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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Metaanalyse zur Wirksamkeit kardialer Rehabilitation: ein Vergleich deutscher und internationaler Studien

Meeting Abstract

  • Oskar Mittag - Institut für Sozialmedizin, Lübeck
  • Susanne Schramm - Institut für Sozialmedizin, Lübeck
  • Angelika Hüppe - Institut für Sozialmedizin, Lübeck
  • Thorsten Meyer - Institut für Sozialmedizin, Lübeck
  • Heiner Raspe - Institut für Sozialmedizin, Lübeck

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds271

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds271.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Mittag et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund/Forschungsfragen: Im Gegensatz zur internationalen Praxis wird kardiale Rehabilitation (Phase II) in Deutschland nicht ambulant und über längere Zeiträume sondern überwiegend stationär im zeitlichen Rahmen von regelhaft drei Wochen durchgeführt. Zu dieser Versorgungsform liegen ausschließlich Studien mit Eingruppen-Prä-Post-Design vor. An unserem Institut wurde am Beispiel der Rehabilitation bei Rückenschmerzen eine Methodik entwickelt, um diese Evidenz mit der aus internationalen RCTs zu vergleichen [1]. Hier sollen nun Ergebnisse einer systematischen Übersicht mit integrierter Metaanalyse zur Wirksamkeit der Rehabilitation bei kardiologischen Patienten berichtet werden.

Material/Methoden: Die Suche nach nationaler Evidenz erfolgte auf mehreren Wegen (elektronische Datenbanken, Handsuche, postalische Befragung von Forschergruppen und Rehaeinrichtungen). Zur Identifizierung der internationalen Vergleichsbasis wurden die Primärstudien aus aktuellen Metaanalysen herangezogen. Insgesamt wurden 128 nationale und 40 internationale Studien identifiziert. Daten zu den folgenden Endpunkten wurden extrahiert: Mortalität, Morbidität, Lipidwerte, Blutdruck, Raucherstatus, Depressivität, Ängstlichkeit, HRQoL und berufliche Wiedereingliederung über bis zu sieben Messzeitpunkte, die zu vier Nachbeobachtungszeiträumen verdichtet wurden (prä-post; kurz-, mittel- und langfristig). Für die Outcomeparameter wurden anschließend Intragruppen-Effektstärken berechnet.

Ergebnisse: Hier sollen exemplarisch die mittelfristigen (= 12 Monate) Ergebnisse für Gesamtcholesterin und die kardiale Mortalität dargestellt werden. Die Effektstärken für Gesamtcholesterin betragen in den nationalen Studien ES = 0.29 (95%-CI: 0.14; 0.44), in den internationalen Interventionsgruppen ES = 0.57 (0.09; 1.05) und in den Kontrollgruppen ES = 0.19 (-0.19; 0.57). Die Mortalitätsraten betragen 0.9 %, 4.3 % und 3.3 %; hierbei ist zu beachten, dass das Durchschnittsalter in den nationalen Studien niedriger ist und die Studien bis zu 10 Jahre jünger sind.

Schlussfolgerungen/Diskussion: Die bislang vorliegenden Ergebnisse weisen auf maximal im Mittelfeld zwischen den internationalen Interventions- und Kontrollgruppen liegende Effekte der kardialen Rehabilitation in Deutschland hin. Vor einer endgültigen Interpretation muss der Einfluss von Moderatorvariablen (z. B. Studienalter, Interventionsdauer- bzw. -dosis) genauer analysiert werden.


Literatur

1.
Hüppe A, Raspe H (2003). Die Wirksamkeit stationärer medizinischer Rehabilitation in Deutschland bei chronischen Rückenschmerzen: eine systematische Literaturübersicht 1980-2001. Die Rehabilitation, 42, 143-154