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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Der Anstieg der Sepsis im Krankenhaus – Dokumentationsartefakt oder zunehmendes Qualitätsproblem?

Meeting Abstract

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  • Enno Swart - Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Magdeburg
  • Bernt-Peter Robra - Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Magdeburg

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds415

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds415.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Swart et al.
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Gliederung

Text

Fälle mit Sepsis sind Indikator für die Qualität der stationären Versorgung. Besondere Bedeutung erhält die Problematik durch die Zunahme multiresistenter Krankheitserreger. Wir untersuchten die Häufigkeit abgerechneter Fälle mit Sepsis in den Krankenhäusern Sachsen-Anhalts.

Die Analyse basiert auf allen stationär behandelten und nach § 301 SGB V dokumentierten Krankenhausfällen der AOK Sachsen-Anhalt aus den Jahren 2003 bis 2005. Betrachtet wer-den Fälle mit Haupt- oder Nebendiagnose Streptokokkensepsis (ICD 10: A40) oder sonstige Sepsis (ICD 10: A40). Die Auswertung ist Teil der regelmäßigen Krankenhausfallanalyse für die AOK Sachsen-Anhalt. 2005 umfasste sie knapp 270.000 vollstationäre Behandlungsfälle bei rund 822.000 Versicherten.

Im Jahr 2005 wurde bei rund 1 % aller Fälle eine Sepsis als Haupt- oder Nebendiagnose dokumentiert (n = 2.541); bei Fällen mit Operation etwas häufiger (1,2 %). Bezogen auf 10.000 Versichertenjahre hat die Zahl der Fälle im dreijährigen Berichtszeitraum um mehr als 50 % zugenommen. Der altersstandardisierte Anstieg ist nur etwas geringer. Die Zunahme ist durchgängig in allen Altersklassen und bei den meisten Indikationen zu beobachten. Die Streuung zwischen den Krankenhäusern ist erheblich, der Maximalwert liegt bei 2,4 % aller Behandlungsfälle. Setzt man die nahe am Durchschnitt liegende Sepsis-Häufigkeit der beiden Universitätsklinika als Erwartungswert voraus, können 314 oder 14,5 % der Fälle als vermeidbar angesehen werden.

Sepsis ist nicht meldepflichtig, doch sind die Leiter von Krankenhäusern nach § 23 IfSG verpflichtet, nosokomiale Infektionen fortlaufend in einer gesonderten Niederschrift aufzu-zeichnen und zu bewerten. Die Auswertung von Abrechnungsdaten ergänzt die Infektions-Surveillance. Der steigende Trend der dokumentierten Sepsisdiagnosen könnte ein Dokumentationsartefakt im Zusammenhang mit der DRG-Einführung sein. Seit 2006 kann in der Leis-tungsabrechnung eine Komplexbehandlung gegen multiresistente Krankheitserreger doku-mentiert werden. Nicht jede Sepsis wird im Krankenhaus erworben oder ist vermeidbar. Doch eine ungeprüfte „aufwandsgerechte“ Vergütung der Sepsis honoriert die Krankenhäuser für ein wenigstens zum Teil vermeidbares Qualitätsdefizit.


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