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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Erfragbare Grenzsteine der kindlichen Entwicklung im Alter von 1-5 Jahren. Normierung an einer großen repräsentativen Stichprobe bayerischer Kinder

Meeting Abstract

  • Anja Lüders - Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Oberschleißheim
  • Rüdiger v. Kries - LMU, München
  • Manfred Wildner - Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Oberschleißheim
  • Richard Michaelis - Eberhard-Karls-Universität, Tübingen
  • Uta Nennstiel-Ratzel - Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Oberschleißheim

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds867

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds867.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Lüders et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Elternfragebögen zur kindlichen Entwicklung gelten als ökonomisches Instrument zum Screening von Entwicklungsstörungen. Bislang sind im deutschen Sprachraum noch keine Elternfragebögen mit einer praktikablen Anzahl von Einzelfragen eingeführt, die an einer großen repräsentativen Stichprobe normiert wurden. Grenzsteine der Entwicklung markieren altersgemäße Entwicklungsziele, die definitionsgemäß 90-95% gesunder, normal entwickelter Kinder erreichen sollen.

Methodik: Basierend auf diesen Grenzsteinen wurden Fragebögen für das Alter 1-5 Jahre mit 14-24 Fragen erstellt und an einer Normstichprobe getestet. Für jedes Lebensjahr waren mindestens zwei Fragen zur intellektuellen, motorischen, psychosozialen Entwicklung sowie zur Sprachentwicklung enthalten. Die Normierung erfolgte in zwei Schritten an einer repräsentativen Zufallsstichprobe bayerischer Kinder. Im ersten Schritt wurde für alle Einzelfragen überprüft, ob mindestens 90% der Kinder der jeweiligen Altersgruppe den Grenzstein erreichten, im zweiten Schritt, wie viele Grenzsteine von mindestens 90% der Kinder einer Altersgruppe erreicht wurden.

Die Test/Retest-Reliabilität wurde durch zweimalige Befragung von 90 Eltern im Abstand von 4 Wochen erhoben.

Ergebnisse: Von 2323 erreichten Eltern antworteten 1496 Eltern (64,4%). Es waren mehr Eltern mit höherem Bildungsstand (Vergleich Mikrozensus Bayern) vertreten, die Schuldbildung hatte jedoch keinen Einfluss auf das Antwortverhalten. Für 12 und 24 Monate wurden alle erfragten Grenzsteine von mehr als 90% der Kinder erreicht. Für 36, 48 und 60 Monate konnten, je nach Fragebogen, zwischen 1 und 5 Grenzsteinen von weniger als 90% der Kinder bewältigt werden. Diese Fragebögen wurden überarbeitet und für die weitere Auswertung angepasst. Trotz Überarbeitung erreichten je nach Altersgruppe nur 45%-65% der Kinder alle Grenzsteine. Die 90% Percentile lag in den verschiedenen Altersgruppen zwischen 2 und 4 nicht erreichten Grenzsteinen.

Die Test/Retest-Reliabilität war mit einem Cohens kappa von 0,86 bis 0,96 sehr hoch.

Schlussfolgerungen: Die entwickelten Fragebögen erwiesen sich als praktikabel und reliabel. Einzelne der derzeit verwendeten Grenzsteine erscheinen unabhängig vom Bildungsstand der Eltern als nicht mehr zeitgemäß, ein Entwicklungsdefizit zu erfassen.

Workshop Kindergesundheit Nennstiel-Ratzel


Literatur

1.
Michaelis R. Das Grenzsteinprinzip als Orientierungshilfe für die pädiatrische Entwicklungsbeurteilung. In Schlack HG: Entwicklungspädiatrie. H Marseille Verlag 2004; 123-29
2.
Brandstetter G et al. Elternfragebögen zur Entwicklung im Kleinkindalter (EFkE) - ein Screeningistrument: I. Normierung. KiPra. 2002; 73: 338-44
3.
Petermann F, Macha T. EEE U6-U9 Manual. Swets 2003