gms | German Medical Science

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Führt eine berufliche Strahlenexposition im Uranerzbergbau zu einem erhöhten Risiko für Totgeburten?

Meeting Abstract

Suche in Medline nach

  • Matthias Möhner - Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Berlin
  • Johannes Gellissen - Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Berlin

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds876

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds876.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Möhner et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielf&aauml;ltigt, verbreitet und &oauml;ffentlich zug&aauml;nglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Einleitung/Hintergrund: Die meisten Studien zu den gesundheitlichen Folgen einer beruflichen Strahlenexposition sind auf die Mortalität, insbesondere auf die Krebsmortalität ausgerichtet. Untersuchungen im Umfeld der Sellafield-Studie kamen zu dem Ergebnis, dass auch das Risiko von Totgeburten mit der kumulierten Strahlenexposition zunimmt [1]. Ziel der vorliegenden Untersuchung ist es deshalb, diese Hypothese anhand von Daten aus dem sächsischen Uranerzbergbau zu überprüfen.

Material und Methode: Aus den Geburtenbüchern eines ehemaligen WISMUT-Krankenhauses wurden für den Zeitraum 1952-1958 insgesamt 137 Totgeburten identifiziert. Diesen Fällen wurden jeweils die beiden am zeitlich nächsten registrierten Geburten gleichen Geschlechts als Kontrollen zugeordnet. Neben dem Familienstatus, dem Alter der Mutter und der Rangfolge in der Geschwisterreihe wurde für die Eltern die berufliche Tätigkeit erhoben.

Ergebnisse: Etwa jede vierte Mutter war bei der Wismut beschäftigt. Nur bei 32 Müttern ist von einer Strahlenexposition auszugehen (9 Fälle und 23 Kontrollen), was zu einem OR=0,77 95%CI: [0,36-1,70] führt. Das Risiko einer Totgeburt stieg mit dem Alter der Mutter (OR=4,01 95%CI: [1,97-8,49] für Alter >35 vs. Alter ≤25) und mit der Rangfolge in der Geschwisterreihe (OR=4,31 95%CI: [1,96-9,45] für mindestens fünftes Kind vs. erstes Kind) signifikant an. Werden nur verheiratete Mütter berücksichtigt (113 Fälle und 188 Kontrollen), so werden von den zugehörigen Ehemännern 58,5 % bzw. 57,0 % als Strahlenexponierte eingestuft. Der Anteil hochexponierter Väter (Hauer und vergleichbare Berufe) lag bei 32,7 % (Fälle) bzw. 31,4 % (Kontrollen), was OR=1,09 95%CI: [0,61-1,96] ergab.

Diskussion: Die Studie lässt keinen Zusammenhang zwischen einer beruflichen Strahlenexposition der Eltern und dem Totgeburtenrisiko erkennen. Einen limitierenden Faktor stellt die grobe Expositionsklassifikation dar. Es wird daher angestrebt, eine differenziertere Expositionserhebung anhand der Wismut-Unterlagen durchzuführen.


Literatur

1.
Parker L, Pearce MS, Dickinson HO, Aitkin M, Craft AW. Stillbirths among offspring of male radiation workers at Sellafield nuclear reprocessing plant. Lancet. 1999;354:1407-1414.