gms | German Medical Science

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Können die historischen Wismut-Daten zur Aufklärung berufsbezogener Risikofaktoren von Muskel-Skelett-Erkrankungen beitragen? Design einer eingebetteten Coxarthrose-Studie

Meeting Abstract

  • Andreas Seidler - Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Berlin
  • Johannes Gellissen - Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Berlin
  • André Scherf - Kliniken für Orthopädie der Kliniken Erlabrunn, Erlabrunn
  • Manfred Lindtner - Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Berlin
  • Peter Schulz - Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Berlin
  • Wolfgang Junghans - Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA, Berlin
  • Andrea Lorenz - Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Berlin
  • Matthias Möhner - Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Berlin

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds922

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds922.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007
Veröffentlicht mit Erratum: 10. Oktober 2007

© 2007 Seidler et al.
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Gliederung

Text

Ziel der Studie: Der Zusammenhang zwischen berufsbezogenen Lastenhandhabungen und der Entstehung einer Coxarthrose wird aktuell diskutiert. Der vorliegende Beitrag („Work-in-progress“) stellt die Frage, inwieweit eine in die „Wismut-Kohorte“ eingebettete Fall-Kontroll-Studie zu dieser Diskussion beitragen kann.

Methodik: Der Wismut-Gesamtkohorte werden alle Männer zugeordnet (n=192.750), die jemals im Rahmen einer Beschäftigung bei der SDAG Wismut an einer Röntgenreihenuntersuchung teilgenommen haben. Als Fälle werden alle Männer mit Coxarthrose definiert, die im damaligen Bergarbeiterkrankenhaus Erlabrunn eine Totalendoprothese (TEP) der Hüfte erhalten haben (n=212, entzündlich bedingte Coxarthrosen ausgeschlossen). Es wird davon ausgegangen, dass der überwiegende Anteil aller an Wismut-Beschäftigten durchgeführten TEP der Hüfte zu DDR-Zeiten in diesem Krankenhaus durchgeführt wurde. Da regionale Selektionseffekte nichtsdestotrotz anzunehmen sind, sollen als Kontrollgruppe aus der Wismut-Gesamtkohorte „regionale Kontrollpersonen“ – gematcht für Geburtsjahr und Wohnort – gewonnen werden. Die Tätigkeitsanamnesen werden auf der Grundlage der i.d.R. jährlich durchgeführten Röntgenreihenuntersuchungen erhoben. Ausgehend von den Berufstätigkeiten wurde eine a-priori-JEM unabhängig voneinander von zwei Experten (W.J., P.S.) erstellt. Die Übereinstimmung zwischen den beiden Experten-Abschätzungen ist als mäßig zu bezeichnen (Kappa=0,33); in einer Konsensuskonferenz soll bezüglich der abweichenden Einstufungen Einigkeit erzielt werden. Die Ziehung der Kontrollgruppe ist noch nicht erfolgt. Einer orientierenden Pilotstudie zufolge haben Personen, die jemals als Hauer gearbeitet haben, im Vergleich mit den übrigen Wismut-Beschäftigten häufiger eine Hüft-TEP im Bergarbeiterkrankenhaus Erlabrunn erhalten (Odds ratio bei Adjustierung für das Geburtsjahr = 1,8; 95% Konfidenzintervall 1,1-2,8).

Diskussion: Die vorliegenden Daten von Wismut-Beschäftigten erlauben prinzipiell auch die Durchführung von Studien im Bereich der Muskel-Skelett-Epidemiologie. Schwierigkeiten bereitet die Erhebung geeigneter muskuloskelettaler Outcomes; mit Bezug auf das vorliegende Studiendesign sind hier mögliche Verzerrungseffekte zu diskutieren. Eine retrospektive Expositionsabschätzung im Sinne der Erstellung einer a-priori-JEM erscheint machbar. Allerdings sind die Unterlagen der Röntgenreihenuntersuchungen nur eingeschränkt zur Erhebung der Tätigkeitsanamnesen geeignet; das Ausmaß eines möglichen „Informations-Bias“ ist ebenso wie die Nutzbarkeit weiterer Datenquellen zur Tätigkeitsanamnese zu diskutieren.


Literatur

1.
Wismut GmbH (Hrsg.): Chronik der Wismut. Wismut GmbH. 1999
2.
Möhner M, Ott J, Gellissen J, Lindtner M, Gille HG. Analyse des Krankenstandes der WISMUT-Beschäftigten im Zeitraum 1985-1989. Schriftenreihe der BAuA, Forschung, FB 937, 2001

Erratum

Der Name der siebten Autorin wurde ursprünglich irrtümlich mit "Andreas Lorenz" angegeben.