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53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

15. bis 18.09.2008, Stuttgart

Bedarf an systematischen Übersichtsarbeiten am Beispiel des Diabetes mellitus Typ 2

Meeting Abstract

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  • Stefan Kamprath - Deutsches Cochrane Zentrum, Freiburg, Deutschland
  • Antje Timmer - Deutsches Cochrane Zentrum, Freiburg, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. 53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds). Stuttgart, 15.-19.09.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. DocP-7

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2008/08gmds032.shtml

Veröffentlicht: 10. September 2008

© 2008 Kamprath et al.
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Gliederung

Text

Einleitung und Fragestellung

Innerhalb des letzten Jahrzehnts hat die evidenzbasierte Medizin stark an Akzeptanz gewonnen. Es besteht jedoch weiterhin das Problem, daß Evidenz oft nur schwer zugänglich ist und die zunehmende Menge an Publikationen im Kontrast zum begrenzten Zeitrahmen des Lesers steht.

Eine Besserung dieser Problematik hat sich die 1993 gegründete Cochrane Collaboration durch Zusammenfassung von randomisierten kontrollierten Studien zu Cochrane Reviews zum Ziel gesetzt. Trotz einer kontinuierlich steigenden Anzahl an Reviews ist allerdings bislang nicht klar, inwieweit sich die Themenwahl durch Reviewgruppen und Autoren mit dem real existierenden Bedarf deckt.

Die vorliegende Arbeit ist eine Bedarfsuntersuchung für systematische Übersichtsarbeiten am Beispiel des Diabetes mellitus Typ 2 (DM II). Diese Erkrankung wurde aufgrund ihrer hohen Prävalenz bei guten Behandlungsmöglichkeiten und hohem Potential für schwerwiegende Folgen bei Fehlversorgung als besonders relevant ausgewählt.

Fragestellungen der Studie:

1.
Wie gut ist der DM II bisher durch Cochrane-Reviews abgedeckt?
2.
Entspricht die bisherige Themenwahl von Cochrane-Reviews der klinischen Relevanz bzw. dem von Klinikern empfundenen Evidenzbedarf?

Material und Methoden

Mögliche therapeutische Interventionen bei DM II wurden auf der Basis von publizierten Leitlinien identifiziert und durch eine Expertenbefragung ergänzt (Pilottest, n =6; Diabetesberaterin, Diabetologen, Allgemeinmediziner, Internisten, Pharmakologe). Zur Identifikation von relevanten Leitlinien konnte auf Ergebnisse des Clearing-Verfahrens der ÄZQ (http://www.leitlinien.de/clearingverfahren) zurückgegriffen werden, zusätzlich erfolgte eine weitere Internet- und Datenbankrecherche incl. Überprüfung der Portale von SIGN, G-IN und AWMF.

Zur Bewertung der klinischen Relevanz und des Evidenzbedarfes der identifizierten Interventionen wurde anschließend eine Internetbefragung durchgeführt. Hierzu wurde der Email-Verteiler der Deutschen Diabetes Gesellschaft genutzt. Es antworteten 459 Personen. Jede Intervention konnte auf einer Skala von 5 = extrem wichtig bis 1 = unwichtig bewerten werden. Erfragt wurde zum einen, für wie wichtig die jeweilige Intervention in der Versorgung empfunden wurde (klinische Relevanz), zum anderen, wie wichtig es sei, dass dafür Evidenz vorhanden ist (Evidenzbedarf).

Die Ergebnisse der Befragung wurden anschließend den Ergebnisse einer Suche in der Cochrane Library (1/2008) gegenübergestellt. .

Die Darstellung der Ergebnisse erfolgt hier beispielhaft an den Interventionsgruppen orale Antidiabetika, komplementär-alternative Maßnahmen, neue Antidiabetika und Notallmaßnahmen.

Ergebnisse

Es wurden insgesamt 131 Interventionen identifiziert, die in 18 Kategorien eingeteilt wurden. Dem standen 56 Reviews zum Thema DM Typ 2 gegenüber.

Von diesen 56 Cochrane Reviews betreffen sechs die oralen Antidiabetika (Abbildung 1 [Abb. 1]) und eins die komplementär-alternativen Maßnahmen (Abbildung 2 [Abb. 2]). Zu den neuen Antidiabetika (Abbildung 3 [Abb. 3]) und den Notfallmaßnahmen (Abbildung 4 [Abb. 4]) existieren bislang keine Reviews.

Diskussion

Die Abdeckung durch Cochrane Reviews entspricht grundsätzlich der klinischen Relevanz bzw. dem empfundenen Evidenzbedarf. So sind beispielsweise die oralen Antidiabetika (Abbildung 1 [Abb. 1]) gut durch Cochrane Reviews abgedeckt.

Ausnahmen sind die neueren Medikamente, bei denen ein hoher Evidenzbedarf besteht, die aber noch nicht in Cochrane Reviews berücksichtigt worden sind. Allerdings existieren zu den neuen Antidiabetika schon Protokolle, d.h. Reviews sind geplant (Abbildung 3 [Abb. 3]).

Auch Maßnahmen mit unmittelbarer Wirkung wie diabetische Notfallmaßnahmen werden bei hoher klinischer Relevanz nicht durch Cochrane Reviews abgedeckt. Hier wird der Evidenzbedarf im Vergleich als geringer angesehen als die klinische Relevanz (Abbildung 4 [Abb. 4]).

Interventionen geringerer klinischer Relevanz, wie z.B. die komplementär-alternativen Maßnahmen, sind kaum in Reviews abgebildet (Abbildung 2 [Abb. 2]).

Insgesamt entspricht die bisherige Priorisierung bei der Themenwahl für Cochrane Reviews der klinischen Relevanz und dem Bedarf an Evidenz. Trotzdem bestehen noch über weite Strecken bei ebenfalls relevanten Maßnahmen, wie z.B. der Therapie von diabetischen Folgeerkrankungen, Lücken in der Abdeckung durch Cochrane Reviews.