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53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

15. bis 18.09.2008, Stuttgart

MRT-Infrastruktur: Kosten der zentralen Auswertung für ein Kompetenznetz

Meeting Abstract

  • Stefan Müller - Universitätsmedizin, Göttingen, Deutschland
  • Titus Kühne - Herzzentrum, Berlin, Deutschland
  • Philipp Beerbaum - King‘ s College London, London, UK
  • Matthias Gutberlet - Herzzentrum, Leipzig, Deutschland
  • Samir Sarikouch - Herzzentrum, Bad Oeynhausen, Deutschland
  • Ulrich Sax - Universitätsmedizin, Göttingen, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. 53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds). Stuttgart, 15.-19.09.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. DocMI17-4

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2008/08gmds192.shtml

Veröffentlicht: 10. September 2008

© 2008 Müller et al.
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Gliederung

Text

Einleitung und Fragestellung

Im Kompetenznetz Angeborene Herzfehler werden seit 2003 klinische Studien durchgeführt, die alle Daten für eine ausgefeilte MRT-Diagnostik beinhalten. Um nach Projektende die aufgebaute medizinische Fachkompetenz und die etablierte IT-Infrastruktur für weitere Forschungsprojekte nutzen zu können, wurde eine Kostenanalyse durchgeführt. Die Kosten, die beim Aufbau der Bild-Datenbank und bei den MRT-Auswertungen für die Multizenterstudien entstanden sind, werden evaluiert.

Material und Methoden

Mit Hilfe der Kostenanalyse [1] wurden drei verschiedene Szenarien untersucht:

1.
Projektverlauf geplant (Plan, Soll)
2.
Projektverlauf realisiert (Ist)
3.
optimierter Projektverlauf mittels ex post-Betrachtung (ex post)

Grundlage für die Berechnungen sind die angefallenen Kosten in den einzelnen Zeiträumen: Plan, Ist und in der ex-post-Betrachtung mit vollkommener Information über den Projektverlauf. Die Kosten setzen sich zusammen aus den Brutto-Personalkosten [2] und den Sachkosten, bestehend aus den Kosten für Hardware (Investition), den IT-Implementierungskosten und den laufenden Wartungs- und Support-Kosten des Software-Herstellers. Gemeinkosten und Ersatzinvestitionen finden keine Berücksichtung.

Die realisierte IT-Lösung ist eine zentrale Bild-Datenbank in Göttingen, die auf Software basiert, die in der klinischen Routine eingesetzt wird (Chili GmbH, Heidelberg). Wichtigstes Auswahlkriterium war die Anforderung der Telekonsultation, um gleichzeitig an den beiden Auswertungsstandorten über das MRT-Material sprechen zu können: dazu wurde zu diesen Standorten in Bad Oeynhausen und Berlin eine Virtual-Private-Network-Verbindung (VPN) über den zentralen VPN-Konzentrator der Universitätsmedizin in Göttingen aufgebaut. Über den Konzentrator wird auch die Remote-Konnektivität für den Support durch die Software-Herstellerfirma an der zentralen Bild-Datenbank und den Workstations hergestellt.

Ergebnisse

Die derzeitigen Ergebnisse beruhen auf einer Prognose zum Ende der Patientenrekrutierung für die endgültigen Auswertungszahlen (Gesamtzahl der Visiten). Noch keine Berücksichtigung fanden drop-outs von Patienten während der Zweitvisiten sowie die Anzahl der durchgeführten Inter-Oberserver-Auswertungen (Doppeluntersuchungen in den zwei MRT-Auswertezentren in Berlin und Bad Oeynhausen).

Die Istkosten pro Auswertung [3] belaufen sich auf 599 € (bei 460 € Plankosten +30,2%). Von den geplanten nplan = 1210 Auswertungen werden nist =1164 (96,0%) (Prognose nach Rekrutierungsende) durchgeführt. Die realisierten Gesamtausgaben lagen bei 697.500 € (Plan: 557.900 € +25,0%).

Die Mehrkosten entstanden durch eine verlängerte Gesamt-Projektlaufzeit, was einen externen Einfluss auf das MRT-Projekt darstellt. Die durchgeführte ex post-Analyse ergibt 471 € pro Auswertung (+2,4% im Vergleich zum Plan) bei einem hypothetisch angenommenen optimalen Projektverlauf.

Zum Projektende stehen IT- und Organisationsstrukturen für weitere dezentrale Forschungsvorhaben mit Standard-Technologie zur Verfügung. Die Analyseergebnisse und das archivierte Bildmaterial sind pseudonymisiert und mit Zugangsberechtigung über das Internet abrufbar.

Diskussion

Trotz der Zusammenführung von klinischen Studien im Kompetenznetz AHF und der Nutzung einer zentralen Auswertung sind die Kosten pro Auswertung hoch. Sie können reduziert werden durch eine Ausweitung der Auswertungszahlen. Zukünftige klinische Forschungsvorhaben sind somit weiterhin auf staatliche oder industrielle Förderung angewiesen.

Der Ausbau zu einer erweiterten Nutzung der etablierten IT-Infrastruktur ist in Planung, so die Anbindung an die Versorgung durch eine einfache digitale Patientenakte für den AHF-Patienten und seinen autorisierten Hausarzt (vertikale Vernetzung). Das PACS-System kann für Schulungszwecke (e-learning) genutzt werden (horizontale Vernetzung) und steht damit für weitere fachlich-medizinische als auch für eine weitere IT-infrastrukturelle Nachnutzung zur Verfügung.

Danksagung

Die Arbeit wurde unterstützt durch das Kompetenznetz Angeborene Herzfehler, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF-Förderkennzeichen 01GI0210 und 01GI0601


Literatur

1.
Burchert H. Ökonomische Evaluation von Telematik-Anwendungen im Gesundheitswesen und Schlussfol-gerungen für ihre Implementierung. Studie im Auftrag des Wirtschaftsministeriums des Landes Mecklenburg-Vorpommern. 1998.
2.
Plathow C, et al. Teleradiologie: Betriebswirtschaftliche Analyse von CT-Untersuchungen eines kleineren Krankenhauses. Fortschr Röntgenstr. 2005;77:1016-26.
3.
Schneider W. Kosten- und Leistungsrechnung. Konstanz: UTB; 2006.