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53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

15. bis 18.09.2008, Stuttgart

Phänotypische Charakteristiken, UV-Lichtexpositionen und das Risiko von Uvealmelanomen. Ergebnisse der RIFA Fall-Kontroll-Studie

Meeting Abstract

  • Andrea Schmidt-Pokrzywniak - Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg, Halle, Deutschland
  • Karl-Heinz Jöckel - Universitätsklinikum Essen, Essen, Deutschland
  • Norbert Bornfeld - Universitätsklinikum Essen, Essen, Deutschland
  • Andreas Stang - Martin-Luther-Universität Halle Wittenberg, Halle, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. 53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds). Stuttgart, 15.-19.09.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. DocEPI2-5

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2008/08gmds010.shtml

Veröffentlicht: 10. September 2008

© 2008 Schmidt-Pokrzywniak et al.
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Gliederung

Text

Einleitung und Fragestellung

Das maligne Melanom der Aderhaut (Uvealmelanom) ist der häufigste primäre maligne, intraokulare Tumor im Erwachsenenalter. Die Inzidenzraten des Uvealmelanoms schwanken in den europäischen Ländern zwischen 1,7 (Spanien) und 7,5 (Dänemark) pro Million Einwohner [1]. Die Ätiologie des Uvealmelanoms ist weitestgehend unbekannt. Zu den wenigen etablierten Risikofaktoren zählen die helle Irisfarbe und die Ethnizität. Zu den zurzeit diskutierten Risikofaktoren zählen chronische und intermittierende UV-Lichtexpositionen. Ziel der RIFA (Risikofaktoren des Aderhautmelanoms) Fall-Kontroll Studie war unter anderem die Erfassungen der Assoziationen von phänotypischen Merkmalen, UV-Lichtexpositionen und dem Risiko an einem Uvealmelanom zu erkranken. Des Weiteren wurde untersucht in welcher Weise die phänotypischen Merkmale die Assoziation zwischen UV-Licht-Exposition und Uvealmelanomrisiko modifizieren.

Material und Methoden

Im Zentrum für Augenheilkunde des Universitätsklinikums rekrutierten wir im Zeitraum September 2002 bis September 2004 inzidente 20-74 jährige Uvealmelanompatienten mit Wohnort Deutschland , sofern sie der deutschen Sprache mächtig waren. Die Bevölkerungskontrollen wurden nach Alter, Geschlecht und Region zu den Fällen gematcht. Es wurde ein Matchingratio von 1:2 angestrebt. Zur Erfassung der interessierenden Risikofaktoren füllten die Probanden zunächst einen zuvor postalisch versandten Kurzfragebogen aus, anschließend wurde ein computerunterstütztes Telefoninterview durchgeführt. Für die Abschätzung der Stärke des Zusammenhangs zwischen Expositionen und dem Outcome (Uvealmelanom) wurden Odds Ratios und 95% Konfidenzintervalle mit Hilfe der konditionalen logistischen Regression unter Berücksichtigung der Matching-Faktoren berechnet. Die Berechnung der Interaktion auf additiver Skala (RERI: Relative Excess Risk due to Interaction), erfolgte gemäß der folgenden Formel [2]:

RERI= RR11-RR10-RR01+1

Wobei gilt:

RR11 = Relatives Risiko X und Y exponierten Personen

RR10 = Relatives Risiko der ausschließlich X exponierten Personen

RR01 = Relatives Risiko der ausschließlich Y exponierten Personen

Insgesamt gingen 455 Uvealmelanompatienten und 827 Kontrollen in die Analyse ein.

Ergebnisse

Die Responseproportionen betrugen bei den Fällen 94% und bei den Kontrollen 57%. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Pigmentcharakteristiken (Irisfarbe, Hautfarbe, Sommersprossenneigung), insbesondere die helle Irisfarbe (blau, grau, grün, hellbraun) (OR=1.9, 95%KI: 1.4-2.7), Risikoindikatoren für das Uvealmelanom darstellen. Des Weiteren zeigt sich bei Personen, die jemals beruflich 4 oder mehr Stunden am Tage im Freien arbeiteten, eine Risikoerhöhung von 20%. Bei Personen, die mindestens fünf Augenschäden (Verblitzen der Augen durch Schweißen, Sonnenbrand und/oder Schneeblindheit) erlitten, ist das Uvealmelanomrisiko um 90% erhöht. Beschränkt man die Gruppe der Exponierten auf diejenigen mit hellen Augen und mindestens 5-mal verblitzten Augen, so steigt in dieser Expositionsgruppe das OR auf 3.7 (95%KI: 1.8-7.4) an (RERI: 0.9 95%KI: -0.6-2.3). In der Subpopulation von Personen mit hellen Augen, heller Haut sowie mindestens 5-mal verblitzten Augen steigt das Uvealmelanomrisiko auf das 7.3-fache (95%KI: 2.6-20.4) an. Auch bei Personen, die regelmäßig Solarien zum Sonnenbräunen nutzten, zeigt sich eine 30% (95%KI: 0.8-1.7) Risikoerhöhung. Bei Personen, die diese schon im Alter von 20 Jahren und jünger regelmäßig nutzten, steigt das Risiko an einem Uvealmelanom zu erkranken um 70% (95%KI: 0.8-3.6) an.

Diskussion

Wie auch vorangegangene Studien zeigen die Ergebnisse der RIFA Studie positive Assoziationen zwischen hellen Pigmentcharakteristiken und dem Uvealmelanomrisiko [3]. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Uvealmelanome insbesondere auf dem Boden einer Interaktion von Genen, welche mit dem hellen Phänotyp assoziiert sind, und starkem intermittierendem UV-Licht entstehen. Weitere Untersuchungen insbesondere der Gen-UV-Licht-Interaktion (vor allem unter Berücksichtigung des MCR-1-Gen) erscheinen sinnvoll und notwendig.

Förderung

DFG (Förderkennzeichen: KFO 109/1-1), BfS (Förderkennzeichen M8811)


Literatur

1.
Stang A, Parkin DM, Ferlay J, Jöckel KH. International uveal melanoma trends in a view of a decreasing proportion of morphological verification. Int J Cancer 2005;114:114-123
2.
Greenland S, Rothman KJ. Concepts of Interaction. In: Rothman KJ, Greenland S, eds. Modern Epidemiology. 2nd ed. Philadelphia, PA: Lippincott Williams and Wilkins 1998:329-342.
3.
Weis E, Shah CP, Lajous M, Shields JA, Shields CL. Association between host susceptibility factors and uveal melanoma. Arch Ophthalmol 2006;124: 54-60