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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Querschnittsstudie zur Untersuchung der inneren Belastung von Mutter-Kind-Paaren und Männern in Gebieten erhöhter Trinkwasserbelastung mit perfluorierten Verbindungen („PFT“)

Meeting Abstract

  • Jürgen Hölzer - Ruhr-Universität Bochum, Bochum
  • Oliver Midasch - Universität Erlangen-Nürnberg, Erlangen
  • Knut Rauchfuss - Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW, Recklinghausen
  • Martin Kraft - Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW, Düsseldorf
  • Nina Marschall - Ruhr-Universität Bochum, Bochum
  • Peter Kleeschulte - Gesundheitsamt des Hochsauerlandkreises, Meschede
  • Johannes Müller - Universität Erlangen-Nürnberg, Erlangen
  • Jürgen Angerer - Universität Erlangen-Nürnberg, Erlangen
  • Michael Wilhelm - Ruhr-Universität Bochum, Bochum

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds168

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds168.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Hölzer et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: In Oberflächenwasser und Trinkwasser des Hochsauerlandkreis wurden in der ersten Mai-Hälfte 2006 im Rahmen wissenschaftlicher Studien des Institutes für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Universität Bonn zum Vorkommen langlebiger Substanzen in Gewässern erhöhte Konzentrationen perfluorierter Verbindungen festgestellt [1]. Hauptkomponente in Anteilen von 50–80 % war die Perfluoroktansäure (PFOA), die höchsten Werte wurden mit bis zu 0,56 µg/l PFOA gemessen.

Im vorliegenden Beitrag wird die Humanbiomonitoringstudie im Hochsauerlandkreis zur Abschätzung der inneren Belastung mit perfluorierten Verbindungen bei über das Trinkwasser exponierten Personen vorgestellt. Es sollte die Hypothese überprüft werden, ob Personen an Orten erhöhter PFOA-Trinkwasserbelastung erhöhte PFOA-Konzentrationen im Blutplasma aufweisen.

Material/Methoden: Es wurde eine prospektive Querschnittstudie durchgeführt.

Untersuchungskollektive: Einschulungskinder und deren Mütter, sowie männliche Einwohner zwischen 18 und 69 Jahren aus Gebieten erhöhter PFOA-Trinkwasserbelastung und aus unbelasteten Kontrollgebieten (Ngesamt=691). Die Bestimmung perfluorierter Verbindungen im Humanplasma erfolgte mittels flüssigkeitschromatographischer Trennung und tandem-massenspektrometrischer Detektion. Von den Probanden wurden mittels Fragebogen Angaben zum Trinkwasserkonsum und zur Ernährung erhoben.

Ergebnisse: In den Zielgebieten war gegenüber den Kontrollgebieten deutlich erhöhte PFOA-Konzentration im Humanplasma festzustellen. Die Konzentrationen lagen, bezogen auf den Median, beim 5-8fachen der Gehalte in den Vergleichsregionen.

Diskussion: Die PFOA-Kontamination des Trinkwassers in den untersuchten Gebieten hat zu einer deutlich erhöhten inneren PFOA-Belastung der Bevölkerung geführt. Aufgrund der wenigen bisher vorliegenden Humanstudien, in denen Zusammenhänge zwischen PFOA-Gehalten im Blut und gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei Personen mit noch deutlich höherer PFOA-Belastung untersucht wurden, ergibt sich kein Hinweis darauf, dass die PFOA-Belastung der Bevölkerung in Arnsberg gesundheitlich bedenklich ist. Aufgrund des insgesamt jedoch eingeschränkten Wissenstandes über die genauen Auswirkungen von PFOA und auch weil es sich bei den perfluorierten Verbindungen um Stoffe mit wahrscheinlich langer Halbwertzeit im menschlichen Organismus handelt, deren gesundheitlichen Bedeutung zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschließend geklärt ist, wird unter Vorsorgegesichtspunkten die erhöhte Belastung in Arnsberg weiter beobachtet werden.

Die Studie wurde durch das Umweltministerium NRW finanziert.


Literatur

1.
Skutlarek D, Exner M, Farber H. Perfluorinated surfactants in surface water and drinking waters. Environ Sci Pollut Res Int 2006;13(5):299-308.