Daten ist die optionale Eingabe des am Patienten gemessenen Wertes für die jeweilige Messgröße. Dieser wird in der tabellarischen Ansicht an die richtige Stelle einsortiert und farblich gekennzeichnet. Die Färbung signalisiert, wie der Wert zu bewerten ist. Analog dazu wird in der graphischen Darstellung ein gefärbtes Kreuzes an die richtige Stelle in den Percentilkurven eingebracht. Der Arzt kann dadurch auf einen Blick erkennen, welche Werte einen Grenzwert über- oder unterschreiten.

Des Weiteren ist es möglich aufgrund der gemachten Eingaben den SDS-Wert zu berechnen und die Abweichung zum SDS-Referenzwert anzeigen zu lassen.

Das Ausdrucken der Ergebnisse, um sie zum Beispiel in der Patientenakte abzulegen, wird durch eine Druckfunktion mit optionalen Angaben zu den administrativen Daten des Patienten und des Arztes ermöglicht.

Diskussion

Im Prototyp der webbasierten Darstellung konnten Verbesserungen gegenüber der papierbasierten Verbreitung erreicht werden.

Eine Suche in einer großen Anzahl von Seiten nach der entsprechenden Messgröße und das Bestimmen der korrekten Zeile in der Tabelle oder des Punktes in der Grafik entfallen. Eine weitere Zeitersparnis ist, dass gleich mehrere Messgrößen auf einmal betrachtet werden können und die farbliche Kennzeichnung diejenigen markiert, die Grenzwerte verletzen. Falls der Nutzer die papierbasierte Präsentation bevorzugt, so kann er durch die Druckfunktion die Daten so ausdrucken, wie sie vorher verbreitet wurden.

Nachteile könnten eine eventuell mangelnde Akzeptanz oder auch Schwierigkeiten des Zugangs zum Internet in Teilen der Versorgung sein.

Zukünftige Erweiterungen könnten eine Importfunktion für die gemessenen Werte, automatische Verlaufskontrollen oder das Abspeichern von Untersuchungen sein.

Danksagung

Die Arbeit wurde unterstützt durch das Kompetenznetz Angeborene Herzfehler, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung; BMBF-Fkz 01GI0210 (1. Phase) 01GI0601 (2. Phase).


Literatur

1.
Peters B, Bernitzki S, Baden W, Dubowy KO. Perzentile und SDS für Herz-Lungenleistungsparameter ermittelt mit Hilfe der LMS-Methode. In: 50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. Freiburg im Breisgau, 12.-15.09.2005. Düsseldorf, Köln: German Medical Science; 2005. Doc 05gmds241. Available from: http://www.egms.de/en/meetings/gmds2005/05gmds091.shtml. Externer Link
2.
Dubowy KO. Objektive Belastbarkeit von Patienten mit angeborenen Herzfehlern. Die medizinische Welt 2006; 57 (4): 158-163.
3.
Cole T, Green P. Smoothing reference centile curves: The LMS method and penalized likelihood. Statistics in medicine 1992; 11: 305-19
4.
Brames H. Ergebnis eines Praktikums von Hagen Brames, Canh-Han Huynh im Studiengang Angewandte Informatik B.Sc. mit dem Thema „Webbasierte Präsentation von Referenzwerten bei Belastungsuntersuchungen von Probanden“ in der Abteilung Medizinische Informatik der Universitätsmedizin Göttingen