gms | German Medical Science

53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

15. bis 18.09.2008, Stuttgart

Definition adjustierter „Number Needed to Treat“-Maße für Überlebenszeiten und ihre Schätzung im Rahmen des Cox-Regressionsmodells

Meeting Abstract

Suche in Medline nach

  • Rüdiger P. Laubender - Institut für Medizinische Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie, München, Deutschland
  • Ralf Bender - Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Köln, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. 53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds). Stuttgart, 15.-19.09.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. DocMBIO4-5

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2008/08gmds068.shtml

Veröffentlicht: 10. September 2008

© 2008 Laubender et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielf&aauml;ltigt, verbreitet und &oauml;ffentlich zug&aauml;nglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Einleitung und Fragestellung

Number Needed to Treat (NNT)-Maße für Überlebenszeiten sind in der medizinischen Forschung bislang hauptsächlich zur Ergebnisdarstellung randomisierter kontrollierter Studien entwickelt worden [1]. Um jedoch im Rahmen von epidemiologischen (Beobachtungs-) Studien die Schätzung von NNT-Maßen für Überlebenszeiten zur Ergebnisdarstellung von Expositionseffekten zu ermöglichen, ist es in der Regel notwendig, für Confounder zu adjustieren. Daher werden in diesem Beitrag NNT-Maße für Überlebenszeiten sowie Methoden für deren Schätzung entwickelt, die eine angemessene Berücksichtigung von Confoundern erlauben.

Material und Methoden

Die Definition adjustierter NNT-Maße für Überlebenszeiten erfolgt über die kumulative Überlebensfunktion in Abhängigkeit der Zeit. Aufgrund des dichotomen Expositionsstatus und der jeweils dazugehörigen Confounderverteilung ergeben sich zwei NNT-Maße: „Number Needed to be Exposed“ (NNE) für nicht-exponierte Personen und „Exposure Impact Number“ (EIN) für exponierte Personen. Mit Hilfe des Ansatzes gemittelter Risikodifferenzen der logistischen Regression [2] werden Schätzer für die adjustierten NNT-Maße im Rahmen des Cox-Regressionsmodells entwickelt. Konfidenzintervalle für die adjustierten NNT-Maße werden auf zweierlei Art bestimmt: Zum einen nach der multivariaten Delta-Methode und zum anderen mit Hilfe von Bootstrap-Techniken. Die Eigenschaften der Punkt- und Intervallschätzungen der adjustierten NNT-Maße werden im Rahmen einer Monte-Carlo-Simulation untersucht. Zur Illustration werden die Methoden auf Daten der Düsseldorf Obesity Mortality Study (DOMS) angewendet und der Zusammenhang zwischen Rauchen und Mortalität bei Übergewichtigen in Form von NNT-Maßen dargestellt.

Ergebnisse

Es wird gezeigt, dass die NNT-Schätzer konsistent sind und asymptotisch einem Gauß-Prozess mit finiter Varianz folgen, wobei eine konsistente Schätzung dieser Varianz analytisch schwer zu bestimmen ist. Zudem zeigt sich im Rahmen der Monte-Carlo-Simulation, dass die nach der multivariaten Delta-Methode bestimmten Konfidenzintervalle zu Overcoverage neigen, wohingegen bei Bootstrap-Konfidenzintervallen, die nach der Normalapproximationsmethode bestimmt werden, das nominale Konfidenzniveau erreicht wird [3]. Die Ergebnisse der Düsseldorf Obesity Mortality Study (DOMS) unterstreichen den Vorteil der Bootstrap-Methode bei der Intervallschätzung adjustierter NNT-Maße.

Diskussion

Adjustierte NNT-Maße für Überlebenszeiten sind ein Mittel zur Darstellung von Ergebnissen epidemiologischer Studien mit Berücksichtigung von Confoundern. Im Rahmen des Cox-Regressionsmodells können adjustierte NNT-Maße mit Hilfe des Ansatzes der gemittelten Risikodifferenzen geschätzt werden. Bootstrap-Techniken stellen eine adäquate Möglichkeit zur Bestimmung von Konfidenzintervallen für adjustierte NNT-Maße bei Überlebenszeiten dar. Wie bei binären Daten sollten NNT-Maße nicht als primäres Effektmaß für die Datenanalyse verwendet werden. Die Bedeutung der NNT-Maße liegt in der Möglichkeit einer alternativen Ergebnisdarstellung im Rahmen einer Risikokommunikation.


Literatur

1.
Altman DG, Andersen PK. Calculating the number needed to treat for trials where the outcome is time to event. BMJ 1999; 319: 1492-5.
2.
Bender R, Kuss O, Hildebrandt M, Gehrmann U. Estimating adjusted NNT measures in logistic regression analysis. Stat Med 2007; 26: 5586-95.
3.
Laubender R. Berechnung des Maßes “Number Needed to Treat” (NNT) aus Überlebenszeiten auf der Basis der Cox-Regression mit Berücksichtigung von Kovariablen. München: Magisterarbeit; 2007.