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Kongress Medizin und Gesellschaft 2007

17. bis 21.09.2007, Augsburg

Prävalenz depressiver Symptome bei Studienanfängern - eine Querschnittanalyse in drei Ländern

Meeting Abstract

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  • Birgit Borutta - Universität Bielefeld, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, AG 2 Bevölkerungsmedizin und biomedizinische Grundlagen, Bielefeld
  • Rafael T Mikolajczyk - Universität Bielefeld, Fakultät für Gesundheitswissenschaften, AG 2 Bevölkerungsmedizin und biomedizinische Grundlagen, Bielefeld

Kongress Medizin und Gesellschaft 2007. Augsburg, 17.-21.09.2007. Düsseldorf: German Medical Science GMS Publishing House; 2007. Doc07gmds040

Die elektronische Version dieses Artikels ist vollständig und ist verfügbar unter: http://www.egms.de/de/meetings/gmds2007/07gmds040.shtml

Veröffentlicht: 6. September 2007

© 2007 Borutta et al.
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Gliederung

Text

Einleitung: Laut WHO sind Depressionen die führende Ursache von Behinderungen in Industrieländern. Frühere Studien zeigten eine im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung erhöhte Prävalenz unter Studierenden. Ziel dieser Analyse ist ein internationaler Vergleich von Prävalenzraten unter Studienanfängern sowie eine Analyse von determinierenden Faktoren.

Material und Methoden: Eine Sekundärdatenanalyse auf Basis des Cross National Students Health Surveys. Die Stichprobe bildeten 2.074 Studierende aus Deutschland, Polen und Bulgarien, die im Jahr 2005 einen Fragebogen zu gesundheitsrelevanten Faktoren ausfüllten. Die Erhebung depressiver Symptome erfolgte anhand der vereinfachten Version des Beck-Depressions-Inventars (BDI-V). Für die Prävalenzschätzung wurde der empfohlene Cut-off-Wert von 35 verwendet.

Ergebnisse: Der Mittelwert der Gesamtstichprobe des BDI-V Score lag bei 29,9 und in Deutschland (26,4) signifikant niedriger als in Polen (31,6) und Bulgarien (32,5). Weibliche Studierende wiesen deutlich höhere Mittelwerte auf als männliche (31,3 vs. 27,2). Die Prävalenz depressiver Symptome lag in Deutschland mit 25,3% signifikant niedriger als in Polen (40,0%) und Bulgarien (40,9%). Frauen waren häufiger betroffen als Männer (37,9% vs. 28,6%).

Eine multivariate lineare Regressionsanalyse nach Geschlecht ergab ein erhöhtes Risiko für einen BDI-V Wert >35 bei Personen mit einem hohen Maß an Stress, privaten Belastungen, Gesundheitsbeschwerden, geringer universitätsbezogener Zufriedenheit sowie bei bulgarischen Studierenden. Zusätzlich gingen bei Männern starke studienbezogene Belastungen mit depressiven Symptomen einher. Unter weiblichen Studierenden korrelierte eine geringe Zufriedenheit im privaten Bereich mit höheren BDI-V Werten. Niedrigere Werte des BDI-V zeigten sich bei Personen mit hohen Selbstwirksamkeitswerten sowie einer starken sozialen Unterstützung bei männlichen Studierenden. Keinen signifikanten Einfluss hatten die Faktoren Partnerschaft, Bildung der Eltern, Body-Mass-Index, Finanzen, Sport, Leistungsdenken, Zukunftspläne, Umsetzungssicherheit.

Schlussfolgerungen: Die hohe Prävalenz depressiver Symptome erfordert einen Ausbau der Maßnahmen zur Prävention psychischer Erkrankungen im Setting Hochschule. Ob die landesspezifischen Erkrankungsraten auf Studienbedingungen oder sozioökonomische Faktoren zurückzuführen sind, bleibt offen. Weitere Studien sollten Hinweise über Trends im Studienverlauf und zur Kausalität der gezeigten Zusammenhänge liefern.


Literatur

1.
El Ansari W, Maxwell AE, Mikolajczyk RT, Stock C, Naydenova V, Kraemer A. Promoting Public Health: Benefits and Challenges of a European wide Research Consortium on Student Health. Cent Eur J Public Health (in print).
2.
Schmitt M, Altstöter-Gleich C, Hinz A, Maes J, Brähler E. Normwerte für das Vereinfachte Beck-Depressions-Inventar (BDI-V) in der Allgemeinbevölkerung. Diagnostica. 2006;52:51-9.