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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Exposition durch Verkehr sowie Feinstaub und Indikatoren der sozialen Lage – Ergebnisse der Heinz Nixdorf Recall-Studie

Meeting Abstract

  • Anja Viehmann - Institut für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie, Medizinische Fakultät, Universität Duisburg-Essen, Essen
  • Barbara Hoffmann - Institut für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie, Medizinische Fakultät, Universität Duisburg-Essen, Essen
  • Nico Dragano - Institut für Medizinische Soziologie, Universität Düsseldorf, Düsseldorf
  • Susanne Moebus - Institut für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie, Medizinische Fakultät, Universität Duisburg-Essen, Essen
  • Andreas Stang - Institut für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik, Medizinische Fakultät, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Halle (Saale)
  • Stefan Möhlenkamp - Westdeutsches Herzzentrum Essen, Universitätsklinikum Essen, Essen
  • Raimund Erbel - Westdeutsches Herzzentrum Essen, Universitätsklinikum Essen, Essen
  • Johannes Siegrist - Institut für Medizinische Soziologie, Universität Düsseldorf, Düsseldorf
  • Karl-Heinz Jöckel - Institut für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie, Medizinische Fakultät, Universität Duisburg-Essen, Essen

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds431

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds431.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Viehmann et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Epidemiologische Untersuchungen haben gezeigt, dass eine hohe Verkehrsexposition und Feinstaubkonzentration (PM2.5) an der Wohnadresse mit einer erhöhten kardiovaskulären Morbidität und Mortalität assoziiert sind, wobei unklar ist, inwieweit dieser Effekt durch den sozioökonomischen Status (SES), selbst ein wichtiger kardiovaskulärer Risikofaktor, konfundiert wird [1], [2], [3], [4].

Material und Methoden: Verwendet wurden Daten der 4814 Teilnehmer (Alter 45-74) der Basiserhebung (2000-2003) der Heinz Nixdorf Recall-Studie, einer populationsbasierten, prospektiven Kohortenstudie im Ruhrgebiet.

Die Distanzen der Wohnadressen zu Bundesstraßen und Autobahnen wurden berechnet und kategorisiert (0-100 m, 101-200 m, >200 m). Die Hintergrundbelastung mit PM2.5 (Jahres­mittelwert für 2002) wurde mit Hilfe eines Ausbreitungsmodells (EURAD) ermittelt [5] und nach Quartilen kategorisiert. Die Erfassung des SES erfolgte über die Indikatoren monatliches Äquivalenzeinkommen, formaler Schulbildungs­abschluss, Berufsausbildung und Stellung im Beruf. Untersucht wurden die geschlechtsspezifischen bivariaten Beziehungen zwischen den verschiedenen Indikatoren des SES und der Verkehrs- sowie Feinstaub­exposition. Berücksichtigt wurden nur Probanden ohne manifeste KHK.

Ergebnisse: Alle Indikatoren des SES waren assoziiert mit Straßennähe und PM2.5-Hintergrundbelastung. Bei den Männern fanden sich die deutlichsten Assoziationen sowohl für Straßennähe als auch für PM2.5 mit dem Schulabschluss und der Berufsausbildung. Straßennah (< 100 m) haben 64,3% (95% KI 56.8-71.8%) einen niedrigen Schulabschluss (keinen Abschluss oder Volks-/Hauptschulabschluss), straßenfern (> 200 m) nur 55.3% (95% KI 53.0-57.6%). Bei Frauen lagen lediglich Assoziationen zwischen der Beraufs­ausbildung und der Straßennähe und zwischen der Schul- und Berufsausbildung und der PM2.5-Hintergrundbelastung vor. Bei den jüngeren Probanden (<60) sind alle Indikatoren (bis auf berufliche Stellung) assoziiert mit Straßennähe, bei den älteren (>60) hingegen keiner. In beiden Alterskategorien liegen Assoziationen aller Indikatoren mit Ausnahme der beruflichen Stellung und der PM2.5-Hintergrundbelastung vor.

Diskussion: In unserem Studienkollektiv zeigten sich insbesondere bei Männern und bei den jüngeren Probanden Assoziationen zwischen dem individuellen SES und der Verkehrsbelastung, mit den deutlichsten Assoziationen bei der Schul- und Berufsausbildung.


Literatur

1.
Pope CA III. Epidemiology of fine particulate air pollution and human health: biologic mechanisms and who's at risk? Environ Health Perspect 2000; 108 Suppl. 4: 713–723.
2.
Brunekreef B and Holgate ST. Air pollution and health. Lancet 2002; 360:1233–1242.
3.
Pope CA III, Burnett RT, Thurston GD, Thun MJ, Calle EE, Krewski D, Godleski JJ. Cardiovascular mortality and long-term exposure to particulate air pollution: epidemiological evidence of general pathophysiological pathways of disease. Circulation 2004; 109:71–77.
4.
Hoffmann B, Moebus S, Stang A, Beck EM, Dragano N, Mohlenkamp S, Schmermund A, Memmesheimer M, Mann K, Erbel R, Jockel KH; Heinz Nixdorf RECALL Study Investigative Group. Residence close to high traffic and prevalence of coronary heart disease. Eur Heart J. 2006; Nov;27(22):2696-702. Epub 2006 Sep 26.
5.
Memmesheimer M, Friese E, Ebel A, Jakobs HJ, Feldmann H, Kessler C, Piekorz G. Long-term simulations of particulate matter in Europe on different scales using sequential nesting of a regional model. International Journal of Environment and Pollution 2004;22(1-2):108-132.