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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Nutzen und Kosteneffektivität der Nikotinersatztherapie zur Raucherentwöhnung – eine entscheidungsanalytische Modellierung der direkten medizinischen Kosten

Meeting Abstract

  • Jürgen Wasem - Universität Duisburg-Essen, Fachbereich WiWi, Essen
  • Miriam Jung - BKK-Bundesverband, Essen
  • Uwe May - Bundesverband der Arzneimittelhersteller, Bonn
  • Tobias Ochotta - Rheinische Fachhochschule, Köln
  • Franz Hessel - Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Berlin
  • Christoph Wegner - AWO Gesundheitsdienste gGMbH, Hannover
  • Andreas gutsch - AOK Berlin, Berlin
  • Anja Neumann - Universität Duisburg-Essen, Essen

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds442

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds442.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Wasem et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Rauchen stellt in Deutschland das bedeutendste vermeidbare Gesund-heitsrisiko dar. Die Tabak-attributablen Auswirkungen auf Mortalität und Morbidität der Bevölkerung ziehen erhebliche Gesundheitsausgaben, darüber hinaus volkswirtschaftliche Kosten sowie intangible Effekte im Sinne von Schmerz und Leid nach sich. Vor diesem Hintergrund wird vorliegend die Kosteneffektivität der medikamentösen Unterstützung des Tabakentzugs mittels der Nikotinersatztherapie (NET) untersucht.

Methode: Im Rahmen eines entscheidungsanalytischen Modells werden epidemiologische Daten, Krankheitskostenanalysen zu den Folgen des Rauchens sowie Daten zur Effektivität der NET verknüpft.

Ergebnisse: Bezogen auf die, der Modellrechnung zugrundeliegende Population von 5 Mio. Menschen, die sich einer NET im Vergleich zu Raucherentwöhnung ohne NET unterziehen, können durch den Einsatz der NET bei einer Restlebenszeit-Betrachtung (diskontiert) 0,525 Mio. Lebensjahre (LYG) respektive (diskontiert) 0,678 Mio. QALYs gewonnen werden (undiskontiert: 1,449 Mio. LYG bzw. 1,884 Mio. QALYs). Gleichzeitig werden in der Restlebenszeit-Betrachtung bei diesen 5 Mio. Menschen insgesamt (diskontiert) 5.870 Mio. € direkte medizinische Kosten gegenüber einer Raucherentwöhnung ohne NET eingespart (undiskontiert: 19.002 Mio. €). Exemplarisch gewinnt ein 35-jähriger Mann (eine 50-jährige Frau) bei Entwöhnungsversuch mit NET gegenüber Entwöhnung ohne NET (diskontiert) 0,10 LYG (0,07 LYG), bei verringerten direkten medizinischen Kosten von 1.090 € (1.112 €). Die NET erweist sich somit als „dominante“ Strategie im Vergleich zur Raucherentwöhnung ohne NET und stellt eine kosteneffektive Verwendung von Gesundheitsressourcen zur Gewinnung von Lebensjahren und -qualität dar. Mit einem erfolgreichen Rauchstopversuch mit NET werden im Vergleich zum Verzicht auf einen Rauchstopversuch über alle Altersgruppen undiskontiert 2,9 Lebensjahre je Person gewonnen (mit 3 % Diskontierung: 1,1 Lebensjahre) und zugleich Kosten im Restlebenszyklus von undiskontiert 11.150 Euro (mit 3 % Diskontierung: 4.567 Euro) eingespart.

Diskussion/Schlussfolgerungen: Sowohl aus medizinischer als auch gesundheitsökonomischer Sicht kommt dem Tabakentzug im Rahmen der öffentlichen Gesundheitsförderung eine herausragende Priorität zu. Die vorliegenden Untersuchungsergebnisse sprechen dafür, bei der Verfolgung entsprechender Ziele künftig der Nikotinersatztherapie in Deutschland einen erhöhten Stellenwert beizumessen.


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