gms | German Medical Science

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Werden Elternangaben zur Allergie-Anamnese durch allergische Erkrankungen der eigenen Kinder beeinflusst?

Meeting Abstract

Suche in Medline nach

  • Hermann Pohlabeln - Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin, Bremen

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds310

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds310.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Pohlabeln.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielf&aauml;ltigt, verbreitet und &oauml;ffentlich zug&aauml;nglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Einleitung / Hintergrund: Die Entstehung allergischer Erkrankungen bei Kindern wird zu einem großen Teil durch allergische Erkrankungen der Eltern beeinflusst. Die adäquate Erfassung einer solchen Vererbbarkeit spielt daher in epidemiologischen Studien eine zentrale Rolle. Anhand der Daten einer Längsschnittuntersuchung sollte nun überprüft werden, wie gut die im Abstand von sechs Jahren erhobenen Angaben von Müttern zu Allergien in der Familie übereinstimmen.

Material und Methoden: Im Rahmen einer Längsschnittstudie wurden in den Jahren 1999 und 2000 auf den geburtshilflichen Abteilungen von insgesamt fünf Krankenhäusern in Delmenhorst, Wilhelmshaven und Leer 3132 Mütter deutscher Nationalität zu allergischen Erkrankungen innerhalb der Familie befragt. Sechs Jahre später konnten im Rahmen von Schuleingangsuntersuchungen inzwischen ca. 1300 dieser Mütter ein weiteres Mal mit identischem Erhebungsinstrument befragt werden. Die Beurteilung der Übereinstimmung der Antworten bei den beiden Surveys wurde mittels einfacher Vierfeldertafeln durchgeführt und darüber hinaus mit Hilfe multipler Regressionsmodelle analysiert, welchen Einfluss eine allergische Erkrankung des einzuschulenden Kindes auf die Antworten im zweiten Survey hatte.

Ergebnisse: Circa 90% der Mütter, die zur Geburt ihres Kindes keine allergische Erkrankung berichteten, verneinten auch ca. 6 Jahre später entsprechende Fragen. Mütter, die zur Geburt des Kindes angaben an Heuschnupfen, Neurodermitis oder Asthma bronchiale zu leiden, bestätigten diese Angabe zu 78% auch im zweiten Survey. Auffallend bei diesen Ergebnissen war die Tatsache, dass insbesondere Mütter, deren Neugeborenes im Laufe der ersten 6 Lebensjahre eine allergische Erkrankung entwickelte, im zweiten Survey signifikant häufiger angaben, dass auch sie (OR=1.78, 95%-KI: 1.15-2.75) oder der Vater des Kindes (OR=2.12, 95%-KI: 1.23-3.66) erkrankt seien.

Schlussfolgerung: Offensichtlich beeinflusst die Entstehung einer allergischen Erkrankung des Kindes das Antwortverhalten der Mutter mit Blick auf die eigene familiäre Allergie-Anamnese, was insbesondere bei retrospektiv erhobenen Daten zu einer Überschätzung der Risikoschätzer für familiäre Vorbelastung führen kann [1].


Literatur

1.
Kulig M, Bergmann R, Edenharter G, Wahn U. Does allergy in parents depend on allergy in their children? Recall bias in parental questioning of atopic diseases. Multicenter Allergy Study Group (MAS). J Allergy Clin Immunol. 2000;105:274-8.