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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Mortalität in einer russischen Migranten-Kohorte unter dem Aspekt des Umzugsintervalls

Meeting Abstract

  • Volker Winkler - Ruprecht-Karls-Universität, Heidelberg
  • Jördis Jennifer Ott - Ruprecht-Karls-Universität, Heidelberg
  • Judit Laki - Ruprecht-Karls-Universität, Heidelberg
  • Catherine Kyobutungi - Ruprecht-Karls-Universität, Heidelberg
  • Heiko Becher - Ruprecht-Karls-Universität, Heidelberg

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds457

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds457.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Winkler et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Migranten weisen oft ein deutlich von der Bevölkerung des Einreiselandes verschiedenes Mortalitätsprofil auf, besonders im Hinblick auf unnatürliche Todesursachen. Verschiedene Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen Umzügen und Suizidversuchen. Über Umzüge und Migration als Risikofaktor und im Besonderen über den zeitlichen Aspekt zwischen Umzug und Suizidversuch ist jedoch wenig bekannt.

Material und Methoden: Eine repräsentative Kohorte von 34.393 Aussiedlern aus der ehemaligen UdSSR in Nord-Rhein-Westfalen (NRW) wurde bis zum 31.12.2002 beobachtet und akkumulierte 251.377 Personenjahre (Follow-Up Vollständigkeit: 97,2%). Häufigkeit und Zeiträume zwischen Umzügen wurden über lokale Meldebehörden aufgezeichnet. Todesursachen wurden über das Statistische Landesamt in NRW bzw. über örtliche Gesundheitsämter erfasst und vom Krebsregister Saarland nach der Internationalen Klassifikation der Krankheiten codiert.

Die SMR für verschiedene von Todesursachen wurde im Vergleich zur Bevölkerung NRWs und Deutschlands berechnet. Für die Untersuchung des zeitlichen Aspekts wurden Mortalitätsraten verschiedener Todesursachen für die Zeit nach einem Umzug berechnet und grafisch verglichen. Außerdem wurde die durchschnittliche Zeit zwischen letztem Umzugsdatum und Todesdatum berechnet. Schließlich wurde ein lineares Regressionsmodell entwickelt um Zeitspanne zwischen Umzug und Todeszeitpunkt zu modellieren.

Ergebnisse: Verglichen mit der Deutschen Bevölkerung haben die Aussiedler eine signifikant niedrigere Mortalität (SMR: 0,87 CI 95%: 0,83 - 0,91). Für Suizide beträgt die SMR der Männer 1,42 (CI 95%: 1,01 – 2,0). Der grafische Vergleich der Mortalitätsraten zeigt, dass Migranten kurz nach Umzug ein signifikant erhöhtes Suizidrisiko aufweisen. Die mittlere Zeitspanne zwischen Umzug und Tod ist bei Suiziden signifikant kürzer als bei anderen Todesursachen (altersadjustiert). Die Zeit zwischen Umzug und Suizid ist 2,5-mal kürzer, als die zwischen Umzug und einer anderen Todesursache und wird durch häufigere Umzüge weiter verkürzt.

Diskussion: Die Ergebnisse sind vergleichbar zu denen aus Studien anderer Bevölkerungsgruppen, nach denen unnatürliche Todesursachen vermehrt kurz nach einem Umzug stattfinden. Zurzeit wird eine Verlängerung des Follow-Up Zeitraums bis zum 31.12.2005 durchgeführt um die Ergebnisse weiter zu präziseren.


Literatur

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