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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Soziale Ungleichheit in der medizinischen Rehabilitation

Meeting Abstract

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  • Ruth Deck - Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, Lübeck

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds799

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds799.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Deck.
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Gliederung

Text

Hintergrund/Forschungsfragen: Der Erfolg medizinischer Rehabilitationsmaßnahmen wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Zusammenhänge mit der Sozialschicht werden vermutet, bislang liegen nur wenige Untersuchungen hierzu vor (Altenhöner, 2006). Anhand der Daten aus der „Qualitätsgemeinschaft medizinische Rehabilitation in Schleswig-Holstein“ (QGmR) wird untersucht, in welchem Maße die Inanspruchnahme einer Reha-Maßnahme und die Veränderungen der subjektiven Gesundheit vier Monate nach der Rehabilitation mit der Schichtzugehörigkeit der Patienten zusammenhängt.

Material/Methoden: 911 Patienten der QGmR aus 11 Reha-Kliniken (Heilverfahren) wurden in die Analyse aufgenommen (63% weiblich, Durchschnittsalter 53 Jahre). Standardisierte Befragungen erfolgten vor und vier Monate nach der Rehabilitation. Als Outcomeparameter wurde die subjektive Gesundheit multidimensional anhand etablierter Skalen erfasst. Anhand der Variablen Schulbildung, Berufsgruppe und Einkommen wurde ein dreistufiger Schichtindex gebildet: Unter-, Mittel- und Oberschicht (vgl. [1]).

Ergebnisse: Neun Prozent der Patienten unserer Stichprobe gehören der Unterschicht an, 71 Prozent der Mittelschicht und 20 Prozent der Oberschicht. In der Unterschicht sind etwas mehr männliche und ältere Patienten vertreten (Unterschiede statistisch nicht signifikant). Rehabilitanden der Unterschicht weisen zu Beginn der Rehabilitation in allen Parametern der Gesundheit signifikant schlechtere Ausprägungen der subjektiven Gesundheit auf (p<0.01 bzw. p<0.05). Gleichwohl ist es für diese Patienten signifikant häufiger die erste Reha-Maßnahme (p<.0.05), die sie in Anspruch nehmen. Vier Monate nach der Rehabilitation profitieren alle Patienten von der Rehabilitation. Hinsichtlich des Ausmaßes der Veränderungen in den einzelnen Effektparametern unterscheiden sich die Patienten jedoch nicht nach Schichtzugehörigkeit, d.h. auch nach der Rehabilitation zeichnen sich Unterschichtpatienten durch eine signifikant schlechtere gesundheitliche Lage aus (p<0.01 bzw. p<0.05).

Schlussfolgerungen/Diskussion: Nach vorliegenden Ergebnissen ist das Thema soziale Ungleichheit und Gesundheit auch für die medizinische Rehabilitation ein relevantes Thema. Patienten der Unterschicht erreichen und verlassen die Reha-Klinik mit größeren gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Diese Ergebnisse legen es nahe, das therapeutische Regime und die rehabilitative Nachsorge der Patienten stärker unter dem Blickwinkel der Sozialschichten zu untersuchen.


Literatur

1.
Deck, R., E. Röckelein: Zur Erhebung soziodemographischer und sozialmedizinischer Indikatoren in den rehabilitationswissenschaftlichen Forschungsverbünden. DRV-Schriften 16 (1999), S.81-102.
2.
Altenhöner, T.: Soziale Ungleichheit in der kardiologischen Rehabilitation. Lage, Jacobs-Verlag, 2006.