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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Ist Adipositas eine Krankheit? Entwicklung eines Konzepts zur Abgrenzung eines Krankheitswertes für verschiedene Ausprägungen der Adipositas

Meeting Abstract

  • Beate Kossmann - CAREM GmbH, Sauerlach
  • Tanja Ulle - CAREM GmbH, Sauerlach
  • Jürgen Wasem - Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftungslehrstuhl für Medizinmanagement Universität Duisburg-Essen, Essen
  • Pamela Aidelsburger - CAREM GmbH, Sauerlach

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds208

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds208.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Kossmann et al.
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Gliederung

Text

HINTERGRUND: Die Prävalenz der Adipositas und ihrer Komorbiditäten (z.B. Diabetes mellitus Typ II) ist national und international steigend. Viele Komorbiditäten werden eindeutig als Krankheiten bezeichnet, die Frage ob die Adipositas eine Krankheit darstellt, wird kontrovers diskutiert. Ziel der Studie ist, eine Zusammenstellung von Argumenten, die für oder gegen Adipositas als Krankheit sprechen und wie damit eine Abgrenzung verschiedener adipöser Zustände hinsichtlich ihres Krankheitswertes operationalisiert werden kann.

METHODIK: Auf Basis publizierter Quellen wurden Argumente extrahiert, die bei der Beurteilung eines Krankheitswerts relevant sein können. Diese wurden in medizinische, psychische, ethische und bio-soziale Aspekte eingeteilt. Mittels der Ergebnisse dieser Literaturrecherche wurde ein theoretisches Konzept entwickelt, dass eine Abgrenzung eines Krankheitswertes zulässt.

ERGEBNISSE: Die Literaturrecherche ergab, dass für eine Beurteilung eines Krankheitswertes für Adipositas medizinische (BMI, Blutdruck, Genetik), psychische (Problembewältigung), ethische (Eigenverantwortung) und psycho-soziale Parameter (soziale Teilhabe, Fähigkeiten) herangezogen werden können. Eine Bewertung eines krankhaften adipösen Zustands durch rein medizinische Kriterien ist angesichts der Komplexität nicht möglich. Unter Berücksichtigung der extrahierten Beurteilungsparameter und der Core Sets für Adipositas der International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF) der WHO wurde ein Instrumentarium entwickelt, dass neben diesen objektiven Aspekten auch subjektive und kontextbezogene Parameter berücksichtigt. Kombinationen aus einzelnen Bewertungskriterien können dabei in ihrer Summe einen krankhaften adipösen Zustand beschreiben, auch wenn ihnen alleine kein Krankheitswert zugeordnet werden kann.

DISKUSSION: Das dargestellte Konzept kann Entscheidungsträger in der Adipositasdiskussion um eine Abgrenzung eines potentiellen Krankheitswertes von einem life-style Aspekt unterstützen. Zum Einsatz in der praktischen Arbeit eines niedergelassenen Arztes scheint es nicht geeignet.

SCHLUSSFOLGERUNG: Neben der theoretischen Entwicklung des Konzeptes sollte die praktische Umsetzung erfolgen. Das entwickelte Bewertungsinstrument kann so zu einem besseren Verständnis der Einordnung adipöser Zustände als Krankheit führen.