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53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

15. bis 18.09.2008, Stuttgart

NeuroGuard – Software zur Durchführung von geriatrischen und neurologischen Assessments

Meeting Abstract

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  • Lukasz Plotnicki - Medizinischen Informatik an Universität Heidelberg/Hochschule Heilbronn, Heidelberg, Deutschland
  • Frederik Reifschneider - Medizinischen Informatik an Universität Heidelberg/Hochschule Heilbronn, Heidelberg, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. 53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds). Stuttgart, 15.-19.09.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. DocSTUD1-3

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2008/08gmds247.shtml

Veröffentlicht: 10. September 2008

© 2008 Plotnicki et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielf&aauml;ltigt, verbreitet und &oauml;ffentlich zug&aauml;nglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Einleitung und Fragestellung

Individuelle Gesundheitsleistungen werden heutzutage immer wichtiger. Speziell bei älteren Menschen ist, neben der medizinischen, eine ganzheitliche Sicht, die z.B. auch die Wohngegebenheiten mit einbezieht, notwendig. Zur Feststellung des physischen, kognitiven, emotionalen und sozialen Zustands eines Patienten können Assessments genutzt werden. Assessments bestehen in der Regel aus Fragen und vorgegebenen bewerteten Antworten und geben z.B. Aufschluss darüber, wie gut ein Patient im alltäglichen Leben zurecht kommt, oder ob z.B. die Gefahr einer Depression droht. Es gibt sehr viele, sich thematisch teilweise überdeckende Assessments. Die Auswertung von Assessments bietet die Möglichkeit, eine speziell auf den Patienten angepasste Therapie zusammenzustellen und diesen optimal zu unterstützen beziehungsweise zu fördern. Selbstverständlich müssen die durchgeführten Assessments sorgfältig dokumentiert werden und sollten jederzeit abruf- sowie vergleichbar mit früher durchgeführten Assessments sein, um eine Entwicklung erkennbar zu machen. Die hier vorgestellte Software dient der komfortablen Durchführung und Auswertung von Assessments und bietet die Möglichkeit individuelle Reports für Patienten zu erstellen. Die Software wurde im Auftrag eines Arztes aus dem Odenwaldkreis entwickelt und wird derzeit im Arbeitsalltag produktiv eingesetzt.

Material und Methoden

Das Ziel des Projektes war die Erstellung eines Programms zur Durchführung und Dokumentation von Assessments, welches sich am konventionellen Workflow dieser Aufgabe orientiert und somit den Arbeitsablauf nach seiner Einführung nicht wesentlich beeinflusst. Um dieses Ziel zu erreichen wurde eine Analyse des IST-Zustands durchgeführt, in deren Rahmen genau untersucht wurde, wie und mit welchen Mitteln die Assessments in der Praxis durchgeführt werden. Die Ergebnisse waren sowohl für die Darstellung als auch für die Architektur der Software entscheidend.

Folgende Anforderungen wurden während der IST Analyse festgestellt:

  • Das Personal war die formularähnliche Darstellung eines Assessments gewohnt. Dies sollte auch bei der graphischen Repräsentation in der Software berücksichtigt werden.
  • Die Software sollte im Praxisintranet aufrufbar sein, damit ihre Anwendung von jedem Praxisrechner aus möglich wäre.
  • Die Praxis ist durch eine heterogene Hardware- und Systemlandschaft gekennzeichnet, weshalb auch die Plattformunabhängigkeit gewährleistet sein sollte.
  • Mittels einer Use-Case Analyse wurden wichtige Funktionalitäten und Komponenten des zu erstellenden Programms identifiziert.

Aufgrund dieser Anforderungen entschied man sich für eine Client-Server Architektur. Der Client wurde als Fatclient realisiert und in Java programmiert, um die geforderte Plattformunabhängigkeit zu gewährleisten. Für die Oberflächendarstellung kommt die Substance [1] Bibliothek zum Einsatz. Serverseitig wird PostgreSQL [2] als Datenbank eingesetzt. Des Weiteren wird die Bibliothek iText [3] zur PDF-Generierung verwendet. Um die Trennung der Daten und der Logik gemäß dem MVC-Prinzip zu garantieren, wurde für die einzelnen Assessments eine XML-Repräsentation gewählt.

Ergebnisse

NeuroGuard ermöglicht die Durchführung von insgesamt 29 Assessments, deren genaue Auflistung Tabelle 1 [Tab. 1] entnommen werden kann. Jedes abgeschlossene Assessment wird automatisch ausgewertet und kann vom durchführenden Tester kommentiert und als PDF-Datei exportiert werden, bevor es auf dem Server in der zentralen Datenbank gespeichert wird. NeuroGuard verfolgt den Ansatz einer Probandenakte – d.h. zu jedem Probanden existiert im System ein Datencontainer, in dem alle seine Daten (Stammdaten und medizinische Daten) samt den Untersuchungen vorhanden sind und zu jedem Zeitpunkt abgerufen werden können. Für jede Probandenakte kann ein Ergebnisreport erstellt werden. Dies ist eine PDF-Datei, die eine Übersicht zu allen durchgeführten Assessments zu einem Patienten beinhaltet und deren Ergebnisse graphisch präsentiert. Es besteht auch die Möglichkeit, der Probandenakte eine beliebige Datei mit probandenrelevantem Inhalt hinzuzufügen. NeuroGuard schlägt dem Tester, aufgrund der beim Probanden vorliegenden Hauptdiagnose, vor, welche Assessments durchzuführen sind. In der aktuellen Version des Programms werden die fünf wichtigsten Diagnosen (Tabelle 2 [Tab. 2]) des geriatrischen Bereichs unterstützt.

Diskussion

Bisher hat sich die rechnergestützte Durchführung der Assessments als effizient und unproblematisch erwiesen – eine genaue Evaluation ist noch geplant. Dank der engen Kooperation mit dem Auftraggeber ist NeuroGuard zu einer Applikation geworden, die hohe Akzeptanz in ihrem Einsatzumfeld kennzeichnet. Da diese Zusammenarbeit noch besteht, wird die Software kontinuierlich optimiert, um den Ansprüchen der Benutzer immer besser gerecht zu werden.


Literatur

1.
Substance. Verfügbar unter: https://substance.dev.java.net/ (Letzter Zugriff: 27.03.2008) Externer Link
2.
PostgresSQL. Verfügbar unter: http://www.postgresql.org/ (Letzter Zugriff: 27.03.2008) Externer Link
3.
iText. Verfügbar unter: http://www.lowagie.com/iText/ (Letzter Zugriff: 27.03.2008) Externer Link