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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Niederfrequente magnetische Felder und Leukämierisiko bei Kindern: eine Übersicht

Meeting Abstract

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  • Joachim Schüz - Institute of Cancer Epidemiology, Copenhagen

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds917

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds917.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Schüz.
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Gliederung

Text

Schwache magnetische Felder im Niederfrequenzbereich (EMF) werden seit mehr als 20 Jahren mit dem Krebsgeschehen in Verbindung gebracht. Seitdem wurden zahlreiche Studien zu diesem umstrittenen Thema weltweit durchgeführt. Die wissenschaftliche Kontroverse beruht darauf, dass die in der Epidemiologie als „Belastung“ gewerteten Magnetfeldstärken (meist Magnetfelder über 0,2 Mikro-Tesla (µT)) ein Vielfaches unterhalb des von der „International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection (ICNIRP)“ empfohlenen Grenzwertes von 100 µT liegen. Dieser liegt wiederum mehrfach niedriger als diejenigen Magnetfeldstärken, für die biologische Effekte wissenschaftlich nachgewiesen wurden.

Im Jahr 2000 kamen zwei unabhängige Meta-Analysen zu EMF und dem Leukämierisiko im Kindesalter auf Basis der Originaldaten der bis dahin durchgeführten Studien zu konsistenten Schlussfolgerungen. Ahlbom et al. [1] poolten die methodisch besseren Studien und beobachteten ein doppeltes Leukämierisiko ab 0,4 µT, aber nicht darunter. Greenland et al. [2] poolten alle verfügbaren Studien und berichteten ein statistisch signifikant erhöhtes Odds Ratio von 1,7 bei Magnetfeldstärken über 0,3 µT. Auf dieser Basis klassifizierte ein von der „International Agency for Research on Cancer (IARC)“ einberufenes internationales Expertengremium niederfrequente magnetische Felder im Frühjahr 2001 als „possibly carcinogenic to humans“. Es ist kein Mechanismus bekannt, der eine Kanzerogenität der sehr schwachen magnetischen Felder erklären könnte.

Inzwischen dreht sich die Diskussion vor allem darum, ob die vorliegenden Ergebnisse die Anwendung des Vorsorgeprinzips oder gar eine Senkung der Grenzwerte notwendig machen. Auch wissenschaftlich kamen in den letzten 2 Jahren neue Erkenntnisse hinzu: aus einer Meta-Analyse in der speziell auf die nächtliche Magnetfeldexposition geschaut wird [3] und aus Studien zur Frage ob Magnetfelder die Überlebenswahrscheinlichkeit leukämiekranker Kinder beeinflusst [4], [5].


Literatur

1.
Ahlbom A, Day N, Feychting M, et al. A pooled analysis of magnetic fields and childhood leukaemia. Br J Cancer 2000; 83: 692-8
2.
Greenland S, Sheppard AR, Kaune WT, et al. A pooled analysis of magnetic fields, wire codes, and childhood leukemia. Childhood Leukemia-EMF Study Group. Epidemiology 2000; 11: 624-34
3.
Schüz J, Svendsen AL, Linet M, et al. Night-time exposure to electromagnetic fields and childhood leukemia: an extended pooled analysis. Am J Epidemiol 2007, in press.
4.
Foliart DE, Pollock BH, Mezei G, et al. Magnetic field exposure and long-term survival among children with leukaemia. Br J Cancer 2006; 94: 161-4.
5.
Svendsen AL, Weihkopf T, Kaatsch P, Schüz J. Exposure to magnetic fields and survival after diagnosis of childhood leukaemia - a German cohort study. Cancer Epidemiol Biomarkers Prev 2007, in press.