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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Abgereichertes Uran (DU): eine systematische Übersicht zu aktuellen epidemiologischen Studien bei DU-exponierten Populationen

Meeting Abstract

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  • Hajo Zeeb - Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Mainz
  • Eunice Sirri - Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Mainz

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds459

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds459.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Zeeb et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Abgereichertes Uran (depleted uranium – DU) entsteht während des Anreicherungsprozesses von natürlichem Uran und ist chemisch toxisch sowie leicht radioaktiv. Aufgrund seiner hohen Dichte erhöht es die Durchschlagskraft von Munitionen, es wurde daher in der jüngeren Vergangenheit in militärischen Konflikten eingesetzt. Mögliche gesundheitliche Folgen für Militärpersonal bzw. Zivilisten in Konfliktgebieten sind Gegenstand kontroverser Diskussion.

Methode: Wir führten eine systematische Literaturübersicht zu neuen epidemiologischen Studien zu DU durch. Ziel war die Identifikation von epidemiologischen und klinischen Querschnitts, Kohorten oder Fall-Kontrollstudien der Jahre 2000-2006, bei denen DU-exponierte Personen untersucht wurden. Die Suche wurde in Pubmed durchgeführt, Literaturangaben der aufgefundenen Veröffentlichungen wurden auf bisher nicht identifizierte Studien geprüft.

Ergebnisse: 72 Abstrakts (von 164 gefundenen Titeln) wurden reviewt und fünf primäre epidemiologische Studien identifiziert. Vier Kohortenstudien untersuchten die Krebsinzidenz oder -mortalität Militärpersonal (USA, GB, DK) bzw. schwedisches UN-Personal mit Expositionen im Golfkrieg oder auf dem Balkan. Die SIR für Krebs insgesamt war in keiner der Kohorten signifikant erhöht. Britische Golfkriegsteilnehmer hatten im Vergleich zu Nichtteilnehmern ein leicht erhöhtes Risiko für lymphatisch-hämatologische Tumoren (RR 1,6, 95%CI 0,8 -3,3). In der schwedischen und der dänischen Kohorte fanden sich leicht erhöhte Hodenkrebsrisiken. Selbstberichtete DU-Exposition war inkonsistent mit erhöhten Krebsrisiken bzw. Mortalität assoziiert. Keine der Studien konnte objektive Maße einer DU-Exposition nutzen.

Bei einer klinischen Kohorte von derzeit 32 DU-exponierten US-Soldaten werden in wiederholten Nachuntersuchungen auch nach 12 Jahren erhöhte Uranwerte im Urin gefunden, ohne dass klinische Effekte berichtet wurden. Einzelstudien weisen auf auffällige biologische Parameter bei exponierten Populationen auf dem Balkan hin.

Diskussion: Die vorliegende epidemiologische Evidenz hat eine Reihe von Limitationen. Die Exposition wird zumeist anhand von Ersatzparametern abgeschätzt. Zudem sind die Kohorten noch sehr jung. Hinweise auf DU-spezifische Gesundheitsfolgen sind allenfalls spärlich. Neben dem weiteren Follow-up der Kohorten sind für die Abschätzung von DU-Risiken Daten von Uranbergarbeitern bedeutsam. Epidemiologische Studien bei eventuell DU-exponierten Zivilbevölkerungen stehen vor erheblichen Herausforderungen.