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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Schichtspezifische Betreuungsbedürfnisse hämatologischer Patienten und ihre Wahrnehmung durch die betreuenden Ärzte in der stationären Versorgung

Meeting Abstract

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  • Wilfried Laubach - Universitätsklinik Mainz, Mainz
  • Sabine Fischbeck - Universitätsklinik Mainz, Mainz
  • Ute Kreiter - Universitätsklinik Mainz, Mainz

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds235

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds235.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Laubach et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Betreuungsbedürfnisse von Patienten und deren Erfüllung sind ein wichtiger Aspekt stationärer Versorgung. Aus soziologischer Sicht stellt sich die Frage nach Unterschieden in den Betreuungsbedürfnisse nach sozialer Herkunft der Patienten. Darüber hinaus ist für die Versorgung wichtig, in welchem Maße mögliche schichtspezifische Differenzen in den Bedürfnissen durch die versorgenden Ärzte wahrgenommen werden.

Methode: Anhand eines Fragebogens wurden die Betreuungsbedürfnisse und der Grad ihrer Erfüllung bei 65 Patienten mit Lungenkrebs, Leukämie und Plasmozytomen erhoben. Die Zuordnung der Patienten zu unterer, mittlerer und oberer Sozialschicht erfolgte anhand der Angaben zu Schul- und Berufsausbildung und zur ausgeübten beruflichen Tätigkeit. Darüber hinaus wurden die behandelnden Ärzte (N=7) um Angaben zur vermuteten Bedeutung der Bedürfnissen nach sozialer Herkunft der Patienten anhand des gleichen Fragebogens gebeten.

Ergebnisse: Für die Angaben der Patienten zu den für sie wichtigen Betreuungsleistungen der Ärzte ließen sich signifikante Unterschiede nach der sozialen Herkunft der Patienten feststellen. Patienten der sozial unteren Schicht erwarten in stärkerem Maße als solche der Mittel- und Oberschicht vom Arzt emotionale Unterstützung, Informationen und Verhaltensanleitungen. Die Ärzte (N=7) gaben ebenfalls Unterschiede in den Betreuungsbe-dürfnissen der Patienten nach sozialer Herkunft an. Allerdings wurden von ihnen die Betreuungsbedürfnisse, die für Unterschicht-Patienten besonders wichtig waren, in der Regel nicht als solche erkannt.

Diskussion: Die von Patienten der Unterschicht als „sehr wichtig“ bewerteten Betreuungsbedürfnisse weisen auf eine gering ausgeprägte soziale Unterstützung durch Familien, Freunde usw. hin. Diese Ergebnisse entsprechen anderen empirischen Untersuchungen, die eine gering ausgeprägte sozialer Unterstützung in der Unterschicht belegen. Die Kompensation fehlender sozialer Unterstützung ist eine wichtige ärztliche Aufgabe in der stationären Versorgung, die jedoch von den behandelnden Ärzten weitgehend nicht realisiert werden kann. Die abweichenden Einschätzungen der Ärzte stehen möglicherweise im Zusammenhang mit einer ausgeprägten Orientierung an Patienten der Mittel- und Oberschicht.