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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Sozial benachteiligte Stadtviertel und die Gesundheit ihrer Bewohner: Prägt die soziale Umwelt gesundheitsschädigendes Verhalten?

Meeting Abstract

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  • Nico Dragano - Universitätsklinikum Düsseldorf, Düsseldorf

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds804

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds804.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Dragano.
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Gliederung

Text

Betrachtet man die Gesundheit städtischer Bevölkerungen, so zeigt sich, dass es oft deutliche Unterschiede zwischen Stadtvierteln oder Nachbarschaften gibt. Die geographische Ungleichheit folgt häufig einem sozialen Muster mit höheren Krankheits- und Sterblichkeitsraten in sozial benachteiligten Quartieren. Für diese Beobachtung, die mittlerweile in zahlreichen internationalen Studien gemacht wurde, gibt es eine einfache Erklärung, die sich an der Zusammensetzung der Bewohner fest macht. In sozial benachteiligten Vierteln wohnen mehr Angehörige unterer sozialer Schichten mit bekanntermaßen höheren Erkrankungsrisiken, was in der Summe zu einer höheren Krankheitsrate in diesen Vierteln führt (‚compositional effect’). Allerdings scheint dieser Effekt als alleinige Erklärung nicht auszureichen. Denn in Studien mit Individualdaten konnte wiederholt gezeigt werden, dass soziale Charakteristika der Nachbarschaft (z.B. Arbeitslosenquoten, Infrastrukturprobleme), in der die Studienpersonen wohnen, unabhängig vom individuellen sozialen Status mit der Gesundheit korrelieren. Dieser Kontext-Effekt wurde sowohl für die allgemeine Sterblichkeit als auch für verschiede-ne Erkrankungen, wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle, nachgewiesen.

Wie genau der soziale Status auf Nachbarschaftsebene die Gesundheit der einzelnen Bewohner prägt, wird zur Zeit erforscht. Angeboten werden Erklärungen wie Luftverschmutzung, Lärm, schlechte Qualität der Wohnungen, Kriminalität, Mängel in der medizinischen Versorgung, geringer sozialer Zusammenhalt oder fehlende Erholungsmöglichkeiten. In diesem Vortrag wird speziell der Frage nachgegangen, inwieweit auch gesundheitsschädigendes Verhalten durch die nähere soziale Umwelt beeinflusst wird. Denkbar ist beispielsweise, dass sich Verhaltensweisen wie das Rauchen eher in Umgebungen verfestigen, in denen dieses Verhalten häufig sichtbar ist. Eine andere Möglichkeit ist, dass die lokale Verfügbarkeit von Infrastruktureinrichtungen (Sportvereine etc.) Verhalten begünstigt oder erschwert. Neben der Vorstellung der internationalen Literatur zu diesem Thema werden auch aktuelle Daten aus Deutschland vorgestellt, die zeigen, dass soziale Charakteristika von Stadtvierteln unabhängig vom individuellen sozialen Status mit gesundheitsrelevantem Verhalten assoziiert sind.