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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Der Beitrag der Bildungsexpansion zur steigenden Lebenserwartung in Deutschland

Meeting Abstract

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  • Alexander Schulze - Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Mainz

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds371

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds371.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Schulze.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Da Bildung in modernen Gesellschaften zu den wichtigsten sozialen Determinanten von Morbidität und Mortalität gehört, stellt sich die Frage, inwieweit die allgemeine Höherqualifizierung der Bevölkerung im Zuge der Bildungsexpansion seit dem Ende der 1960er Jahre zu den gewonnenen Lebensjahren beigetragen hat.

Methoden: Um diese Frage zu beantworten, werden längsschnittliche Mortalitätsanalysen von zwei Geburtskohorten berechnet, zwischen denen eine starke Expansion des Bildungssystems in Deutschland stattfand. Die Datengrundlage der Analysen ist das Sozio-ökonomische Panel (SOEP) der Jahre 1984 bis 2004. Da die meisten Menschen ihre formale Ausbildung im Alter von 25 beendet haben, beziehen sich die dargestellten Ergebnisse ausschließlich auf die Restlebenserwartung ab dem 25. Lebensjahr. Außerdem beziehen sich die Analysen nur auf die weibliche Bevölkerung, da die Sterblichkeit der Männer durch eine negative Kriegsselektion eingeschränkt ist.

Ergebnisse: Vergleicht man die Geburtsjahrgänge 1925 und 1955, so können immerhin zwei Drittel der gewonnenen Lebenserwartung mit der Bildungsexpansion in Zusammenhang gebracht werden. Bei dieser Analyse kann davon ausgegangen werden, dass sich der Bildungseinfluss auf die Lebenserwartung zwischen diesen Kohorten nicht nennenswert verändert hat. Der Bildungseinfluss umfasst dabei alle direkten und indirekten Effekte die mit der Höherqualifizierung in Verbindung stehen, also z.B. nicht nur gesündere Verhaltensweisen, sondern auch beispielsweise verbesserte Einkommenserzielungsmöglichkeiten, durchgängige Erwerbsverläufe und geringere gesundheitliche Belastungen im Beruf.

Diskussion: Ziel der Reform des Bildungswesens, die in der Bundesrepublik vor allem in den 1960er und 1970er Jahren stattfand, war es, die Bildungsnachteile von Kindern aus unteren Sozialschichten zu verringern und die für ein weiteres Wirtschaftswachstum notwendigen Qualifikationspotenziale zu erschließen. Als Nebenwirkung der allgemeinen Höherqualifizierung hat das erhöhte Bildungsniveau auch zum Anstieg der Lebenserwartung beigetragen. Deshalb sind auch generelle Bildungsinvestitionen als substanzielle Gesundheitsinvestitionen anzusehen.


Literatur

1.
Klein T, Unger R, Schulze A. Bildungsexpansion und Lebenserwartung. In: Hadjar A, Becker R, Hrsg. Die Bildungsexpansion. Erwartete und unerwartete Folgen. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften; 2006. S. 311-31.