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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Datenschutz und ärztliche Schweigepflicht – Hindernisse für die Informationstechnologie im Gesundheitswesen?

Meeting Abstract

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  • Manfred Brunner - Universitätsklinikum Erlangen, Erlangen

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds049

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds049.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Brunner.
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Gliederung

Text

Die ärztliche Schweigepflicht galt über lange Zeit als der Grundpfeiler der Vertrauensbeziehung zwischen Arzt und Patient. Diese Beziehung ist ein Verhältnis zwischen Macht und Abhängigkeit. Die Verantwortung des „mächtigen“ Arztes findet ihren Rahmen in der Auseinandersetzung mit ethischen Fragen. Ziel dieser Fragen ist, Normen für das Handeln und Verhalten zu finden und festzuschreiben. Sie legen die Spannbreite des menschlichen Handelns fest und sind entweder durch die Gesellschaft oder durch eigene Grenzen bestimmt.

Sind die ethischen Vorgaben Ergebnisse selbst gesetzter Maxime oder gesellschaftliche Normen, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben? Ist der Handlungsrahmen des „Halbgottes in Weiß“ angeboren und damit einfach menschlich, ist er durch „göttliche“ Vorgaben oder einfach nur durch die Musterberufsordnung für Ärzte bestimmt?

Die ärztliche Schweigepflicht allein genügt nicht mehr, um das Persönlichkeitsrecht des Patienten zu gewährleisten. Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung ist als Grundrecht definiert worden. Datenschutz soll nun den Patienten in seinen grundrechtlich garantierten Kommunikationsrechten schützen. Er selbst soll darüber entscheiden können und darüber informiert sein, wer was wann wie lange über ihn weiß.

Die technische Entwicklung zwingt uns, alte Positionen zu überdenken und Antworten auf daraus resultierende neue ethische Fragen zu suchen:

  • Kann und darf der Arzt Verantwortung an technische Systeme delegieren?
  • Wenn ja, wie weit darf er dabei gehen?
  • Können Persönlichkeits- und Selbstbestimmungsrecht von Patienten und Apparatemedizin in Einklang gebracht werden?
  • Wie kann das informationelle Selbstbestimmungsrecht des Patienten in Zeiten elektronischer Vernetzung gewährleistet werden?
  • Welche Bedeutung haben dabei noch ärztliche Schweigepflicht und Datenschutz?
  • Wiegen die Vorteile durch die verbesserte Versorgung und Vernetzung die Nachteile des Verlustes an informationeller Selbstbestimmung auf?
  • Sind ärztliche Schweigepflicht und Datenschutz überhaupt noch notwendig?

Der Vortrag gibt einige Antworten und will die Diskussion über offene Fragen verstärken.