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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Querschnittstudie zu motorischen Auffälligkeiten bei Schulanfängern in Niedersachsen: Häufigkeiten und Einflussfaktoren

Meeting Abstract

  • Johannes Dreesman - Niedersächsisches Landesgesundheitsamt, Hannover
  • Beate Wunderlich - Niedersächsisches Landesgesundheitsamt, Hannover
  • Inge Rohling - Gesundheitsdienst Landkreis und Stadt Osnabrück, Osnabrück
  • Matthias Peiler - Gesundheitsamt Landkreis Oldenburg, Wildeshausen
  • Wolfgang Kaplick - Gesundheitsamt Landkreis Celle, Celle
  • Carsten Kraus - Gesundheitsamt Stadt und Landkreis Göttingen, Göttingen
  • Ursula Schlanstedt-Jahn - Niedersächsisches Landesgesundheitsamt, Hannover

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds073

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds073.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Dreesman et al.
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Gliederung

Text

Hintergrund: Aufgrund veränderter Lebensgewohnheiten von Kindern (weniger Bewegung im Freien und zunehmender Medien- und Computergebrauch) wird ein Rückgang motorischer und koordinativer Fähigkeiten bei Schulanfängern befürchtet, der auch von der individuellen Förderung der Kinder abhängig ist. Daher wurden Daten aus Schuleingangsuntersuchungen zu motorischen Auffälligkeiten analysiert. Speziell wurde die Entwicklung im Zeitverlauf und der Zusammenhang mit einigen Umfeldfaktoren untersucht.

Methodik: Zur Verfügung standen Daten von Schuleingangsuntersuchungen beider niedersächsischer Anwendergemeinschaften (SOPHIA und Weser-Ems). Von Weser-Ems wurden Daten aus 6 Landkreisen und kf. Städten von 33012 untersuchten Schulanfängern der Untersuchungsjahre 2002-2005 berücksichtigt bzw. für die Untersuchung zeitlicher Trends die Daten von 105953 Schulanfängern der Jahre 1995-2006. Von Sophia wurden Daten aus 27 Landkreisen und kreisfreien Städten von 51686 Schulanfängern des Untersuchungsjahres 2005 berücksichtigt. Während Weser-Ems Grobmotorik und Feinmotorik getrennt befundet, fasst SOPHIA beide zu einem Befund zusammen. Insgesamt wurden somit drei Analysen durchgeführt: Eine Analyse zur Grobmotorik und eine Anlayse zur Feinmotorik anhand von Weser-Ems-Daten und eine Analyse zur Motorik insgesamt anhand von SOPHIA-Daten.

Ergebnisse: Alle drei Analysen erbrachten sehr ähnliche Ergebnisse bezüglich der Einflussfaktoren: Motorische Auffälligkeiten waren bei Jungen etwa dreimal häufiger als bei Mädchen. Die Häufigkeit hat im Verlauf von 6 Jahren um ca. 25% zugenommen. Kinder aus Familien türkischer Herkunft waren deutlich seltener auffällig als Kinder deutscher Herkunft. Kinder von Müttern mit einfacher Berufsausbildung waren häufiger auffällig als von Müttern mit akademischer Ausbildung. Bei adipösen Kindern wurden doppelt so häufig motorische Auffälligkeiten beobachtet und auch bei übergewichtigen Schulanfängern waren die entsprechenden Häufigkeiten deutlich erhöht.

Diskussion: Für die starke Assoziation der motorischen Auffälligkeiten mit dem Geschlecht kommen u.a. entwicklungsbedingte Unterschiede oder die Art der verwendeten Tests als Ursache in Betracht. Die zeitliche Entwicklung unterstützt die Hypothese einer zunehmenden Problematik im Zeitverlauf. Die Assoziation zum Bildungsgrad der Mutter ist ein bekanntes Muster, das sich für viele schulrelevante Merkmale beobachten lässt.