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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Gastroenteritisausbruch durch Salmonella Enteritidis nach Weihnachtsfeier im Landkreis Fürth 2006 – retrospektive Kohortenstudie mit elektronischer Fragebogenzustellung

Meeting Abstract

  • Helen Bernard - Robert Koch-Institut (RKI), Postgraduiertenausbildung in angewandter Epidemiologie (PAE), entsandt an Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), Oberschleißheim, Oberschleißheim
  • Hans Stirnweiß - Gesundheitsamt Erlangen-Höchstadt, Erlangen
  • Helmut Mühlberg - Gesundheitsamt Fürth, Fürth
  • Richela Fischer - Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Oberschleißheim
  • Wolfgang Hautmann - Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Oberschleißheim
  • Annette Heißenhuber - Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Oberschleißheim
  • Maria-Sabine Ludwig - Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Oberschleißheim
  • Ursula Pudich - Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Erlangen
  • Wolfgang Rabsch - Robert Koch-Institut, Wernigerode
  • Manfred Wildner - Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Oberschleißheim

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds771

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds771.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Bernard et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Nach einer Firmenweihnachtsfeier in einem Fürther Restaurant wurde eine Häufung von Gastroenteritisfällen beobachtet. Bis zum 12.12.2006 waren 23 Erkrankte gemeldet worden, vier mit Nachweis von Salmonella Enteritidis im Stuhl. Die Gesundheitsämter Erlangen und Fürth sowie das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) untersuchten den Ausbruch, um Infektionsvehikel zu identifizieren und Rücklauf und Zeitverzögerung bei elektronischer Fragebogenzustellung zu testen.

Methoden: Wir führten eine retrospektive Kohortenstudie unter Weihnachtsfeiergästen und Restaurantbediensteten durch. Die Falldefinition beinhaltete den Erkrankungsbeginn zwischen 1.12. und 5.12. mit Durchfall, krampfartigen Bauchschmerzen, Erbrechen oder Fieber. Alle dem Arbeitgeber bekannten Teilnehmer der Feier erhielten per Email, Restaurantbedienstete per Post, einen Fragebogen zu verzehrten Lebensmitteln und Krankheitssymptomen. In bivariaten Analysen berechneten wir das relative Risiko für Art und Menge konsumierter Lebensmittel. Die Erregerisolierung in entnommenen Stuhlproben erfolgte in Privatlaboren und am LGL, die Feintypisierung mittels Lysotypie am Nationalen Referenzzentrum für Salmonellen und andere Enteritiserreger. Vom Gesundheitsamt sichergestellte Eier aus der Restaurantküche wurden am LGL bakteriologisch untersucht.

Ergebnisse: 16 der 224 kontaktierten Gäste gaben an, nicht an der Feier teilgenommen zu haben. 113/208 (54%) schickten einen auswertbaren Fragebogen zurück, davon 105 (93%) in elektronischer Form, 69 davon (66%) am ersten Tag. Alle vier Restaurantbediensteten füllten den Fragebogen aus. 27 Gäste und ein Restaurantbediensteter erfüllten die Falldefinition. Personen, die Tiramisu gegessen hatten, hatten ein 7,6-fach erhöhtes Erkrankungsrisiko (95% Konfidenzintervall 3,6-16,1). In 13 Stuhlproben wurde Salmonella Enteritidis isoliert. Alle typisierten Isolate (n=5, darunter die eines asymptomatischen und eines erkrankten Restaurantbediensteten) hatten den Lysotyp 4/6. Lebensmittelrückstellproben waren nicht vorhanden. Aus den Eiern gelang keine Erregerisolierung.

Diskussion: Trotz fehlenden Nachweises eines Infektionserregers in Lebensmittelproben identifizierten wir Tiramisu als wahrscheinliches Infektionsvehikel. Der identische Lysotyp aller feintypisierten Isolate könnte für eine gemeinsame Ausbruchsquelle bei Restaurantbediensteten und Gästen sprechen. Die elektronische Fragebogenzustellung bietet wegen des zeitnahen Rücklaufs mit hoher Beteiligung eine effiziente, kostengünstige Alternative zur konventionellen Fragebogenzustellung.