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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Psychosoziale Belastung und die psychische Befindlichkeit bei Tiermedizinern

Meeting Abstract

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  • Melanie Harling - Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW), Hamburg
  • Petra Strehmel - Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Fakultät Soziale Arbeit und Pflege, Hamburg
  • Albert Nienhaus - Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege, Hamburg

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds825

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds825.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Harling et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Tierärzte sind vielfältigen Gesundheitsrisiken ausgesetzt. Die vorliegende Studie untersucht Einflussfaktoren auf die psychosozialen Belastungen sowie deren Auswirkung auf die psychische Befindlichkeit bei Tiermedizinern.

Methode: 2012 Tierärzten wurde ein Fragebogen zugesendet. In Anlehnung an das Modell beruflicher Gratifikationskrisen [1] wurde eine Skala zur Erfassung der psychosozialen Belastung entwickelt. Anhand einer Kurzfassung der Demoralisierungsskala nach Rehm et al. [2] wurden Daten zur psychischen Befindlichkeit erhoben. In multivariaten Analysen wurden Einflussfaktoren für eine erhöhte psychosoziale Belastung (Werte im oberen Drittel der beobachteten Summenscore) und für hohe Werte in der Demoralisierungsskala (Werte im oberen Drittel der beobachteten Summenscore) untersucht.

Ergebnisse: Vollständige Angaben liegen für 1060 Tiermediziner vor (Responserate 52,7 %). Erhöhte Belastungen empfinden 8,3 %. Hohe Werte in der Demoralisierungsskala gaben 5,8 % an. Tierärzte, die den Altersgruppen 35-44 Jahre (OR 2.3, 95%CI 1.0-5.0) und 45-54 Jahre angehören (OR 3.3, 95%CI 1.4-7.2), empfinden häufiger Belastungen als ihre über 54 Jahre alten Kollegen. Praxisinhaber (OR 5.8; 95%CI 2.0-16.7) und in Praxen angestellte Tierärzte (OR 7.4, 95%CI 2.4-22.9) fühlen sich häufiger betroffen. Die psychosoziale Belastung steigt mit der Anzahl an Arbeitsstunden pro Woche (41-60 Std.: OR 5.2, 95%CI 1.8-14.6; > 60 Std.: OR 16.4, 95%CI 5.7-47.8). Die Wahrscheinlichkeit für hohe Werte auf der Demoralisierungsskala steigt bei einer erhöhten psychosozialen Belastung (OR 11.3, 95%CI 5.8-21.8) sowie tendenziell bei einer Arbeitszeit von weniger als 21 Std. pro Woche (OR 2.0, 95% CI 0.8-5.1).

Diskussion: Vor allem Tierärzte in Praxen und Veterinäre, die eine hohe Anzahl an Arbeitsstunden ableisten, fühlen sich belastet. Psychosoziale Belastungen sind ein Risiko für eine Demoralisierung. Bezüglich der geleisteten Arbeitsstunden zeigen sich Unterschiede, da eine Demoralisierung durch Über- sowie durch Unterforderung ausgelöst werden kann. Vor diesem Hintergrund sollten gesundheitsfördernde Maßnahmen auf die berufliche Situation der Tierärzte zugeschnitten sein und Strategien zur Verbesserung des Zeitmanagements enthalten.


Literatur

1.
Siegrist J, Starke D, Chandola T, Godin I, Marmot M, Niedhammer I, Peter R. The measurement of Effort-Reward Imbalance at work: European comparisons. Soc Sci Med. 2004;58:1483-99.
2.
Rehm J, Witzke W, Fichter M, Eiberger T, Koloska R. Was messen psychiatrische Skalen? Ein empirischer Vergleich. Diagnostica. 1988;34(3):227-43.