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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Ein „Assessment“ der Integration genom-basierten Wissens in Public Health

Meeting Abstract

  • Nicole Rosenkötter - Landesinstitut für den Öffentlichen Gesundheitsdienst NRW (lögd), Bielefeld
  • Angela Brand - Deutsches Zentrum für Public Health Genomics (DZPHG), Bielefeld
  • Peter Schröder - Landesinstitut für den Öffentlichen Gesundheitsdienst NRW (lögd), Bielefeld
  • Tobias Schulte in den Bäumen - Deutsches Zentrum für Public Health Genomics (DZPHG), Bielefeld
  • Helmut Brand - Landesinstitut für den Öffentlichen Gesundheitsdienst NRW (lögd), Bielefeld

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds333

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds333.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Rosenkötter et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Im international gültigen Rahmenkonzept von Public Health Genomics wird Public Health Genomics (PHG) als translationalem Forschungsbereich die Übermittlerrolle zwischen den „Spezial- und Einzelwissenschaften“ sowie dem Ziel der „Verbesserung der Gesundheit in der Bevölkerung“ übertragen [1]. Seit Anfang 2006 fördert die Europäische Kommission das Projekt „Public Health Genomics European Network“ (PHGEN), in dem während einer Assessment-Phase die Aufgaben und Handlungsfelder von PHG identifiziert, mit denen von Public Health abgeglichen und den Kernaktivitäten des PHG-Rahmenkonzepts zugeordnet wurden.

Material und Methoden: Auswertung der Literatur zu Public Health und PHG sowie ein Peer-Review Prozess im Rahmen der PHGEN-Arbeitsgruppe „Issues and Priorities of PHG“.

Ergebnisse: Es zeigt sich, dass nahezu alle Public Health Aufgaben und Handlungsfelder auf PHG übertragbar sind. Aufgaben wie z.B. Health Technology Assessment wird durch die Erweiterung der Gesundheitsdeterminanten um genomische Faktoren einerseits eine stärkere Bedeutsamkeit zuteil, andererseits muss sie sich neuen Herausforderungen wie etwa dem Umgang mit pleiotropen Effekten stellen [2]. Die Epidemiologie ist aufgefordert, Methoden im Bereich von Populationsstudien, die über die genetische Epidemiologie hinausgehen, den neuen Fragestellungen anzupassen [3], [4]. Der Umgang mit existierenden Datenbanken (Registern) sowie die Rahmenbedingungen von Biobanken sind unter Einbeziehung juristischer und ethischer Fragestellungen (ELSI) zu bearbeiten [5], [6]. Die Gebiete Gesundheitsförderung und Prävention werden um die Möglichkeit der Risikostratifizierung erweitert [7]. Im Bereich Health Literacy sind durch die Einbeziehung der genetischen Determinanten neue Konzepte und Kommunikationswege für die Allgemeinbevölkerung sowie für die Beschäftigten im gesamten Gesundheitssystem zu entwickeln und zu implementieren [8].

Schlussfolgerung: Die Berücksichtigung genom-basierter Gesundheitsinformationen als eine der Gesundheitsdeterminanten ermöglicht neue Perspektiven für klassische Public Health Aufgabenbereiche. Der Bedarf einer systematischen Beurteilung, im Vorfeld der Integration genom-basierten Wissens in die Gesundheitsdienstleistungen, führt zu einer Stärkung der Assessment Instrumente und sorgt für einen Auftrieb der multidisziplinären Diskussion und Zusammenarbeit bei der Zielsetzung, die Gesundheit von Populationen und somit letztlich auch von Individuen zu verbessern.


Literatur

1.
Burke W, Khoury MJ, Stewart A, Zimmern R. The path from genome-based research to population health: Development of an international public health genomic network. Genetics in Medicine 2006; 8(7):451-458
2.
Blancquaert I. Managing partnerships and impact on decision-making: the example of health technology assessment in genetics. Community Genetics 2006; 9:27-33
3.
Smith GD, Ebrahim S, Lewis S, Hansell AL, Palmer LJ, Burton PR. Genetic Epidemiology and public health: hope, hype, and future prospects. Lancet 2005; 366:1484–98
4.
Bammann K, Wawro N. Die Einbeziehung genetischer Faktoren in Studien der Epidemiologie. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 2006; 49:974-981
5.
Schulte in den Bäumen T. Governance in genomics: a conceptual challenge for public health genomics law. Italian Journal of Public Health 2006; 3 (3-4): 46-52
6.
Schröder, P. Der Status Genom-basierter Informationen. Public Health Genomics und die These des genetischen Exzeptionalismus.“ Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 2006; 49:1219-1224.
7.
Khoury MJ, Mensah AG. Genomics and the prevention of common chronic diseases: Emerging priorities for public health action. Preventing Chronic Disease 2005; 2(2):A05. Epub 2005 Mar 15
8.
Freimuth V. Educating the public. In: Implications of genomics for public health: Workshop summary. Institute of Medicine 2005. The National Academis Press, Washington DC, 37-40