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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Patientenorientierte Kommunikation mit Menschen mit Demenz: Entwicklung und Evaluation eines Trainingsprogramms für Pflegende in Altenpflegeheimen – eine prospektive kontrollierte Interventionsstudie

Meeting Abstract

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  • Stephanie Hanns - Martin-Luther-Univerität Halle-Wittenberg, Halle
  • Johann Behrens - Martin-Luther-Univerität Halle-Wittenberg, Halle

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds824

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds824.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Hanns et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Kommunikations- und damit Autonomieeinschränkungen Demenzkranker rühren keineswegs nur aus Demenz, sondern auch aus unkorrigierten Missverständnissen der Pflegenden und Einrichtungen. Im Projekt wurde ein Trainingsprogramm für Pflegende zum Umgang mit demenzkranken Heimbewohnern (mit 5 Modulen der Kommunikationsgestaltung wie Körpersprache verstehen, Milieugestaltung, sensorische Kommunikation) entwickelt und evaluiert.

Methoden: Die Evaluationsstudie wurde als eine kontrollierte, dreiarmige, cluster-randomisierte, longitudinale Interventionsstudie (Prä, Post I und Post II nach 6 Monaten, erhoben bei Pflegenden und Pflegebedürftigen) angelegt. Insgesamt wurden 6 Pflegeheime mit 134 Pflegenden und 273 Pflegebedürftigen in die Untersuchung eingeschlossen und einer Interventions-, Placebo- und Kontrollgruppe zugeteilt.

Ergebnisse: Die Evaluation des selbst entwickelten, 13wöchigen Trainingsprogramms erfolgte bei den Heimbewohnern (Stabilisierung des Ernährungszustandes und Reduktion von Verhaltensauffälligkeiten) und bei den Pflegenden (Verbesserung von Wissen und Kompetenz, Reduktion von Arbeitsbelastung und Burnout).

Eine signifikante und andauernde Verbesserung der Orientierungsfähigkeit der Heimbewohner konnte durch das Training der Pflegenden erreicht werden, nicht hingegen ein signifikant besserer Ernährungszustand (Deckeneffekte) und eine signifikante Reduktion weiterer Verhaltensauffälligkeiten in der Interventionsgruppe. Die Pflegenden schätzten das Trainingsprogramm sehr, ihr Wissen steigerte sich nach der Intervention signifikant, allerdings wurden keine stabilen Verbesserungen in den Bereichen Arbeitsbelastung, Burnout und Kompetenzen signifikant. Auch das Wissen nahm nach sechs Monaten wieder ab.

Diskussion: Die Interventionsstudie unterstützt nicht die Annahme, dass eine alleinige 13wöchige Trainingsmaßnahme für Pflegende in Altenpflegeheimen zu einer durchgängigen und stabilen Verbesserung des Zustands demenzkranker Heimbewohner führt und die Belastungen des Personals signifikant reduziert. Allerdings befürworteten die Pflegenden das Training sehr. Ein steigendes Interesse und eine erhöhte Sensibilität gegenüber demenzkranken Bewohnern konnte während und nach dem Training beobachtet werden. Um jedoch Einsichten in der Praxis umzusetzen und um das pflegerische Handeln dauerhaft zu verbessern, scheinen unterstützende Veränderungen in der Organisation und der Gestaltung der Einrichtungen und eine kontinuierlichere Unterstützung der Pflegenden notwendig zu sein.

Vortrag für den Workshop der Pflegeforschungsverbünde