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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Die Zehn Grundsätze der Konzertierten Aktion im Gesundheitswesen – Markstein der Gesundheitspolitik um 1985

Meeting Abstract

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  • Ralf Forsbach

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds812

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds812.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Forsbach.
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Gliederung

Text

Das Jahr 1985 stellt eine wichtige Zäsur hinsichtlich der Bemühungen der Bundesregierungen um eine Reformierung des Gesundheitswesens dar. Die im Bundesarbeitsministerium unter Norbert Blüm im Auftrag der Konzertierten Aktion entwickelten „10 Grundsätze“ können nach jüngsten Forschungen „als Wendepunkt von einer ausschließlich an punktuellen Eingriffen orientierten Kostendämpfungspolitik hin zu einem umfassenderen Reformentwurf charakterisiert werden“ (Jürgen Wasem/Stefan Greß).

Schon die Präambel des am 27. März 1985 der Konzertierten Aktion vorgelegten Papiers betont die Eigenverantwortlichkeit des Bürgers, wenn auch die ökonomischen Gegebenheiten im Vordergrund stehen und an der grundsätzlichen Strukturierung des Gesundheitswesens festgehalten wird. Der dritte der zehn Punkte verbindet die Eigenverantwortung des Bürgers für seine Gesundheit mit dem Präventionsgedanken. Diese Implementierung des Präventionsgedankens in das Grundsatzpapier wurde von Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite unterschiedlich aufgenommen. Während der DGB befürchtete, den Arbeitnehmern würde Verantwortung für einen Bereich übertragen, in dem sie keinerlei Handlungsfreiheit besäßen, befürchtete die Arbeitgeberseite eine Einschränkung ihrer Kompetenzen insbesondere im Bereich der Arbeitsmedizin. Grundsätzlich freilich begrüßten DGB und Arbeitgeberverband den Punkt „Eigenverantwortung“. Der DGB machte allerdings darauf aufmerksam, dass eine individuelle Verhaltensänderung ohne den gesellschaftlichen Rahmen nicht denkbar sei. „Eigenverantwortung ohne gesellschaftliche Verantwortung“ bleibe „eine Ideologie“. Diese erhebliches bürgerliches Engagement voraussetzende Zielsetzung griff viele Ideen der 68er Bewegung auf und widersprach der wirtschaftsliberalen, jede weitergehende Organisation der Arbeitnehmerschaft ablehnenden Orientierung der Arbeitgeber.

Als in der Folgezeit der Präventionsgedanke eng mit konkreter Prophylaxe verknüpft wurde, kollidierte er häufig mit liberalen Vorstellungen von Wirtschaft und Lebensführung.

Der weitgehend auf unpublizierten Akten der für Gesundheit zuständigen Bundesministerien basierende Vortrag soll den mit dem Jahr 1985 verbundenen Durchbruch des Präventionsgedankens, die Reaktionen der politischen Akteure und die Folgen für das öffentliche Bild von „Gesundheit“ erörtern.