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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Vor und nach der WHI-Studie – Analyse von Veränderungen in der Verordnung von Hormontherapien anhand von Routinedaten einer Krankenkasse

Meeting Abstract

  • Holger Gothe - IGES Institut für Gesundheits- und Sozialforschung GmbH, Berlin
  • Cornelia Seidlitz - IGES Institut für Gesundheits- und Sozialforschung GmbH, Berlin
  • Ariane Höer - IGES Institut für Gesundheits- und Sozialforschung GmbH, Berlin
  • Gerd Glaeske - ZeS, Universität Bremen, Bremen
  • Bertram Häussler - IGES Institut für Gesundheits- und Sozialforschung GmbH, Berlin

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds116

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds116.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Gothe et al.
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Gliederung

Text

Einleitung / Hintergrund: Seit Veröffentlichung der WHI-Studie im Sommer 2002 [1], in der die Einnahme von Estrogen-Gestagen-Kombinationen bei menopausalen Frauen zu vermehrtem Auftreten von kardiovaskulären Ereignissen, Brustkrebs, Schlaganfällen und Lungenembolien führte, steht die Hormontherapie in der Kritik. Internationale Zahlen [2], [3] deuten darauf hin, dass die Anwendung von Hormonen im und nach dem Klimakterium seither zurückgegangen ist; detaillierte Ergebnisse für Deutschland fehlen jedoch. Ziel der vorliegenden Analyse war es, für den Zeitraum vor und nach Veröffentlichung der WHI-Studie zu klären, ob und wie sich die Verordnungssituation in Deutschland verändert hat.

Material und Methoden: In einer longitudinalen retrospektiven Kohortenstudie wurde anhand von GKV-Abrechnungsdaten zu rund 1,5 Millionen Versicherten für den Zeitraum Januar 2000 bis Dezember 2005 die Verordnung von Hormonpräparaten an menopausale Frauen untersucht.

Ergebnisse: 134.683 weibliche Versicherte im Alter ≥40 Jahren konnten identifiziert werden, die im Beobachtungszeitraum durchgehend versichert waren. Von diesen erhielten n=38.897 mindestens eine Verordnung eines für Hormontherapie zugelassenen Arzneimittels und waren am Tage der Verordnung ≥45 Jahre alt. Der Vergleich von Versicherten mit Verordnungen solcher Arzneimittel vor Publikation der WHI-Studie (01/2000 bis 07/2002) und danach (02/2003 bis 12/2005) zeigt für alle betrachteten Hormonpräparate einen Rückgang der Zahl behandelter Frauen. Die stärkste Abnahme ist bei Gestagen-Estrogen-Kombinationspräparaten und Estrogen-Monopräparaten zu verzeichnen (n=-7.665 bzw. n=-2.375). Die Analyse inzidenter Verordnungen ergab, dass die Zahl der Frauen mit neu angesetzten Hormontherapien in oraler Darreichungsform von n=3.616 vor Veröffentlichung der WHI-Studie um knapp ein Drittel auf n=2.539 nach Veröffentlichung der WHI-Studie abnahm.

Diskussion / Schlussfolgerungen: Trotz des beobachtbaren Rückganges der Verordnung von Hormontherapien im Untersuchungszeitraum überrascht, dass auch nach Veröffentlichung der WHI-Studie noch immer relativ viele Hormonbehandlungen durchgeführt und sogar neu begonnen werden. Wie dynamisch sich der Rückgang seit Sommer 2002 entwickelt hat, wird aktuell in der noch laufenden Studie untersucht.

Danksagung: Die Studie wird gefördert vom BMBF und durchgeführt in Kooperation mit dem Robert-Koch-Institut, Berlin, sowie der Charité - Universitätsmedizin Berlin.


Literatur

1.
Writing group for the Womens' Health Initiative. Risks and benefits of estrogen plus progestin in healthy postmenopausal women. JAMA. 2002;288:321-33.
2.
Lawton B, Rose S, McLeod D, Dowell A. Changes in use of hormone replacement therapy after the report from the Women's Health Initiative: cross sectional survey of users. BMJ. 2003;327:845-6.
3.
Zylka-Menhorn V. Hormontherapie: Nachschlag. Dtsches Ärztebl. 2003;100:A-2992-3.