gms | German Medical Science

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Evaluation von Prozess und kurzfristigen Auswirkungen des suchtpräventiven Mitmachparcours KlarSicht der BZgA: kombinierter quantitativer und qualitativer Ansatz

Meeting Abstract

  • Julika Loss - Institut für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften, Bayreuth
  • Carmen Hurrle - Institut für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften, Bayreuth
  • Gerald Tomenendal - Institut für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften, Bayreuth
  • Volker Stander - Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln
  • Christine Eichhorn - Institut für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften, Bayreuth
  • Jürgen Töppich - Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln
  • Eckhard Nagel - Institut für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften, Bayreuth

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds245

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds245.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Loss et al.
Dieser Artikel ist ein Open Access-Artikel und steht unter den Creative Commons Lizenzbedingungen (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/deed.de). Er darf vervielf&aauml;ltigt, verbreitet und &oauml;ffentlich zug&aauml;nglich gemacht werden, vorausgesetzt dass Autor und Quelle genannt werden.


Gliederung

Text

Einleitung: Die Ergebnisse zur Wirksamkeit von schulbasierten Maßnahmen zur Alkohol- und Tabakprävention für Jugendliche sind uneinheitlich. Prozessevaluationen können helfen zu klären, warum Programmelemente effektiv bzw. ineffektiv sind, werden aber für derartige Programme selten durchgeführt. Das Ziel dieser Studie war die Entwicklung und Durchführung einer umfassenden Prozessevaluation einer kurzzeitigen schulischen Intervention, dem Mitmach-Parcours KlarSicht zu Tabak und Alkohol der Bundeszentrale für gesundheitlichen Aufklärung (BZgA). Der moderierte Parcours richtet sich an 13-16-Jährige und zielt darauf ab, ein kritisches Bewusstsein gegenüber Zigarettenrauchen und Alkoholkonsum zu erzeugen sowie für protektive Faktoren zu sensibilisieren.

Methoden: Für die Prozessevaluation wurde ein Katalog von Bewertungsdimensionen und Indikatoren zur Programmintegrität (Umsetzung, Ressourcen) und Zielgruppenerreichung (Reichweite, Akzeptanz) entwickelt. Bei einem Piloteinsatz in vier Schulen erfolgte auf der Grundlage standardisierter Fragebögen eine Datenerhebung bei den teilnehmenden Schülern (n=700, 50% männlich, 14,9±0,9 Jahre, 36,7% Raucher), Lehrern (n=47), regionalen Vertretern der Jugend- und Sozialarbeit (n=24). Zum anderen wurden Leitfadeninterviews mit 28 Schülern durchgeführt (15,1±0,9 Jahre, 57% männlich, 38% Raucher).

Ergebnisse: Die Inhalte des Mitmach-Parcours erwiesen sich als verständlich, interessant und relevant für die Schüler. Die interaktiven Vermittlungsmethoden unterstützten die Botschaften und verstärkten das aktive Engagement der Jugendlichen. 79,7% der Nichtraucher fühlten sich im Nichtrauchen bestärkt, 41,6% der Raucher wollten den eigenen Zigarettenkonsum reduzieren. Die Schüler fühlten sich zuversichtlicher, mit Problemen umzugehen, die im Zusammenhang mit Tabak- und Alkoholmissbrauch auftreten können. Die qualitative Datenerhebung bestätigte die quantitiven Daten weitestgehend, konnte sie zusätzlich bereichern um: (1) die Möglichkeit, ungestützte Erinnerung von Parcours-Elementen abzufragen als Indikator für Eindrücklichkeit, (2) die Unterstützung der Dateninterpretation, (3) Verstärkung der Validität durch Klärung widersprüchlicher quantitativer Angaben.

Schlussfolgerungen: Die Evaluation trug zum Verständnis bei, wie Schüler auf den Mitmach-Parcours KlarSicht reagierten. Die Ergebnisse belegen die hervorragende Zielgruppenerreichung des interaktiven Ansatzes und unterstützen einen Regeleinsatz als schulische Maßnahme zur Suchtprävention. Prozessevaluationen, die qualitative Verfahren einsetzen, sind relevant für die Abschätzung schulischer Präventionsmaßnahmen.