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53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

15. bis 18.09.2008, Stuttgart

Die Berechnung von Quality Adjusted Life Years (QALYs) am Beispiel von Patienten mit metastasiertem Nierenzellkarzinom

Meeting Abstract

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  • Joachim Gerß - Universität Münster, Münster, Deutschland
  • Edwin Herrmann - Universität Münster, Münster, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. 53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds). Stuttgart, 15.-19.09.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. DocP-23

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2008/08gmds085.shtml

Veröffentlicht: 10. September 2008

© 2008 Gerß et al.
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Gliederung

Text

Einleitung und Fragestellung

In onkologischen klinischen Studien wird als primäre Zielgröße häufig die Lebenszeit der Patienten definiert. Zusätzlich wird empfohlen, die Lebensqualität der Patienten auf geeignete Weise zu erfassen und zu dokumentieren. Die entsprechenden Daten zur Quantität und Qualität des Lebens werden allerdings bisher häufig nur getrennt voneinander ausgewertet. Das Konzept der Quality Adjusted Life Years (QALY) ist ein Ansatz zur Kombination beider Aspekte. Man bewertet dazu die verschiedenen möglichen Stadien der Lebenqualität eines Patienten auf einer normierten Skala. Entsprechend dieser Skala wird die Lebenszeit gewichtet, die ein Patient im Laufe der Nachbeobachtungsperiode jeweils in den verschiedenen Stadien verbracht hat. Die auf diese Weise erzeugte kombinierte Zielgröße stellt eine Angabe in einer neu geschaffenen Maßeinheit dar, dem „Quality Adjusted Life Year“ (im Gegensatz zum „rohen“ Lebensjahr in Jahren). Eine Lebenszeit von beispielsweise 1 Jahr in einem Stadium der Lebensqualität x wird auf diese Weise genauso bewertet, als hätte der Patient stattdessen 2 Lebensjahre im ungünstigeren Stadium x/2 verbracht. Beide Fälle werden in der Auswertung mit 1 QALY des jeweiligen Patienten gewertet [1], [2].

Material und Methoden

Die Erfassung der Lebenszeit der Patienten in einer klinischen Studie erfolgt standardmäßig, indem der Überlebensstatus dokumentiert wird, so lange der Patient unter Beobachtung ist.

Die Lebensqualität wird üblicherweise anhand eines standardisierten und validierten Fragebogens erfasst. Dabei bietet es sich an, sich insbesondere auf gesundheitliche Aspekte zu beschränken (health-related quality of life), die physische und psychische, nicht aber etwa finanzielle Dimensionen beinhalten. Zu den in der Literatur vorgeschlagenen und verbreiteten Fragebögen gehören der EuroQol (EQ-5D), der Health Utilities Index und der EORTC QLQ-C30 [3]. Die genannten Fragebögen eignen sich insbesondere zur Berechnung von QALYs, da sie die Bestimmung eines Score-Wertes zur Beurteilung der Lebensqualität auf einer normierten metrischen Skala erlauben (health utility score). Die unterschiedlichen Gesunhdheitszustände werden damit hinsichtlich der Lebensqualität dahingehend beurteilt, welcher Zustand in welchem Maß gegenüber einem anderen Zustand präferiert wird (preference-based measure). Ein Scorewert von 1 entspricht der vollkommenen Gesundheit und damit höchster Lebensqualität, der Skalenwert 0 entspricht dem Tod eines Patienten. Negative Scorewerte sind ebenfalls denkbar, die Situationen entsprechen, in denen der Leidensdruck eines Patienten als schlimmer als der Tod bewertet wird.

Zur konkreten Umsetzung einer „Quality adjusted survival analysis“ werden zwei alternative Ansätze unterschieden [3]. Im ersten Fall werden die Daten zur Lebensqualität und –quantität auf der Ebene individueller Patienten miteinander verknüpft (subject-based approach). Man bestimmt für jeden einzelnen Patienten anhand der longitudinalen Daten zur Lebensqualität seine adjustierte Lebenszeit in Vielfachen eines QALY. Die adjustierte Lebenszeit eines Patienten kann dabei natürlich genauso wie die nicht-adjustierte Lebenszeit in Form einer zensierten Beobachtung vorliegen. Die Auswertung der auf die QALY-Skala transformierten Lebenszeiten erfolgt mit Hilfe von Standardmethoden der Lebenszeitanalyse. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Skalentransformation zu einem informativen Zensierungsprozess führt. Patienten mit schlechter Lebensqualität werden systematisch früher zensiert, da sich deren QALYs im Laufe der Zeit langsamer aufsummieren als bei Patienten mit hoher Lebensqualität. Damit würden sich verzerrte Kaplan-Meier-Schätzungen ergeben, wenn das Verfahren nicht in geeigneter Weise modifiziert wird.

Ein zweiter Ansatz zur Berechnung von QALYs besteht darin, die Daten zur Lebensqualität und –quantität zunächst getrennt voneinander über die Patienten zu aggregieren (population-based approach). Dies geschieht etwa in Form einer klassischen Kaplan-Meier-Analyse der nicht-adjustierten Lebenszeiten. Darüber hinaus wird für jeden Beobachtungszeitpunkt die mittlere Lebensqualität sämtlicher zu diesem Zeitpunkt noch lebender Patienten bestimmt. Die gewonnen aggregierten Werte der Lebensqualität werden dann mit den Kaplan-Meier-Schätzungen der Überlebensfunktion verknüpft. Bei diesem zweiten Ansatz zur Durchführung einer „Quality adjusted survival analysis“ besteht das obige Problem des informativen Zensierungsprozesses nicht.

Ergebnisse

Das Konzept der Quality Adjusted Life Years wird anhand einer Studie zur Behandlung von Patienten mit metastasiertem Nierenzellkarzinom vorgestellt [4]. Im Zeitraum zwischen Juli 2006 und Januar 2008 wurden 51 Patienten rekrutiert und nach einem vorgegebenen Protokoll behandelt. Das Protokoll sah die Anwendung von bis zu drei aufeinander folgenden Chemotherapie-Kursen vor. Vor und nach jedem Kurs wurde in Abständen von jeweils 2 bzw. 4 Wochen die Lebensqualität der Patienten anhand des Fragebogens QLQ-C30 der European Organization for Research and Treatment of Cancer (EORTC) erfasst, der speziell für onkologische Indikationen entwickelt worden ist [5]. Anhand der vorliegenden Daten werden die oben aufgeführten Ansätze zur Durchführung einer „Quality adjusted survival analysis“ vorgestellt und vergleichend gegenübergestellt.


Literatur

1.
Phillips C, Thompson G. What is a QALY? Hayward Medical Communications 2003; 1(6).
2.
Malek M. Implementing QALYs. Hayward Medical Communications 2003; 2(1).
3.
Billingham LJ, Abrams KR, Jones DR. Methods for the analysis of quality-of-life and survival data in health technology assessment. Health Technol Assess 1999; 3(10):1-152.
4.
Herrmann E, Gerss J, Bierer S, Köpke T, Hertle L, Wülfing C. Quality of life during 2nd line treatment with Sorafenib and Sunitinib in patients with metastatic kidney cancer. To be published.
5.
Aaronson NK, Ahmedza S, Bergman B, Bullinger M, Cull A, Duez NJ, Filiberti, A, Flechtner H, Fleishman SB, de Haes JC. The European Organization for Research and Treatment of Cancer QLQ-C30: a quality-of-life instrument for use in international clinical trials in oncology. J Natl Cancer Inst. 1993;85:365-76.