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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Berufliche Pestizidexposition und Tumore des Gallensystems bei Männern: Auswertung einer multizentrischen Fallkontrollstudie

Meeting Abstract

  • Nils Schmeißer - Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin, Universität Bremen, Bremen
  • N Bourdon-Raverdy - Registre du cancer de la Somme, Amiens
  • A Llopis-González - Unit of Preventive Medicine and Public Health, Valencia University, Valenzia
  • P Guénel - INSERM (National Institute of Health and Medical Research), Villejuif
  • L Hardell - Department of Oncology, Örebro Medical Center, Örebro
  • F Merletti - Unit of Cancer Epidemiology, University of Turin, Turin
  • J Olsen - University of Aarhus, Aarhus
  • H Olsson - Department of Oncology, University Hospital Lund, Lund
  • M Vyberg - Institute of Pathology, Aalborg Hospital, Aalborg
  • P Zambon - Veneto Cancer Registry, University of Padua, Padua
  • Wolfgang Ahrens - Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin, Universität Bremen, Bremen

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds908

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds908.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Schmeißer et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Tumoren des extrahepatischen Gallensystems (EBT) sind mit einer Inzidenzrate von 0,1 bis 3,3/100000 selten. Die Anzahl der bekannten verursachenden Umweltfaktoren ist eingeschränkt. Seltene Tumoren können als „Signaltumoren“ für vermutete Karzinogene dienen, da sie nicht oder nur schwach durch häufig auftretende Confounder beeinflusst werden. Relevant wird die Untersuchung des Einflusses von Pestiziden auf die Ätiologie von Tumoren des EBT durch Hinweise, die in anderen Studien gefunden wurden.

Population und Methoden: Die Daten wurden im Rahmen einer internationalen multizentrischen Fallkontrollstudie erhoben. Der Erhebungszeitraum lag zwischen 1995 und 1997. Aufgrund spezifischer Expositionsrisiken sind 517 Krankenhauskontrollen (Kolonkarzinome) nicht berücksichtigt. Aufgrund fehlender Populationskontrollen mussten 30 Fälle von dieser Auswertung ausgeschlossen werden. Es konnten 153 Fälle mit histologisch gesicherten Tumoren des extrahepatischen Gallensystems und 1421 gematchte Populationskontrollen anhand eines standardisierten Fragebogens interviewt werden. Für 49 Fälle (32,03%) und 19 Kontrollen (1,34%) musste eine Ersatzperson interviewt werden. Die Daten wurden in 5 europäischen Ländern (Dänemark, Deutschland, Frankreich, Italien und Schweden) erhoben. Angaben aus den Berufsbeschreibungen wurden in Intensitätsvariablen umgesetzt. Relative Risiken wurden als Odds Ratios (OR) und 95% Konfidenzintervalle (KI) mittels ungebundener logistischer Regression ermittelt. Es wurde für Alter, Land, Gallensteinerkrankung und Next-of-Kin-Status adjustiert.

Ergebnisse: Eine berufliche Pestizidexposition wird von 25 Fällen (16,3%) und 190 Kontrollen (13,4%) angegeben (OR=1,26; 95%-KI: 0,80-1,99). Für kumulierte Häufigkeiten und die Verwendung einzelner Pestizidklassen lassen sich keine erhöhten Risiken zeigen. Erhöhte Risiken sind für das Jahr mit der maximalen Expositionshäufigkeit (>15 Tage: OR=1,98; 95%-KI: 0,77-5,11) sowie bei Personen mit einer Erstexposition im späteren Lebensalter (>42 Jahre: OR=4,58; 95%-KI: 1,53-13,70) darstellbar.

Diskussion/Schlussfolgerung: Ein Zusammenhang zwischen beruflichen Pestizid-Expositionen und Tumoren des EBT kann in dieser Studie nicht überzeugend dargestellt werden. Pestizide lassen sich aufgrund der Ergebnisse untersuchter Intensitätsvariablen als ätiologischer Faktor jedoch nicht begründet ausschließen.