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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Dieselmotoremissionen und Lungenkrebssterblichkeit: Ergebnisse des 2. Follow-Up einer historischen Kohortenstudie im Kalibergbau

Meeting Abstract

  • Angela Neumeyer-Gromen - Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Berlin
  • Hajo Zeeb - Johannes Gutenberg-Universität Mainz, AG Epidemiologie, Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie, Mainz
  • Norbert Kersten - Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Berlin
  • Oliver Razum - Universität Bielefeld, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, AG Epidemiologie & International Public Health, Bielefeld

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds883

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds883.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007
Veröffentlicht mit Erratum: 13. September 2007

© 2007 Neumeyer-Gromen et al.
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Gliederung

Text

Einleitung/Hintergrund: Dieselmotoremissionen (DME) sind nach IARC als „wahrscheinlich humankanzerogen“ eingestuft. Epidemiologische Forschungslücken bestehen in der Quantifizierung der Exposition, der Kontrolle von Confounding (v. a. Rauchen) und der Untersuchung besonders hoch belasteter Populationen, zu denen Bergarbeiter zählen. Primäres Ziel der Studie ist die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen DME und Lungenkrebsmortalität.

Material/Methoden: In einer historischen Kohortenstudie wurden 6079 Kalibergarbeiter aus dem Südharzrevier von 1970 bis 2001 verfolgt. Einschlusskriterium war eine mindestens einjährige Berufstätigkeit nach 1969 (Umstellung auf Dieseltechnologie). Die Berufsvorgeschichten und das Rauchverhalten wurden aus arbeitsmedizinischen Akten erhoben und zusätzlich bei 3087 Teilnehmern durch Interviews validiert. Repräsentative Dieselrußkonzentrationen in den Tätigkeitsgruppen wurden mit den Tätigkeitsjahren multipliziert (kumulative Exposition). In der Auswertung erfolgte ein externer Vergleich der Mortalität der Kohorte mit der Allgemeinbevölkerung (standardisierte Mortalitätsratio/SMR) und ein interner Vergleich hoch- und niedrig belasteter Tätigkeitsgruppen (Poisson-/Cox-Regression). Im internen Vergleich ist für die relativen Risiken (RR) ein Cutpoint von 4.9[mg/m³]*Jahre definiert, was einer 20jährigen Exposition in der am höchsten belasteten Tätigkeitsgruppe entspricht. Die RR sind nach Alter und Rauchverhalten adjustiert und zusätzlich auf der Grundlage von Dosis-Terzilen berechnet.

Ergebnisse: Die Erfassung von Vitalstatus und Todesursachen liegt bei 98,1%. Die Validierung der Exposition zeigt insgesamt eine gute Übereinstimmung, während die Rauchangaben eher auf eine Unterschätzung durch die Aktendaten schließen lassen. Die Cox-Regression ergibt im internen Vergleich moderate Risikoerhöhungen für die Lungenkrebssterblichkeit in der Gesamtkohorte (N=5862) und RR von 1.8 (0.8-4.1) in einer Teilkohorte mit sehr genauer Expositionscharakterisierung (N=3335). Verschiedenste Sensitivitätsprüfungen bestätigen eine Risikoerhöhung. Die Analyse mit Dosis-Terzilen zeigt nicht-signifikante Dosis-Wirkungsbeziehungen in der Teilkohorte.

Diskussion/Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse sind mit den Resultaten des 1. Follow-Up bis 1994 und der aktuellen Literatur konsistent. Sie weisen auf eine humankanzerogene Wirkung von Dieselmotoremissionen hin.


Erratum

Irrtümlich wurde zunächst eine veraltete Version des Abstracttextes veröffentlicht.