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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Sozioökonomische Einflussgrößen und die Selbsteinschätzung des Gesundheitszustands in fünf ausgewählten Regionen Bayerns – Analyse einer bevölkerungsrepräsentativen Befragung

Meeting Abstract

  • Daniela Kemptner - Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, München
  • Manfred Wildner - Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, München
  • Karim Abu Omar - Institut für Sportwissenschaft und Sport, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg, Erlangen
  • Wolfgang H. Caselmann - Institut für Sportwissenschaft und Sport, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg, Erlangen
  • Günther Kerscher - Institut für Sportwissenschaft und Sport, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg, Erlangen
  • Peter Reitmeier - Institut für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen, GSF München Neuherberg, München
  • Alfred Rütten - Institut für Sportwissenschaft und Sport, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg, Erlangen

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds845

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds845.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Kemptner et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Eine vorangegangene sog. ökologische Analyse mit aggregierten Daten, welche auf Grund einer Landtagsanfrage durchgeführt worden war, zeigte eine Korrelation regionaler Mortalitätsraten in Bayern mit sozioökonomischen Faktoren. Ziel dieser weiterführenden Untersuchung war es, dieser Assoziation zwischen sozioökonomischen Einflussgrößen und der Gesundheit der Bevölkerung auch auf individueller Ebene nachzugehen und die Einflüsse zu quantifizieren.

Material und Methoden: 4519 Personen zwischen 18 und 80 Jahren wurden mit Hilfe des Behavioral Risk Factor Surveillance Systems (BRFSS) in einem computergestützten Telefoninterview (CATI) zu Aspekten des Gesundheitsverhaltens, zu sozioökonomischen Daten und zur Selbsteinschätzung des Gesundheitszustands befragt. Die Teilnehmer wurden aus je zwei bayerischen Regionen höherer und niedrigerer Sterblichkeit und aus der Landeshauptstadt München ausgewählt. Zusätzlich zu einer deskriptiv statistischen Auswertung erfolgte eine multiple logistische Regression hinsichtlich der Zielgröße „Selbsteinschätzung des Gesundheitszustands“.

Ergebnisse: Die beiden Regionen höherer Sterblichkeit „Oberfranken“ und „Ostbayerische Grenzregion“ hatten gegenüber den drei weiteren Regionen „Unterfranken“, „Bayerisches Oberland“ und „München“ einen geringeren Anteil an Personen mit gutem bzw. sehr gutem Gesundheitszustand. Zusätzlich fanden sich für die beiden Regionen ein höherer Anteil an Personen mit höchstens Hauptschulabschluss sowie an Personen mit weniger als 1500 Euro Haushaltsnettoeinkommen. Nach Region, Geschlecht und Alter adjustierte logistische Regressionsmodelle zeigten Assoziationen zwischen dem individuellen, selbstgeschätzten Gesundheitszustand und den soziodemographischen Größen Schulabschluss, Familienstand und Arbeitslosigkeit. In einer multiplen logistischen Regression hatten, adjustiert für erfragtes Gesundheitsverhalten, die Zufriedenheit mit der momentanen Arbeitssituation, die aktuelle Familiensituation und der erreichte Schulabschluss sowie eine geringe regionale Komponente einen unabhängigen, statistisch signifikanten Einfluss auf den empfundenen Gesundheitszustand.

Schlussfolgerung: Konsistent mit der Analyse aggregierter Daten bestätigte sich auf individueller Ebene ein Zusammenhang zwischen sozioökonomischen Einflussgrößen und der Gesundheit der Bevölkerung als (Teil-)Ursache der regionalen Unterschiede der Lebenswerwartung. Neben Zielgruppen- und verhaltensspezifischen Präventionsprogrammen kommt daher einer Strukturförderung der betroffenen Regionen präventionspolitische Bedeutung zu.