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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Die Herzgesundheit von Städtern folgt einer sozialen Landkarte: Unabhängig vom individuellen sozialen Status haben Bewohner benachteiligter Stadtviertel erhöhte koronare Verkalkung (Mehrebenenanalysen der Heinz Nixdorf Recall Studie)

Meeting Abstract

  • Nico Dragano - Universitätsklinikum Düsseldorf, Düsseldorf
  • Stefan Möhlenkamp - Unversitätsklinikum Essen, Essen
  • Pablo Emilio Verde - Universitätsklinikum Düsseldorf, Düsseldorf
  • Simone Weyers - Universitätsklinikum Düsseldorf, Düsseldorf
  • Natalia Wege - Universitätsklinikum Düsseldorf, Düsseldorf
  • Susanne Moebus - Unversitätsklinikum Essen, Essen
  • Andreas Stang - Universität Halle/Wittenberg, Halle
  • Klaus Mann - Universitätsklinikum Essen, Essen
  • Karl-Heinz Jöckel - Universitätsklinikum Essen, Essen
  • Raimund Erbel - Universitätsklinikum Essen, Essen
  • Johannes Siegrist - Universitätsklinikum Düsseldorf, Düsseldorf

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds805

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds805.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Dragano et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Neben dem individuellen sozialen Status hat auch die soziale Zusammensetzung der unmittelbaren Wohnumgebung einen Einfluss auf die Gesundheit. Internationale Studien zeigen etwa, dass Bewohner von sozial benachteiligten Stadtteilen – unabhängig von individuellen Merkmalen – ein erhöhtes Infarktrisiko haben. Welche Prozesse einer solchen ‚sozialen Landkarte’ der Gesundheit zugrunde liegen, ist unklar. Daher wird in dieser Untersuchung die Assoziation stadtteilbezogener Sozialdaten mit einem subklinischen Marker der koronaren Herzkrankheit betrachtet, um zu klären, ob sich bereits in frühen Krankheitsstadien Unterschiede zeigen.

Methoden: Die Daten stammen aus der Basisuntersuchung der bevölkerungsbezogenen Heinz Nixdorf Recall Studie. Aus dem Sample gehen 4275 Männer und Frauen (45 Jahre u. älter) ohne manifeste koronare Herzkrankheit in die Analysen ein. Zielgröße ist die koronare Verkalkung, ausgedrückt über den mit einem bildgebenden Verfahren bestimmten Agatston-Score. Für diese Analyse wird der kontinuierliche Score vereinfacht (dichotomisiert: <100 vs. >100). Neben verschiedenen Drittvariablen (Alter, Geschlecht, Erwerbsstatus, Verkehrsbelastung, soziale Isolation) wird auf der individuellen Ebene die Schulbildung als Statusindikator verwendet. Informationen über soziale Charakteristika der 107 Wohnviertel der Studienteilnehmer stammen von den statistischen Ämtern der Studienstädte Bochum, Essen und Mülheim a.d.R. Als Indikator auf dieser Ebene dient die Arbeitslosenquote, die für die Analyse in Quartile unterteilt wird. Die beiden Ebenen der Daten werden in einem hierarchischen Regressionsmodell zusammengebracht (Generalized Linear Mixed Model).

Ergebnisse: Unabhängig von individuellen Charakteristika haben Probanden, die in Vierteln mit hoher Arbeitslosigkeit wohnen, eine erhöhte Verkalkung der Herzkranzgefäße. Die Odds Ratio für die Gruppe mit der höchsten im Vergleich zur niedrigsten stadtteilbezogenen Arbeitslosigkeit beträgt im voll kontrollierten Modell 1.3 [95% Konfidenzintervall: 1,1-1,7]. Die Ergebnisse fallen ähnlich aus, wenn alternative Operationalisierungen des Outcomes (z.B. kontinuierlicher Score) und der Stadtteildaten (z.B. Wohnraum pro Einwohner) verwendet werden.

Fazit: Diese ist eine der ersten Studien, welche Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen sozialen Merkmalen der Wohnumgebung und Frühstadien der koronaren Herzkrankheit gibt.


Literatur

1.
Schmermund A, Möhlenkamp S, Berenbein S, Pump H, Moebus S, Roggenbuck U, Stang A, Seibel R, Grönemeyer D, Jöckel KH, Erbel R. Population-based assessment of subclinical coronary atherosclerosis using electron-beam computed tomography. Atherosclerosis. 2006;185:177-82.
2.
Stang A, Moebus S, Dragano N, Beck E, Möhlenkamp S, Schmermund A, Siegrist J, Erbel R, Jöckel K. Baseline recruitment and analyses of nonresponse of the Heinz Nixdorf Recall Study: Identifiability of phone numbers as the major determinant of response. Eur J Epidemiol. 2006;20:489-96.