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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Management der Tuberkulose bei HIV Koinfektion

Meeting Abstract

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  • Stefan Blaas - Universität Regensburg, Regensburg
  • Hartmut Campe - Bayrisches Landesamt für Gesundheitsamt und Lebensmittelsicherheit, Oberschleissheim
  • Ludmila Naumann - Bayrisches Landesamt für Gesundheitsamt und Lebensmittelsicherheit, Oberschleissheim
  • Bernd Salzberger - Universität Regensburg, Regensburg

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds773

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds773.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Blaas et al.
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Gliederung

Text

Weltweit ist die Tuberkulose (TB) die häufigste opportunistische Erkrankung bei Patienten, die dem mit Humanen Immundefizienzvirus (HIV) infiziert sind. In einigen Ländern im südlichen Afrika sind bis zu 70% der Patienten mit Tuberkulose auch mit HIV infiziert. Besorgniserregend ist die Zunahme multi- und extensiv resistenter Stämme in Osteuropa bzw. im südlichen Afrika.

Die Behandlung einer HIV/TB Koinfektion wird erschert durch Interaktionen der antiretroviralen und antituberkulösen Medikamente, Nebenwirkungen der verschiedenen Substanzen, Adhärenzprobleme und paradoxe Reaktionen. Zu Interaktionen kommt es unter anderem durch die Beeinflussung des Cytochrom P 450 Systems, z.B. durch den Einsatz von Proteasehemmern und Rifamycinen (Rifampicin, Rifabutin). Die additive Toxizität der Einzelsubstanzen betrifft v.a. gastrointestinale, renale, hepatische, peripher oder zentral neurologische sowie allergische Nebenwirkungen. Da bei resistenter Tuberkulose, insbesondere bei Multi- und extensiver Resistenz, auf Zweitlinienmedikamente zurückgegriffen werden muss, ist in diesen Fällen mit einer erhöhten Nebenwirkungsrate zu rechnen. Neben den Nebenwirkungen beeinträchtigt auch die hohe Anzahl an Tabletten die Adhärenz, sodass nach Möglichkeit die Tabletteneinnahme unter Aufsicht erfolgen sollte (directly observed therapy, DOT).

Bei therapienaiven Patienten wird in der Regel zunächst mit der antituberkulösen Therapie begonnen. Der Zeitpunkt, wann nach dem Beginn der antituberkulösen Behandlung mit einer antiretroviralen Therapie begonnen werden sollte, wird kontrovers beurteilt: Einerseits erhöht ein früher Start der antiretroviralen Therapie das Risiko paradoxer Reaktionen wie z.B. das Auftreten eines Immunrekonstitutionssyndroms, andererseits kann ein verzögerter Beginn der antiretroviralen Therapie, insbesondere bei niedriger T-Helferzellzahl, zu einem Fortschreiten der HIV Infektion und zu einer erhöhten Letalität führen.

Zusammenfassung: Bei den therapeutischen Entscheidungen bei Patienten mit HIV / TB Koinfektion müssen u.a. Interaktionen, additive Toxizitäten und das Auftreten eines Immunrekonstitutionssyndroms in Betracht gezogen werden. Eine enge Kooperation von Infektiologen und Pneumologen ist notwendig.