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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Soziales Kapital und Gesundheit – eine Mehrebenenanalyse auf Basis der Daten des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) 2003

Meeting Abstract

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  • Lars Eric Kroll - Robert Koch-Institut, Berlin
  • Thomas Lampert - Robert Koch-Institut, Berlin

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds212

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds212.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Kroll et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Sozialkapital ist eine Ressource von Individuen oder Gemeinschaften, deren gesundheitliche Bedeutung in den letzten Jahren verstärkt diskutiert wird. Aus der internationalen Literatur ist bekannt, dass der Zusammenhang zwischen Sozialkapital und Gesundheit innerhalb von Staaten variiert [1], für Deutschland gibt es hierzu keine Befunde. Anhand von Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) aus dem Jahr 2003 werden Analysen zur Gesundheitswirksamkeit von individuellem und kollektivem Sozialkapital unter besonderer Berücksichtigung regionaler Unterschiede durchgeführt.

Methoden: Die allgemeine Einschätzung der eigenen Gesundheit wird im SOEP mit fünf Stufen, von „sehr gut“ bis „schlecht“ erfasst. Es werden vier Indikatoren (Partizipation, Vertrauen, Reziprozität, Integration in enge Netzwerke) für individuelles Sozialkapital verwendet [2]. Auf Basis von ca. 500 repräsentativ verteilten Befragungspunkten (10 bis ca. 250 Befragte, n= 20.687) können anhand des SOEP regionale Kontexte untersucht werden. Kollektives Sozialkapital wird auf Basis von Angaben der Befragten für die Kontexte geschätzt. In den Analysen werden stufenweise aufgebaute Mehrebenenmodelle verwendet, die Effekte sozialen Kapitals werden für Geschlecht, Alter, Bildung, Armutsrisiko und Arbeitslosigkeit kontrolliert.

Ergebnisse: Die Verfügbarkeit von Sozialkapital schwankt deutlich innerhalb Deutschlands: Befragte aus Westdeutschland haben im Mittel deutlich mehr Sozialkapital als Befragte aus den neuen Bundesländern. Die Analysen zeigen einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem individuellem und kollektivem Sozialkapital und der selbst eingeschätzten Gesundheit auf, der auch nach Kontrolle für soziodemographische Merkmale bestehen bleibt. Der Effekt des individuellen Sozialkapitals variiert zwischen den regionalen Einheiten. Allerdings zeigen sich dabei keine negative Auswirkungen auf die subjektive Gesundheit. Ein starker Zusammenhang zwischen individuellem Sozialkapital und Gesundheit findet insbesondere in urbanen westdeutschen Kontexten.

Diskussion/Schlussfolgerungen: Insbesondere individuelles Sozialkapital ist unabhängig vom sozio-ökonomischen Status ein wichtiger Prädiktor für den Gesundheitszustand. Für die gemeindeorientierte Gesundheitsförderung ist von Bedeutung, dass die Wirkung sozialen Kapitals in Deutschland regional variiert. In der Forschung sollten daher in Zukunft verstärkt kontextbezogene Faktoren gesucht werden, die diese Variation erklären.


Literatur

1.
Islam MK, Merlo J, Kawachi I et al. Social capital and health: Does egalitarianism matter? A literature review. Int J Equity Health. 2006; 5: 3
2.
Kroll LE, Lampert T. Sozialkapital und Gesundheit in Deutschland. Gesundheitswesen. 2007 im Druck; 69: 1-8