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53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

15. bis 18.09.2008, Stuttgart

Anforderungen an transinstitutionelle Managementinformationssysteme in vernetzten kooperativen Versorgungsformen

Meeting Abstract

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  • Nathalie Gusew - Technische Universität Braunschweig, Braunschweig, Deutschland
  • Nils Hellrung - Technische Universität Braunschweig, Braunschweig, Deutschland
  • Martin Willkomm - OFFIS Institut für Informatik, Oldenburg, Deutschland
  • Reinhold Haux - Technische Universität Braunschweig, Braunschweig, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. 53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds). Stuttgart, 15.-19.09.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. DocMI14-5

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2008/08gmds176.shtml

Veröffentlicht: 10. September 2008

© 2008 Gusew et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielf&aauml;ltigt, verbreitet und &oauml;ffentlich zug&aauml;nglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Einleitung und Fragestellung

Neue kooperative und vernetzte Versorgungsformen wie die Integrierte Versorgung haben seit deren Verankerung im Gesetzbuch einen explosionsartigen Anstieg erfahren. Waren im ersten Quartal 2005 erst 613 Verträge zur Integrierten Versorgung abgeschlossen, so zählte die Registrierungsstelle der BQS im letzten Quartal 2007 bereits 5069 Verträge mit einem Vertragsvolumen von über 700 Mio. Euro und einer Versichertenzahl von über 5,5 Millionen [1]. Die Integrierte Versorgung und auch darüber hinaus gehende kooperative Versorgungsformen wie Gesundheitsnetzwerke auf anderer Vertragsbasis oder Bündelung von mehreren IV-Verträgen in einem Netzwerk gelten als zukunftsweisende Konzepte für die transinstitutionelle Kooperation im Gesundheitswesen [2]. Als Gesundheitsnetzwerke sollen hierbei Zusammenschlüsse rechtlich eigenständiger Einrichtungen des Gesundheitswesens zum Zwecke der kooperativen medizinischen Leistungserbringung verstanden werden. Mit der Verbreitung und der Professionalisierung solcher Gesundheitsnetzwerke gewinnen insbesondere das Management der Netzwerke und die transinstitutionellen Managementinformationssysteme (tMIS), sowie Werkzeuge für die IT-Unterstützung des Managements immer mehr an Bedeutung. Eine explorative Studie im Rahmen des BMBF-Projekts IMIV (IT-basiertes Management Integrierter Versorgungsnetzwerke), in der 7 Gesundheitsnetzwerke unter anderem auf Stärken und Schwächen der primären medizinischen Prozesse und der sekundären Managementprozesse untersucht wurden, ist zum Ergebnis gekommen, dass die netzwerkabhängige Ausprägung des Managements und dessen informationstechnologische Unterstützung entscheidende Faktoren für den Erfolg der Netzwerke darstellen und derzeit in bestehenden Netzwerken selten die nötige Aufmerksamkeit erfahren [3].

Das Ziel dieser Arbeit ist, basierend auf den bisherigen Erkenntnissen einen Beitrag zu folgenden Fragestellungen zu leisten:

  • Welche Anforderungen lassen sich an ein transinstitutionelles Managementinformationssystem (tMIS) für Gesundheitsnetzwerke definieren?
  • Wie lässt sich basierend auf diesen Anforderungen ein Architekturkonzept für ein tMIS spezifizieren?

Material und Methoden

Zur Anforderungsspezifikation für transinstitutionelle Managementinformationssysteme im Gesundheitswesen wurde auf die Ergebnisse der ersten beiden Phasen des BMBF-Projekts IMIV (IT basiertes Management Integrierter Versorgungsnetzwerke) zurückgegriffen. Dabei handelt es sich zum einen um eine Literaturanalyse, die zwischen Oktober 2006 und Januar 2007 durchgeführt wurde. Die Literaturanalyse hat Zeitschriftenbeiträge und Online-Publikationen zum Thema Integrierte Versorgung (IV), Management von IV und informationstechnologische Unterstützung des Managements einbezogen. In der darauffolgenden Workshop-Phase zwischen März und Juni 2007 wurden leitfadengestützte Experteninterviews und Brown-Paper-gestützte Prozessanalysen mit ausgewählten Netzwerken durchgeführt und deren Stärken, Schwächen, Probleme und Potentiale erhoben. Ein Architekturansatz für ein tMIS im Gesundheitswesen wurde basierend auf der Anforderungsspezifikation entworfen.

Ergebnisse

Die Ergebnisse der Literaturanalyse und der Workshop-Phase wurden ausgewertet und es wurde eine Anforderungsspezifikation an tMIS(e) in einem Katalog festgehalten. Der Katalog beinhaltet funktionale Anforderungen, die sich an den Aufgabenbereichen des Managements einer verteilten kooperativen Versorgungsform im Gesundheitswesen orientieren. Unter einem transinstitutionellen Managementinformationssystem (tMIS) wird hier ein Managementinformationssystem (MIS) verstanden, das in einrichtungsübergreifenden Organisationen des Gesundheitswesens (z.B. Gesundheitsnetzwerken) eingesetzt wird.

Folgende Funktionen/Module für die Unterstützung des Managements mit einem tMIS lassen sich identifizieren: Strategieplanung: Die Formulierung der gemeinsamen Strategie für die kooperative Versorgungsform und die Möglichkeiten der Operationalisierung und transparente Darstellung von Strategien fördern die Ausrichtung der Strukturen und Prozesse an den Zielen der verschiedenen Kooperationsformen im Gesundheitswesen. Modellierung: Erstellen von Struktur- und Prozessmodellen von einrichtungsübergreifenden Organisationen schafft Transparenz in den Abläufen, ermöglicht generalisierte Definition von Rollen und Zuständigkeiten und erleichtert die Wiederverwendung von strategisch erfolgreichen Modellen. Messaging: Automatische Benachrichtigung bei bestimmten Ereignissen oder Aktivitäten (z.B. Information über Abschließen eines Behandlungsschritts, Freigabe der Dokumentation, Überweisung von Patienten etc.) bietet das Potential zur Gestaltung von effizienten Informationsflüssen. Controlling/Berichtswesen: Entwicklung und Einsatz von Kennzahlensystemen für einrichtungsübergreifende Kooperationsformen ist eine Kernkompetenz des Managements und bietet Möglichkeiten für effektive Überwachung und Steuerung von operationalen Kennzahlen. Hier können beispielsweise statische Daten über das Gesundheitsnetzwerk im Netzwerk-Controlling, dynamische Daten über die Prozesse und Aktivitäten des Netzwerks im Prozess-Controlling, oder räumliche Daten des Netzwerks im Geo-Controlling aufbereitet werden. Finanzmanagement: Kennzahlengestützte Planung und Steuerung der finanziellen Ressourcen und Entwickeln von Vergütungs- und Honorierungssystemen sind insbesondere bei Gesundheitsnetzwerken mit Budgetverantwortung existentielle Anforderungen. Aber auch individuelles Finanzmanagement der Netzwerkteilnehmer z.B. in Form von Abrechnungsübersichten oder Übersichten über Arzneimittelkosten fördert das Kostenbewusstsein bei den Netzwerkteilnehmern und kann ein leistungsfähiges Instrument der Kostensteuerung darstellen. Vertragsmanagement: Mit der zunehmenden Professionalisierung des Netzwerkmanagements und mit wachsenden Vertragszahlen und Vertragsarten der neuen Versorgungsformen kann ein IT-gestütztes Vertragsmanagement eine wichtige Komponente des tMIS darstellen.

Basierend auf den genannten aufgabenorientierten Anforderungen wurde ein Architekturansatz eines tMIS für vernetzte kooperative Versorgungsformen entwickelt (Abbildung 1 [Abb. 1]).

Diskussion

Die Relevanz der transinstitutionellen und gar globalen Informationssysteme im Gesundheitswesen sowie des Managements und dessen informationstechnologischer Unterstützung mit tMIS wird in Zukunft noch weiter ansteigen[4-5]. Die Untersuchungen der gegebenen Bedingungen und der zukünftigen Anforderungen an solche Systeme, sowie die Auswirkungen auf die Architekturstile von tMIS und insbesondere die Spezifikation von stabilen tMIS-Architekturen sind in diesem Zusammenhang relevant. Der oben beschriebene Architekturansatz befindet sich derzeit in der Pilotierungsphase und wird weiter ausgebaut und evaluiert.


Literatur

1.
Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung BQS, [cited 14.04.2008]. Available from: http://www.bqs-register140d.de Externer Link
2.
Amelung V, Meyer-Lutterloh K, Schmid E, Seiler R, Weatherly J. Integrierte Versorgung und Medizinische Versorgungszentren - Von der Idee zur Umsetzung. Schriftenreihe des BMC, März 2006
3.
Hellrung N, Awe B, Bogenstahl C, Gründler M, Gusew N, Schultz C, Spekker H, Gemünden H G, Haux R, Thoben W. Transinstitutionelle Informationssysteme in der integrierten Versorgung - zehn Fallanalysen. In: Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc 07gmds554. http://www.egms.de/en/meetings/gmds2007/07gmds554.shtml Externer Link
4.
Haux R. Health information systems - past, present, future. International Journal of Medical Informatics 2006;75(3-4):268-81.
5.
Haux R. Individualization, Globalization and Health. About Sustainable Information Technologies and the Aim of Medical Informatics. International Journal of Medical Informatics 2006; 75:795-808.