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53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

15. bis 18.09.2008, Stuttgart

Erfahrungen mit Anwendung und „Nutzen“ von Meta-Analysen in der Nutzenbewertung

Meeting Abstract

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  • Hans-Juergen Lomp - Boehringer-Ingelheim Pharma GmbH & Co KG, Biberach / Riss, Deutschland
  • Friedhelm Leverkus - Pfizer Pharma GmbH, Karlsruhe, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. 53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds). Stuttgart, 15.-19.09.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. DocMBIO2-3

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2008/08gmds055.shtml

Veröffentlicht: 10. September 2008

© 2008 Lomp et al.
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Gliederung

Text

Einleitung und Fragestellung

Bei der Nutzenbewertung von Arzneimittel sind Meta-Analysen ein häufig eingesetztes statistisches Werkzeug. In diesem Vortrag werden wir die Rolle von Meta-Analysen (MA) bei der Evidenzsynthese diskutieren. Wir betrachten dabei einerseits die Interpretation von MA-Ergebnissen gegenüber Einzelstudienergebnissen als auch die Modellwahl bei MAs – insbesondere die Frage zufällige vs. feste Studieneffekte - in Abhängigkeit von der Zielsetzung der Untersuchung.

Material und Methoden

Ausgehend von Beispielen des Einsatzes von MAs bei Nutzenbewertungen, z.B. aus Berichten des Instituts für Wirtschaftlichkeit und Qualität im Gesundheitswesen (IQWiG) und von Richtlinien des National Institute of Clinical Excellence (NICE) wird die Rolle von MAs kritisch beleuchtet.

Kernpunkte der Untersuchung sind die Robustheit der Evidenz, die Voraussetzungen und Konsequenzen der Modellwahl und der praktische Umgang mit den MA-Ergebnissen in Form von Behandlungsschätzern, Konfidenzintervallen, p-Werten und Heterogenitätsmaßen. Dazu werden sowohl MAs mit alternativer Modellwahl durchgeführt als auch mit simulierten Daten gerechnet.

Ergebnisse

Die quasi mechanische Übertragung von Regeln aus der konfirmatorischen Statistik (z.B. Präspezifikation des Modells, einer Signifikanzschranke, einer Schranke für akzeptable Heterogenität) führt bei der retrospektiven Evidenzsynthese teilweise zu inkonsistenten und manchmal sogar zu unwissenschaftlichen Ergebnissen. Insbesondere die limitierte Anzahl und die unterschiedliche Größe der vorhandenen Einzelstudien führt zu nicht robusten Resultaten.

Als Konsequenz dieser Ergebnisse diskutieren wir theoretische und praktische Implikationen der Modellwahl (feste vs. zufällige Behandlungseffekte) bei MAs und leiten drüber daraus Vorschläge für den Einsatz von MAs bei retrospektiver Evidenzsynthese ab.

Diskussion

In der retrospektiven Nutzenbewertung erhält die MA besonders bei nicht eindeutiger Datenlage der Einzelstudienergebnisse eine hohe Bedeutung. Daneben werden hier typischerweise nur wenige Studien in die MA einbezogen. Gerade in einer solchen Situation erscheint eine konfirmatorische Evidenzsynthese über MA nicht möglich.


Literatur

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Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Methodenpapier & Verschiedene Abschlußberichte
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National Institute of Clinical Excellence. Clinical Guideline 34 – Hypertension; 2006
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Higgins JPT, Green S (editors). Cochrane Handbook for Systematic Reviews of Interventions Version 5.0.0 [updated February 2008].