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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Welchen Einblick in das Versorgungsgeschehen geben GKV-Routinedaten der ambulanten Versorgung? Das Beispiel Patienten mit Bandscheibenproblemen

Meeting Abstract

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  • Enno Swart - Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Magdeburg

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds416

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds416.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Swart.
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Gliederung

Text

Routinedaten der GKV werden zunehmend als wertvolle Datenquelle für die Versorgungsforschung erkannt. Während für den Bereich der Arzneimittel- und stationären Versorgung sowie für das Arbeitsunfähigkeitsgeschehen zahlreiche versichertenbezogene Studien vorliegen, konnte der ambulante Versorgungssektor bislang nicht in gleichem Maße abgebildet werden. Nach Änderung des § 295 V SGB V liegen erst seit 2004 kontaktbezogene Daten aus Vertragsarztpraxen vor. Die Nutzungsmöglichkeiten dieser umfangreichen Datenquelle sollen am Beispiel von Patienten mit Bandscheibenproblemen skizziert werden.

Die vorliegende Untersuchung ist Teil der regelmäßigen Krankenhausfallanalyse für die AOK Sachsen-Anhalt (2005: 822.000 Versicherte im Jahresdurchschnitt). Die 1.441 (2004) bzw. 1.397 Versicherten (2005) mit mindestens einem stationären Aufenthalt mit Hauptdiag-nose Bandscheibenbeschwerden (M50/M51 der ICD 10) wurden bezüglich ihrer ambulanten Kontakte im Jahr des stationären Aufenthaltes untersucht. Insgesamt wurden 2004 und 2005 jeweils knapp 55.000 ambulante Kontakte bei diesen Versicherten dokumentiert.

Bei jedem der Bandscheibenpatienten wurden in beiden Jahren durchschnittlich 39 ambulante Kontakte gezählt, zur Hälfte bei praktischen und Allgemeinärzten. Ein Viertel aller Kontakte betraf die Besuche von Orthopäden, (Neuro-)chirurgen und Nervenärzten. Die Zahl der Kontakte steigt leicht mit dem Alter. Bis zum Alter von 50 Jahre weisen Frauen eine deutlich höhere Kontaktintensität als Männer auf. In knapp 30% der Kontakte sind Bandscheibenbeschwerden dokumentiert, bei mehr als 50% der Kontakte Krankheiten der Wirbelsäule und des Rückens (M40 bis M54 ICD 10).

Die GKV-Routinedaten aus dem ambulanten Sektor erlauben differenzierte Einblicke in das Versorgungsgeschehen. Zunächst bedarf diese Datenquelle aber noch einer intensiven Untersuchung ihrer Validität. So erfolgt anders als im stationären Bereich keine Differenzierung nach Haupt- und Nebendiagnosen. Eine Identifizierung spezifischer Kontakte mit einem Tracer kann daher nur mit Zusatzinformationen erfolgen, z.B. über die ebenfalls dokumentierten Ge-bührenordnungsziffern oder durch Verknüpfung mit Verordnungsdaten von Medikamenten oder Heil- und Hilfsmitteln. Gleichwohl eröffnen sich mit dieser Datenquelle neue Möglichkeiten längsschnittlicher Versorgungsanalysen.


Literatur

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