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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Belastung und Beanspruchung in der Altenpflege – Ansätze für die Primärprävention auf der Basis von Untersuchungen bei Auszubildenden

Meeting Abstract

  • Katharina Ritter-Lempp - IPAS, Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden, Dresden
  • Alexander Nowak - IPAS, Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden, Dresden
  • Eva Haufe - IPAS, Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden, Dresden
  • Klaus Scheuch - IPAS, Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden, Dresden

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds904

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds904.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Ritter-Lempp et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Der demografische Wandel bringt steigende Anforderungen in der Altenpflege mit sich. Zu beobachten ist eine hohe Fluktuation bereits innerhalb kurzer Zeit nach Beschäftigungsbeginn. Um die dazu führenden Bedingungen zu beleuchten und frühzeitige Präventionsmaßnahmen entwickeln zu können, wurden Auszubildende in der Altenpflege in drei Ausbildungsjahren zu Arbeitsbelastungen sowie psychischen und körperlichen Beanspruchungen befragt.

Methodik: Schriftliche Befragung bei 74 Auszubildenden (27+/-10 Jahre, 73% Frauen). Instrumente: Fragebogen zur psychischen Belastung und Beanspruchung (BGW, 2003), Subskalen: quantitative Arbeitsbelastung, qualitative Arbeitsbelastung, soziale Beziehungen, Arbeitsorganisation, allgemeine berufliche Situation, anhaltende Gereiztheit, emotionale Erschöpfung, Arbeitsunzufriedenheit; Utrecht Work Engagement Scale (Schaufeli & Bakker, 2003), Skalen: Vitalität, Hingabe, Absorbiertheit; Beschwerdenliste (Zerssen, 1997). Statistik: Dimensionsreduktion der Beschwerdenliste durch Faktorenanalysen; Korrelationsanalysen, auspartialisiert nach Alter und Geschlecht.

Ergebnisse: Die Faktorenanalyse lieferte sieben gut interpretierbare Faktoren: Neurotizismus, Herz-Kreislauf-Symptome, körperliche Erschöpfung, seelische Erschöpfung, Muskel-Skelett-Beschwerden, Magen-Darm-Beschwerden, Temperaturregulation. Körperliche und psychische Beschwerden hängen mit einer als belastend wahrgenommenen Arbeitssituation zusammen. Die negative Beurteilung der Gesamtsituation korreliert mit allgemeiner körperlicher Erschöpfung (p<0,05). Herz-Kreislauf-Beschwerden zeigen Zusammenhänge mit einer negativen Beurteilung der allgemeinen Arbeitssituation, der Arbeitsorganisation und der sozialen Unterstützung (p<0,001), sowie mit genereller Arbeitsunzufriedenheit und emotionaler Erschöpfung (p<0,05). Eine negative Beurteilung der sozialen Unterstützung bei der Arbeit ist mit geringerer Vitalität, emotionaler Erschöpfung und hoher Arbeitsunzufriedenheit assoziiert (p<0,05).

Auszubildende, die ihre Arbeit als bedeutend, inspirierend und herausfordernd erleben (Hingabe), unterscheiden sich hinsichtlich der Bewertung ihrer Arbeitssituation (allgemeine Arbeitssituation, Arbeitsorganisation, soziale Unterstützung, Arbeitsunzufriedenheit (p<0,05)) sowie hinsichtlich emotionaler Erschöpfung (p<0,05), Vitalität und Absorbiertheit (p<0,001) signifikant von Befragten, die diesen Bereich schlechter bewerten.

Diskussion: Die Ergebnisse zeigen, dass bereits bei Auszubildenden in der Altenpflege Bedarf an Präventionsmaßnahmen zur Vermeidung berufsbedingter Belastungsfolgen besteht. Ansatzpunkte zur Verbesserung der körperlichen und psychischen Situation sind die Stärkung sozialer Kompetenzen und die Verbesserung der Psychohygiene- und Selbstschutztechniken wie auch bewusste Entspannung und Ressourcenaufbau. Basierend auf den Ergebnissen wird deshalb ein Präventionsprogramm zur Integration in die Altenpflegeausbildung entwickelt.