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53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

15. bis 18.09.2008, Stuttgart

Bundesweite Surveillance der hygienischen Händedesinfektion in Krankenhäusern - erste Ergebnisse

Meeting Abstract

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  • Michael Behnke - Charité - Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
  • Christine Geffers - Charité - Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
  • Petra Gastmeier - Charité - Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. 53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds). Stuttgart, 15.-19.09.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. DocEPI4-4

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2008/08gmds019.shtml

Veröffentlicht: 10. September 2008

© 2008 Behnke et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielf&aauml;ltigt, verbreitet und &oauml;ffentlich zug&aauml;nglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Einleitung

Für die Vermeidung nosokomialer Infektionen ist die hygienische Händedesinfektion eine wesentliche Methode. Studien zeigen, dass die Häufigkeit der Durchführung einer Händedesinfektion (HD) im klinischen Alltag noch zu verbessern ist. Die Surveillance der HD ermöglicht das systematische Betrachten der Situation in Krankenhäusern und die Identifikation möglicher Problembereiche sowie den Vergleich der Teilnehmer untereinander.

Da Studien zur Überprüfung der Häufigkeit der HD nur mit großem Aufwand durchführbar sind, kann alternativ der Verbrauch von Händedesinfektionsmitteln (HDM) gemessen werden. Daher ist die Surveillance mit der Bezeichnung HAND-KISS in Deutschland vom Nationalen Referenzzentrum für die Surveillance von nosokomiale Infektionen (NRZ) im Rahmen des Krankenhausinfektions-Surveillancesystems (KISS) eingeführt worden.

Material und Methoden

Die Teilnahme an HAND-KISS ist für Teilnehmer der „Aktion Saubere Hände“ (ASH) verpflichtend. ASH ist die vom Bundesministerium für Gesundheit geförderte Kampagne für die Verbesserung der klinischen Händedesinfektion der weltweit propagierten Aktion der WHO. Die deutschen Krankenhäuser werden auf den regelmäßig stattfindenden KISS-Einführungskursen oder über ASH über HAND-KISS informiert.

Die an der Surveillance teilnehmenden Krankenhäuser definieren zu Beginn, welche Stationen des Hauses an der Surveillance beteiligt werden. Für jede dieser Stationen übermitteln sie einmal pro Jahr die Menge des Händedesinfektionsmittelverbrauches in Millilitern (ml). Zusätzlich werden die Patiententage dieser Station erfasst. Für jede Station wird die Art der Station aus folgender Auswahl angegeben: Innere, Interdisziplinär, Chirurgie, andere operative Fächer, andere konservative Fächer, Pädiatrie und Neonatologie. Zudem wird ermittelt, ob die Station eine Intensivstation ist.

Die Rate des Händedesinfektionsmittelverbrauchs (HDM) berechnet sich aus dem Verbrauch pro Kalenderjahr bezogen auf Patiententage pro Kalenderjahr. Die Anzahl der durchgeführten Händedesinfektionen pro Patiententag ermittelt sich aus dem HDM-Verbrauch pro Patiententag dividiert durch 3, da durchschnittlich 3ml HDM pro Händedesinfektion benötigt werden.

Der Erhebungsbogen wurde mit dem Adobe Lifecycle Designer erstellt. Die Teilnehmer können den Bogen direkt am PC ausfüllen und an das NRZ senden. Hier werden die in XML kodierten Eingaben über ein Konvertierungsprogramm in eine SQL-Datenbank geschrieben. Über Stored Procedures werden die Ergebnisse berechnet. Diese werden in XML abgelegt und über eine XSL-Transformation in die Ausgabeformate HTML oder PDF konvertiert.

Ergebnisse

Es haben sich bis April 2008 142 Krankenhäuser bei HAND-KISS angemeldet (Tabelle 1 [Tab. 1]). Für das Jahr 2007 sind die Daten von 91 Krankenhäusern beim NRZ eingegangen. Insgesamt liegen die Daten des Desinfektionsmittelverbrauchs von 1129 Stationen vor.

Über alle Intensivstationen wurde ein HDM-Verbrauch von 77ml pro Patiententag ermittelt, das entspricht 26 Händedesinfektionshandlungen pro Patiententag.

Die Berechnung der anderen Stationen ermittelt einen Wert von 16,4 für den Verbrauch und somit 5,45 Handlungen (Tabelle 2 [Tab. 2]).

Diskussion

Das KISS Modul HAND-KISS wird, wie die Anmeldezahlen zeigen, gut angenommen. Die Teilnehmer erhalten mit dieser Methode ein Feedback über ihre eigene Situation, besonders durch den Vergleich mit den nach Art der Station stratifizierten Ergebnissen der bundesweiten Daten.

Eine Limitation ist die Darstellung von stationsbezogenen Daten, wie den Gesamt-HDM-Verbrauch pro Jahr. Jedoch wäre HAND-KISS mit der Methode einer klassischen Beobachtungsstudie aufgrund des zu investierenden Aufwandes in den teilnehmenden Krankenhäusern nicht zu realisieren.