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53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie e. V. (GMDS)

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie

15. bis 18.09.2008, Stuttgart

Assoziation zwischen Bevölkerungsdichte und Campylobacteriose-Inzidenz

Meeting Abstract

  • Jens Fitzenberger - HLPUG, Dillenburg, Deutschland
  • Helmut Uphoff - HLPUG, Dillenburg, Deutschland
  • Stefan Gawrich - HLPUG, Dillenburg, Deutschland
  • Anja M. Hauri - HLPUG, Dillenurg, Deutschland

Deutsche Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie. 53. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (gmds). Stuttgart, 15.-19.09.2008. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2008. DocEPI1-3

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2008/08gmds003.shtml

Veröffentlicht: 10. September 2008

© 2008 Fitzenberger et al.
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Gliederung

Text

Einleitung und Fragestellung

In Deutschland sind Campylobactiosen eine meldepflichtige Erkrankung und neben den Salmonellen die häufigsten Erreger der gemeldeten bakteriellen Gastroenteritiden. Die Inzidenz der Campylobacteriosen zeigt ausgeprägte, über die Jahre stabile, räumliche Unterschiede. Wir untersuchten den Zusammenhang zwischen altersspezifischen Campylobacter-Inzidenzen und Bevölkerungsdichte für hessische Gemeinden und westdeutsche Kreise.

Material und Methoden

Für die gemeindebezogene Auswertung in Hessen wurden für die im Zeitraum vom 01.07.2005 bis 30.06.2006 gemeldeten 2.710 Campylobacteriosen Angaben zu Alter und Gemeindekennziffer bzw. der fünfstelligen Postleitzahl des Wohnortes von den Gesundheitsämtern zur Verfügung gestellt. Für die westdeutschen Stadt- und Landkreise wurde die alterstratifizierte Anzahl der 58.828 Campylobacter-Fälle im gleichen Auswertungszeitraum SurvStat® entnommen [1]. Die Siedlungsflächen der 427 Gemeinden und 438 Kreise wurden vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung zur Verfügung gestellt [2]. Aus den Angaben zu Einwohnerzahlen und Flächen wurde die Bevölkerungsdichte der Gemeinden bzw. Kreise berechnet und diese anhand ihrer Bevölkerungsdichte in Quintile aufgeteilt. In den Quintilen wurden für fünf verschiedene Altersgruppen (0-4, 5-14, 15-44, 45-64, ≥65 Jahre) die Campylobacteriose-Inzidenzen berechnet. Das fünfte Quintil, als Quintil mit der höchsten Bevölkerungsdichte, wurde als Referenzwert genutzt, um relative Inzidenzen (RR) und 95% Konfidenzintervalle (95% KI) zwischen den Quintilen zu berechnen. Die Auswertungen erfolgten in STATA®, Version 10 (STATA Corporation, College Station, Texas).

Ergebnisse

In Hessen steigt für die Altersgruppe der ≤ 4-Jährigen die Campylobacteriose-Inzidenz mit abnehmender Bevölkerungsdichte von 46 über 64, 78, 88 auf 107/100.000 Einwohner, die RR von 1,4 (95% KI 0,9-2,2), 1,7 (1,1-2,7), 1,9 (1,2-3,1) auf 2,4 (1,3-4,0) an. In der Altergruppe der 5-14 Jährigen steigt die Campylobacter-Inzidenz mit abnehmender Bevölkerungsdichte von 32, 29, 54, 50 auf 58, die RR von 0,9 (0,6-1,3), 1,7 (1,2-2,4), 1,6 (1,0-2,3) auf 1,8 (1,1-2,8) an. Für alle weiteren Altersgruppen findet sich kein Zusammenhang zwischen Campylobacter- Inzidenz und Bevölkerungsdichte.

In Westdeutschland ist bereits für die Altersgruppe der ≤ 4-Jährigen der Zusammenhang weniger deutlich: Die Inzidenz steigt mit abnehmender Bevölkerungsdichte von 87, 101, 91, 98 auf 124,7/100.000 Einwohner, die RR von 1,2 (1,0-1,3), 1,1 (0,9-1,2), 1,1 (1,0-1,3) auf 1,4 (1,3-1,6) an. Für die Altersgruppen der > 4-Jährigen lassen sich im westdeutschen Vergleich keine Trends erkennen.

Diskussion

Die für Hessen zur Verfügung stehenden kleinräumigen Daten zu Campylobacter-Inzidenz und Bevölkerungsdichte erlauben eine bessere Darstellung des Zusammenhangs zwischen diesen Parametern, da Kreisdaten aus Daten der enthaltenen Gemeinden berechnet werden. Die höhere Campylobacter-Inzidenz in bevölkerungsärmeren Gebieten bei Kindern lässt vermuten, dass Umweltfaktoren für diese Bevölkerungsgruppe relevante Risikofaktoren darstellen. Neben altersgruppenspezifischen Risikofaktoren ist auch eine erworbene Immunität [3] eine mögliche Erklärung für die fehlende Assoziation in höheren Altersgruppen.


Literatur

1.
Robert Koch-Institut. SurvStat@RKI, http://www3.rki.de/SurvStat, Datenstand: 21.02.2008. Externer Link
2.
BBR. Flächeninanspruchnahme 2005. http://www.bbr.bund.de/cln_007/nn_21994/DE/ForschenBeraten/ Fachpolitiken/FlaecheLandschaft/Flaechenmonitoring/Flaechenerhebung_202005/ Flaechenerhebung2005.html (26.02.2008). Externer Link
3.
Miller G, Dunn GM, Reid TM, Ogden ID, Strachan NJ. Does age acquired immunity confer selective protection to common serotypes of Campylobacter jejuni? BMC Infect Dis. 2005 23;5:66.